Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Geislingen

Von 47,6 auf 25,9: Zollernalbkreis unterschreitet Corona-Obergrenze jetzt deutlich

11.05.2020

Von Rosalinde Conzelmann

Von 47,6 auf 25,9: Zollernalbkreis unterschreitet Corona-Obergrenze jetzt deutlich

© Rosalinde Conzelmann

Pauli gibt Entwarnung: Der Landkreis ist wieder weit entfernt von der Corona-Obergrenze.

50, diese magische Zahl war noch am vergangenen Mittwoch in aller Munde: Der Corona-Grenzwert, den der Zollernalbkreis mit 47,6 nur ganz knapp unterschritten hatte. Jetzt sieht die Welt wieder anders aus. Am Montagabend gab Landrat Günther-Martin Pauli bekannt, dass die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen im Zollernalbkreis bei 25,9 liegt.

Bei zu vielen Neuinfektionen droht den Landkreisen ein neuerlicher Lockdown. Ein SWR3-Bericht hatte in der vergangenen Woche genau dieses Szenario für den Zollernalbkreis vorhergesagt und von 55,57 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner berichtet.

Diese Zahl, die den medialen Wirbel verursacht hat, habe ihn geärgert, meinte der Landrat am Montagabend in der Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses, der in der Geislinger Schlossparkhalle tagte – mit gebotenem Sicherheitsabstand, hinter Plexiglasscheiben und mit Mundschutz.

Sechs Erkrankte sind auf der Intensivstation

Anhand eines Schaubildes zeigte Pauli den Verlauf und die Prognose der aktuellen Corona-Zahlen im Landkreis. Derzeit sind 1162 Menschen an Covid 19 erkrankt. Der Zollernalbkreis hat seit dem Ausbruch der Pandemie 64 Tote zu beklagen. Im Klinik werden 59 stationär behandelt, sechs liegen auf der Intensivstation, so der Landrat.

Seit Sonntag seien drei weitere Infizierte dazugekommen. Dass die Zahl der Genesenen weiter ansteigt, freut den Landrat. Er gab sie mit 766 an.

Es gab immer genug Beatmungsgeräte

„Wir sind mit den gleichen Zahlen wie in Italien gestartet“, führte der Landrat weiter aus. Die Kurve habe dann aber glücklicherweise keine ähnlich dramatische Entwicklung genommen wie in Italien. „Wir hatten nie einen Notstand an Beatmungsgeräten und zu keinem Zeitpunkt die Sorge, dass jemand ersticken muss“, betonte Pauli.

Es wird nicht weniger getestet

„Ist die Zahl der Neuinfektionen erfreulicherweise zurückgegangen und die Lage hat sich wirklich verbessert oder kontrollieren wir weniger?“ Hubert Schiele hakte nach und erhielt eine klare Antwort von Pauli: „Wir testen gleich viel wie vorher.“ Am 1. April habe die Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner, noch bei 123 gelegen.

Antikörpertest für Krankenhaus-Mitarbeiter

Zwischenzeitlich würden im Zollernalb-Klinikum alle Patienten auf das Corona-Virus getestet. „Und bereits 350 Mitarbeiter im Krankenhaus haben den Antikörpertest gemacht“, so Pauli. Ihn habe die Zahl, die vergangene Woche für Wirbel sorgte, auch deshalb geärgert, weil nicht berücksichtigt werde, wie viel getestet wird.

„Wir werden im Zollernalbkreis weiter verstärkt testen, sei es im Testzentrum, im Krankenhaus, beim DRK und bei den Hausärzten“, stellte er klar.

Gut, das Klinikum nicht privatisiert ist

Pauli nutzte die Gelegenheit, um seinen Amtsleitern in diesem öffentlichen Rahmen seinen Dank auszusprechen: „Alle standen parat.“ In der Krise habe sich zudem bewährt, dass das Klinikum vom Landkreis geführt wird und nicht in privater Hand ist.

Von 47,6 auf 25,9: Zollernalbkreis unterschreitet Corona-Obergrenze jetzt deutlich

© Rosalinde Conzelmann

Der Verwaltungs- und Finanzausschuss tagte in der Geislinger Schlossparkhalle, wo sich der Krisenstab seit März regelmäßig trifft.

Kreisrat Helmut Barth zeigte sich besorgt über die Corona-Zahlen im Landkreis. Er gehöre zum Club 70-Plus und damit zur Risikogruppe, teilte er mit.

In der Statistik des Sozialministeriums stehe der Zollernalbkreis mit 34,9 Verstorbenen auf 100.000 Einwohner landesweit an zweitschlechtester Stelle, meinte er. „Sie steuern einen großen Tanker, der aber einen Bremsweg von 14 Tagen hat“, wählte Barth dieses Bild und wünschte dem Landrat bei dieser „Seereise“ eine sichere und ruhige Hand. „Ich wünsche mir, dass sie es richtig managen“, lautete sein Appell.

Zu früh für eine Analyse

Offen bekannte Pauli, dass er keine Erklärung für diese Zahl hat. „Es ist zu verfrüht, eine Analyse zu stellen“, erklärte er. Zwei Drittel der Betroffenen seien hochbetagte Menschen, was möglicherweise eine Rolle spielen könnte.

„Wir haben sehr früh in den Altenheimen getestet und wissen nicht, wie es in den anderen Landkreisen läuft“, ergänzte Dr. Gabriele Wagner, Leiterin des Dezernats Gesundheit und Lebensraum. Auch sie musste passen: „Wir haben keine Erklärung, warum die Zahlen höher sind als in anderen Landkreisen.“

Kein zweiter Lockdown

„Wir dürfen keine Nachteile haben, weil wir mehr testen als der Bundesdurchschnitt“, sprach Balingens OB Helmut Reitemann genau diesen Punkt an. Die heimische Wirtschaft könne keinen zweiten Lockdown verkraften. „Es ist wichtig, dass auch in anderen Landkreisen in gleichem Maße getestet wird“, lautete seine Forderung.

Erneut versicherte Pauli, dass der Landkreis am Corona-Testzentrum festhalten wird. Ebenso hofft er, „dass keine zweite Welle kommt“.

Diesen Artikel teilen: