Deilingen

Unterstützung auch aus dem Zollernalbkreis: Mehr als 400 Traktoren bei Kundgebung in Deilingen

07.01.2024

von Isabell Drießen

Unterstützung auch aus dem Zollernalbkreis: Mehr als 400 Traktoren bei Kundgebung in Deilingen

© Isabell Drießen

Beim Bauernprotest in Deilingen waren laut Veranstalter mehr als 400 Traktoren, die sternförmig von mehreren Seiten in den Ort fuhren.

Zahlreiche Landwirte, auch aus dem Zollernalbkreis, haben sich am Samstag auf den Weg nach Deilingen (Landkreis Tuttlingen) gemacht, um rund um den Heuberg zu protestieren. So war die Resonanz.

Trotz Regen, Schnee und Kälte kamen mehr als 400 Traktoren am Dreikönigstag nach Deilingen. 400 Traktoren mit Landwirten der Region, die ihren Protest gegen die Kürzungen der Subventionen im Agrarbereich zum Ausdruck brachten. Entsprechend aufgeheizt war die Stimmung. „Die Ampel muss weg“, „Ohne Bauer kein Bier“ oder „Wir sind in Not – für euch bald kein Brot“ waren die Aussagen auf den angebrachten Transparenten.

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Mit Schildern an ihren Fahrzeugen machten die Landwirte auf ihre Situation aufmerksam.

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Kreisrat Stefan Buck aus Balingen rief im Anschluss an die Kundgebung spontan zu einer Sternfahrt nach Balingen auf. Vor ihm hatte sich unter anderem Guido Wolf (rechts im Bild) an die Teilnehmer der Kundgebung gewandt.

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Schon gut eine Stunde vor dem Start der Kundgebung in Deilingen waren die Zufahrtsstraßen auf dem Heuberg verstopft. Hunderte Trecker bewegten sich sternförmig aus allen Richtungen auf das Rathaus des Ortes zu. Die meisten Autofahrer reagierten gelassen auf die Verkehrsbehinderung, vielerorts wanderten die Daumen nach oben, oder man winkte den Bauern im Vorbeifahren zu. Die meisten Landmaschinen haben ein grünes Kfz-Kennzeichen. Ursprünglich waren auch dies Stein des Anstoßes für die Proteste, denn die Bundesregierung wollte den Bauern die Steuerbefreiung ihrer Fahrzeuge streichen. Inzwischen ist diese Maßnahme wieder zurückgenommen worden.

Bauern fordern weiter Subvention des Agrardiesels

Doch das reicht den Landwirten nicht. Sie wollen – oder wie sie selber sagen – „können“ nicht auf die Subventionierung des Dieselkraftstoffs verzichten. Immerhin 21,46 Cent pro Liter. Also laufen die Proteste weiter, obwohl auch hier die Ampel bereits Zugeständnisse gemacht hat, indem sie ankündigte, die Subventionen für Diesel nur langsam und schrittweise zurückzufahren. Für die kommende Woche sind zahlreiche Aktionen angekündigt.

Obwohl die Proteste absolut friedlich waren und weit und breit kaum Polizeikräfte auftraten, lag eine gewisse Spannung in der Luft. Dies wurde vor allem durch Zwischenrufe während der Kundgebung deutlich. „Klimalüge“ schallte es da etwa aus den Reihen, als Mit-Organisator Hans Henne in seiner Rede den Anstieg der CO2-Abgabe beklagte.

Wolf verurteilt persönliche Attacken

Und auch wenn der Landtagsabgeordnete Guido Wolf (CDU) in seiner Ansprache die aktuelle Bundesregierung „als die schlechteste aller Zeiten“ bezeichnete, betonte er gegenüber unserer Redaktion, dass er persönlich die Attacken gegen Robert Habeck (Grüne) absolut verurteile. Der Vizekanzler war in Schleswig-Holstein von Bauern daran gehindert worden, eine Fähre zu verlassen. Die Polizei griff ein, um zu verhindern, dass der Mob das Schiff stürmte.

Einer, der aktiv verhindern will, dass Rechtspopulisten auf die Trecker springen und den Protest für sich instrumentalisieren, ist der Balinger Kreisrat Stefan Buck. Selbst im Jahr 2019 für zehn Monate Mitglied der AfD gewesen, setzt er sich heute dafür ein, dass die Partei keinen Einzug in die Landwirte-Protestbewegung hält. Im Anschluss an die Veranstaltung forderte er die Teilnehmer spontan auf, ihm auf eine weitere Fahrt nach Balingen zu folgen. Rund 250 Fahrzeuge kamen dem Aufruf nach, die Polizei wurde kurzfristig informiert. Vor der Stadt wurde der Konvoi allerdings gestoppt.

Auffallend an der Kundgebung in Deilingen war, dass sehr viele junge Menschen teilnahmen. Junge Menschen, die sich „Sorgen um die Zukunft der Landwirtschaft“ machen, aber zum Teil vor Ort nicht sagen konnten, wie hoch etwa die Subvention für einen Liter Diesel ist. Dennoch zeigte es: Die Sympathie und die Solidarität in der Bevölkerung für die Proteste der Landwirte war am Samstag groß. Für Montagmorgen haben viele Bauern weitere Proteste und Blockaden auf öffentlichen Straßen der Region angekündigt.

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