Balingen

Und täglich grüßt das Murmeltier – die unendliche Geschichte der vierspurigen B27

02.02.2023

Von Andreas Westerhausen

Und täglich grüßt das Murmeltier – die unendliche Geschichte der vierspurigen B27

© Andereas Westerhausen

Hier soll einmal die vierspurige Ortsumfahrung von Endingen und Erzingen entlang führen.

Der mehrspurige Ausbau der B27 zwischen Rottweil und Balingen war schon im letzten Jahrhundert ein Jahrhundertprojekt und ist es jetzt noch immer.

Es war einmal ..., so fangen nicht nur Märchen an. Auch eine unendliche Geschichte, die mich mein ganzes Berufsleben in Balingen begleitet, beginnt so.

Es begann mit dem Hausbau

Als ich vor über 30 Jahren mein Eigenheim in Frittlingen erstellen ließ, beglückwünschte mich der damalige Bürgermeister, dass ich ja nun bald vierspurig nach Balingen fahren könnte. Mein Weg zur Arbeit stelle ja deshalb kein Problem da.

Schon immer Hauptverkehrsader

Auf das ich vierspurig nach Balingen fahren kann warte ich noch heute. Und nicht nur ich. Stellt doch die B27, neben der westlich verlaufenden Autobahn, eine wichtige Verbindung zwischen der Schweiz und Stuttgart dar. Früher auch an ehemaligen Namen wie Schweizer Straße – eine Hauptverkehrsader Württembergs – erkennbar.

Lang ist es her

Wie kam mein Bürgermeister dazu, mir solch einen Floh ins Ohr zu setzen. Als aktiver Kommunalpolitiker kannte er die Geschichte der B27. Es geschah im Jahr 1961, da gab das Land Baden-Württemberg eine Verkehrsstudie in Auftrag. Aus dieser ergab sich, dass die Bundesstraße 27 von Donaueschingen über Balingen und Hechingen bis Stuttgart so stark befahren ist, dass ein vierspuriger Ausbau geboten erschien. Noch im gleichen Jahr beschloss der Landtag die Umsetzung dieses Verkehrskonzepts. Damals wurde auch in Erwägung gezogen, die B27 zur Autobahn aufzuwerten. Einen Namen gab es dafür auch schon, es hätte die A83 werden sollen.

Autobahnähnliche Straße

Etwas später, im Jahr 1969, versprach bei einer Veranstaltung in Ebingen Oberregierungsdirektor Autenrieth, dass die B27 über ihre ganze Länge als „zweibahnige autobahnähnliche Straße“ ausgebaut werden soll. Im Jahr 1971 gab es dann noch eine Demonstrationsreise der Zollernälbler nach Bonn, mit kampieren vor dem Bundesverkehrsministerium, um den zügigen Bau dieser Straße anzumahnen.

Scheibchenweise geht es voran

Stückchenweise ist diese nun heute fertiggestellt. Von einer durchgängigen freien Fahrt von Donaueschingen bis Stuttgart sind die Planer und Straßenbauer noch weit entfernt. Das größte Teilstück entfällt dabei auf die Strecke zwischen Tübingen und Stuttgart. Dieses wurde in drei Abschnitten freigegeben, 1979 von Echterdingen bis Filderstadt, 1984 von Filderstadt bis Kirchentellinsfurt, 1994 von Kirchentellinsfurt bis Tübingen.

In den 80er Jahren wurde dann das Teilstück im Zollernalbkreis zwischen Bodelshausen und Balingen Süd in Angriff genommen und fertiggestellt.

Planung geht weiter

Am 4. November 2006 wurde ein 3,7 Kilometer langer Abschnitt des Ausbaus zwischen Tübingen und Dußlingen freigegeben. Im Juli 2014 folgte die Freigabe bis zum Umspannwerk Nehren, einschließlich eines 500 Meter langen Tunnels durch Dußlingen. Der weitere Ausbau in der Region (Schindhaubasistunnel, Umfahrung von Ofterdingen und Bad Sebastiansweiler) ist derzeit aufgrund von Finanzierungs- und Planungsschwierigkeiten ungewiss.

Bausteine fehlen

Der Ausbau der B27 steht seit Jahrzehnten auf der politischen Agenda. Nach wie vor fehlen mit Nehren-Bodelshausen und der Ortsumfahrung Tübingen zwei wichtige Bausteine. Hier ist nun gerade die Planfeststellung im Gange. „Die B27 ist die Lebensader der Region Neckar-Alb und die einzige Erschließung in Nord-Süd-Richtung, so die Industrie- und Handelskammer.

Bürgerinitiativen sorgen sich

Neben der IHK haben sich auch Bürgerinitiativen zu Wort gemeldet. Da ist einmal die Denkfabrik, die sich für die Stärkung der Infrastruktur im Zollernalbkreis einsetzt. Ebenfalls recht aktiv ist die Bürgerinitiative Ortsumfahrung Endingen-Erzingen, die vor den Gefahren warnen, die von über 19.000 Fahrzeugen täglich ausgehen.

Mindestens einmal die Woche grüßt das Murmeltier. Spätestens dann, wenn ich nicht zweispurig an Schömberg vorbeifahre, sondern mich durch die Ampelkaskade von Schömbergs Innenstadt quäle.

Diesen Artikel teilen: