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Zollernalbkreis

„Überfälliges Signal für den Zollernalbkreis“: Strom aus Solaranlagen wird weiter vergütet

21.05.2020

Von Pascal Tonnemacher

„Überfälliges Signal für den Zollernalbkreis“: Strom aus Solaranlagen wird weiter vergütet

© Pascal Tonnemacher

Ein Lichtblick zwischen dunklen Wolken am Himmel der Solarbranche: Dank der jüngsten Entscheidung wird eingespeister Strom aus Photovoltaikanlagen, also Sonnenenergie, weiterhin vergütet. Der Böllat bei Burgfelden bietet einen Ausblick über den „sonnenverwöhnten“ Zollernalbkreis.

Firmen und Interessierte aus der Region können aufatmen: Der Ausbau von Photovoltaikanlagen wird nicht stoppen, denn eingespeister Strom wird auch in Zukunft vergütet. Darauf einigte sich die Große Koalition in Berlin. Die Grünen im Zollernalbkreis kritisieren diese Maßnahme als „über Monate hinweg verschleppt“ und hatten sich zuletzt an den Bundestagsabgeordneten Thomas Bareiß gewandt. Und auch der meint als Mitverhandelnder, dass es „höchste Zeit“ war.

Auch wenn noch unklar ist, welche Regelungen bleiben und welche sich ändern: Solera-Chef Thomas Preuß freut sich nach langer Ungewissheit über die lange zugesagte und nun von der Regierungskoalition in Berlin beschlossene Abschaffung des sogenannten 52-Gigawatt-Solardeckels.

Denn diese Entscheidung bedeutet, dass erzeugter Strom aus Photovoltaikanlagen, die künftig installiert werden, auch weiterhin auf Basis des Erneuerbare-Energien-Gesetz vergütet wird. Preuß‘ Unternehmen in Binsdorf sichert sie so wohl potenziell weitere Aufträge und Arbeitsplätze.

Vergütung wäre bald geendet

Denn gesetzlich vorgesehen war bislang, dass die Einspeisevergütung bei neuen Anlagen aus Kostengründen ausgesetzt wird, sobald in Deutschland Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 52 Gigawatt installiert sind. Je nach Prognose sollte der sogenannte Solardeckel im Sommer oder zumindest 2020 erreicht werden.

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Nach langer Ungewissheit freuen wir uns über die Nachricht. Doch was noch unklar ist: Wie lauten die neuen Regelungen, welche bleiben, welche werden verändert? Thomas Preuß, Chef von Solera

Es sollte zusätzlich ein „Eigenkapital-Fonds“ von Bund und Ländern geschaffen werden, der kleinen und mittelständischen Unternehmen den Rücken stärkt, um sich für die steigende Nachfrage von Mietmodellen zu rüsten. Thomas Zalwaski (Grüne)

Aus dem Blickwinkel des sonnenverwöhnten Zollernalbkreises ist die Abschaffung des Solardeckels ein überfälliges Signal, um den Ausbau von erneuerbaren Energien – hier im besonderen die Solarenergie – weiter voranzubringen. Landrat Günther-Martin Pauli

Die Branche und auch die Kunden brauchen Planungssicherheit, um investieren und produzieren zu können. Auch Ausbildungsplätze können sonst kaum ausgeschrieben werden. Energieberater Ulrich Kohaupt

Dieser Punkt (Anm. d. Red.: Aufhebung der Zubaubegrenzung bei Photovoltaikanlagen) freut mich persönlich am meisten, weil wir hier im Land gerade eine Photovoltaik-Pflicht für Nicht-Wohngebäude planen. Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne)

Ich sehe eine Bau-Pflicht sehr kritisch, es ist wieder eine Einschränkung und Hürde. Das schreckt ab. Thomas Bareiß (CDU)

Bislang mussten Interessierte also fürchten, dass sie eine geplante Solaranlage künftig lediglich für den Eigenbedarf nutzen können oder Sonnenenergie nur über das Marktprämienmodell zu Geld machen können. Bestehende sowie ausschreibungspflichtige Anlagen mit über 750 Kilowatt Leistung sind von der Regelung nicht betroffen. Dennoch hatte der weitere Ausbau von Solaranlagen zu stoppen gedroht.

Unternehmer lobt Politiker

Nachdem die Einigung auf Bundesebene jüngst bekannt wurde, lobte Unternehmer Thomas Preuß das Engagement der politisch Verantwortlichen und dankt den lokalen Politikern.

Auch Landrat Günther-Martin Pauli ist ein Freund der solaren Energiegewinnung und hatte jüngst den Solaratlas des Zollernalbkreises vorgestellt. Auf www.solaratlas.zollernalbkreis.de können Interessierte zur ersten Orientierung in einem Solarkataster kostenlos überprüfen, ob und wie gut sich ihr Dach für eine Solaranlage eignet und wann sich eine solche auch lohnen würde.

„Überfälliges Signal für den Zollernalbkreis“: Strom aus Solaranlagen wird weiter vergütet

© Landratsamt

Landrat Günther-Martin Pauli (Mitte) fördert den Ausbau erneuerbarer Energien und hat zusammen mit der Energieagentur den Solaratlas vorgestellt.

Pauli begrüßt die Entscheidung, sagt gleichwohl aber auch: „Aus dem Blickwinkel des sonnenverwöhnten Zollernalbkreises ist die Abschaffung des Solardeckels ein überfälliges Signal, um den Ausbau von erneuerbaren Energien – hier im besonderen die Solarenergie – weiter voranzubringen.“

Unternehmen müssen sicher planen können

Es gibt nicht nur Lob zu hören: Dass die heimische Solarwirtschaft sowie Interessierte diese Abschaffung brauchen, um sicher planen zu können, war schon lange eingefordert worden.

Zuletzt in einem offenen Brief des Grünen-Kreisverbands an den Bundestagsabgeordneten Thomas Bareiß vor rund zwei Wochen. Den Unternehmen würden größere Aufträge wegbrechen – und das nicht wegen der Coronakrise, hatten die Grünen noch vor der Einigung geschrieben.

„Verschleppte notwendige Maßnahme“

Thomas Zawalski, der für die Grünen im hiesigen Wahlkreis bei der Bundestagswahl antreten will, sieht „eine über Monate hinweg verschleppte notwendige Maßnahme“. Auch der Bundestagabgeordnete Thomas Bareiß (CDU) sagt auf Anfrage, dass es „höchste Zeit“ war und geht nun „davon aus, dass es kein Stocken beim Ausbau gibt“. Auch wenn der Beschluss noch in Gesetzesform gegossen werden muss: „Niemand muss Angst haben, dass seine Anlage nicht gefördert wird“, sagt Bareiß.

Zawalski fordert nun zusätzlich einen „Eigenkapital-Fonds“ von Bund und Ländern, der kleinen und mittelständischen Unternehmen den Rücken stärkt, um sich für die steigende Nachfrage von Mietmodellen zu rüsten.

Energieberater kritisiert lange Ungewissheit

Die lange Ungewissheit kritisiert auch Ulrich Kohaupt, Energieberater in Albstadt:„Interessierte Kunden brauchen Zeit, bis sie sich entscheiden. Wenn dann plötzlich die Möglichkeit der Einspeisung weggebrochen ist, hilft das keinem. Industriepolitik sollte gerade mit Zukunftsbranchen anders umgehen.“

Was das für Unternehmen bedeutet hat, ist für ihn klar: „Die Branche und auch die Kunden brauchen Planungssicherheit, um investieren und produzieren zu können. Auch Ausbildungsplätze können sonst kaum ausgeschrieben werden.“

Streit um Windkraft verzögert Abschaffung

Dabei waren sich die Regierungsparteien in Berlin grundsätzlich längst einig, hatten sich aber in Verhandlungen um ein energiepolitisches Gesamtpaket vor allem beim Thema Windkraft verhakt.

Die Große Koalition einigte sich schlussendlich unter anderem auf eine flexible Abstandsregel für Windkraftanlagen – und beschloss in diesem Zusammenhang auch die Aufhebung der Zubaubegrenzung bei Photovoltaikanlagen. „Das war kompliziert und hoch umstritten“, sagt Bareiß, der als Vertreter von Wirtschaftsminister Peter Altmaier oft bei den Verhandlungen dabei war. „Deshalb ging es länger als gedacht.“

Photovoltaik-Pflicht für Nicht-Wohngebäude geplant

„Dieser Punkt freut mich persönlich am meisten“, sagte Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) in einer Pressemitteilung. Vor allem für Baden-Württemberg sei das eine sehr gute Nachricht, fügte Untersteller hinzu, „weil wir hier im Land gerade eine Photovoltaik-Pflicht für Nicht-Wohngebäude planen.“

Thomas Bareiß, der Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung, sieht diese Pflicht „sehr kritisch, es ist wieder eine Einschränkung und Hürde – das schreckt ab“. Zudem befasse sich doch jeder, der ein neues Gebäude baut, „automatisch mit Solarenergie und es gibt genug Anreize und gute Argumente dafür“.

Auch die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Württemberg-Hohenzollern stellt sich diesen Plänen entgegen und verweist auf die finanzielle Situation vieler mittelständischer Betriebe durch die aktuelle Coronakrise. Nicht jeder Standort sei zudem dafür geeignet.

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