Balingen

Tigerente, Wondrak und erotische Kunst: Das ist bei der Janosch-Ausstellung in Balingen geboten

27.09.2023

Von Jasmin Alber

Tigerente, Wondrak und erotische Kunst: Das ist bei der Janosch-Ausstellung in Balingen geboten

© Jasmin Alber

Stellten vor, dass die Janosch-Ausstellung viel mehr als die Tigerente zu bieten haben wird (von links): Art-28-Geschäftsführer Bernhard Feil, Oberbürgermeister Dirk Abel und Stadthallen-Geschäftsführer Matthias Klein.

Er ist Maler, Illustrator, Karikaturist, Literat und Roman- und Kinderbuchautor, politisch und gesellschaftlich interessiert – den meisten aber bekannt als der Mann hinter der Tigerente: Horst Eckert. Wie viel mehr sein Schaffen umfasst, werden die Besucher der Ausstellung im Sommer 2024 in der Stadthalle Balingen erfahren. Leben und Werk des Künstlers, der unter dem Namen Janosch große Bekanntheit erlangt hat, stehen hierbei im Mittelpunkt.

Die Ausstellung „Janosch – Leben und Werk“, die von 10. August bis 6. Oktober 2024 in Balingen gezeigt wird, reiht sich ein in eine jahrzehntelange Geschichte. Sie wird die 21. Kunstausstellung seit Beginn der 80er-Jahre sein, sagte Stadthallen-Geschäftsführer Matthias Klein bei der offiziellen Vorstellung am Mittwochvormittag. Zunächst waren es Werke von Picasso, Monet oder Klee, die die Massen in die Stadthalle gelockt haben, Janosch wird im kommenden Jahr an James Rizzi anknüpfen. „Jetzt sind wir in der Moderne angekommen“, meinte Klein.

Ursprünglich sei die Janosch-Ausstellung in der Stadthalle schon 2022 geplant gewesen. Doch außerplanmäßig stand für die Veranstalter von Art 28 aus Tübingen ein Corona-Nachholtermin einer Rizzi-Ausstellung in Graz auf dem Plan. Dieses Jahr stand bekanntermaßen die Gartenschau in Balingen im Rampenlicht, weshalb Janoschs Leben und Werk erst im kommenden Jahr gezeigt werde – „dann eben 2024“, ging Bernhard Feil, Geschäftsführer von Art 28, auf die Hintergründe ein.

Wie Janosch zu Art 28 kam …

Horst Eckert alias Janosch kam vor einigen Jahren mehr oder weniger per Zufall zu dem Kunstverlag Art 28, der damals noch in Stuttgart seinen Sitz hatte. Janosch sei mit seinem damaligen Verleger, der in den Ruhestand gehen wollte, zu Besuch gewesen und habe aus heiterem Himmel verkündet: „Dann mache ich jetzt mit euch weiter.“ Seither verbinde die Verlagsverantwortlichen und den Künstler eine enge Freundschaft.

Tigerente, Wondrak und erotische Kunst: Das ist bei der Janosch-Ausstellung in Balingen geboten

© Art28

Der Künstler Horst Eckert alias Janosch lebt und arbeitet seit vielen Jahren auf Teneriffa.

Und eben diese Verbindung macht es auch möglich, dass nicht nur die typischen Kunstwerke Janoschs in Balingen gezeigt werden, sondern auch Einblicke in sein Leben und sein Atelier gegeben werden – etwa mit Möbelstücken oder privaten Gegenständen wie Handpuppen, die Janosch nur für sich selbst gestaltet und hergestellt hat. Kurzum: „Leben & Werk“ ist eine Ausstellung im Namen des Künstlers mit der Sammlung der Art 28 und Leihgaben aus dem privaten Besitz der Familie von Janosch. Viele Exponate werden zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert.

Eine Ausstellung für die ganze Familie

Schon die Rizzi-Ausstellung in Balingen 2020 sei eine für die ganze Familie gewesen und habe trotz Pandemieeinschränkungen eine große Resonanz erfahren. „Bei Janosch wünschen wir uns das auch“, so Feil – nur jetzt eben bei voller Kapazität. Die ganze Stadt soll im miteinbezogen werden, sagt der Art-28-Geschäftsführer, der die große Strahlkraft der Ausstellung, deren exklusiver Medienpartner der ZOLLERN-ALB-KURIER ist, weit über die Landkreisgrenzen hinaus hervorhebt.

Das Vorhaben Familienausstellung kommt nicht von ungefähr, ist Janosch doch ein Künstler, der mit seinem Schaffen alle Generationen anspricht. Und die Ausstellung geht wie erwähnt über die Standardkunst hinaus. Und das muss sie schon allein der Schaffensbandbreite wegen auch, denn Janoschs Werk ist so vielseitig wie bei kaum einem anderen Künstler. Das zeigte sich in den Ausführungen von Enrico Battaglia, Kunsthistoriker und Kurator der Ausstellung.

Wer ist Horst Eckert alias Janosch eigentlich?

Er ging auf die Frage ein: Wer ist Janosch, dieser Mann, der die bekannten Figuren erschaffen hat? Der gelernte Schlosser, der eine schwierige Kindheit hatte, kam über ein Intermezzo an der Kunstakademie München zu seiner Passion. Bekannt wurde er Ende der 70er mit seinen illustrierten Kinderbüchern. Sicherlich das bekannteste ist „Oh, wie schön ist Panama“, das in 30 Sprachen übersetzt worden ist. Zwei Semester studierte er dort nur, „aber dadurch ist er zur Kunst gekommen“, so Battaglia.

Tigerente, Wondrak und erotische Kunst: Das ist bei der Janosch-Ausstellung in Balingen geboten

© Jasmin Alber

Zwei Gemälde aus Janoschs Frühwerk: ein Selbstbild und ein Blumenstrauß.

Danach zunächst als Illustrator für Kinderbücher tätig, sorgte er mit seinen Gemälden aber damals schon in Münchener Kreisen für Aufsehen. Eben jene Unikate des Frühwerks der 1950er- bis 70er-Jahre werden in Balingen gezeigt, ebenso bekannte Motive und Figuren der Kinderbücher, mit denen Janosch Ende der 80er-Jahre berühmt worden ist. In diese Zeit fällt auch sein Umzug nach Teneriffa, seither Horst Eckerts Wahlheimat.

Nicht fehlen darf in der Ausstellung natürlich Herr Wondrak, Janoschs Alter Ego, das er fürs Zeit-Magazin kreiert hatte und das sich – mal augenzwinkernd, mal bierernst – mit den wichtigen Fragen der Gesellschaft befasst. Wondrak ist auch im Logo der Balinger Ausstellung, reitend auf einer Tigerente, zu sehen – die beiden Ankerpunkte von Janoschs Schaffen seien mit Bedacht gewählt worden.

Herr Wondrak symbolisiert zudem Janoschs großes Interesse an der Gesellschaft, der Politik und dem Zeitgeist.

Über 600 Werke in drei Räumen

Die Ausstellung basiert auf einer chronologischen und thematischen Anordnung mit einem museumspädagogischen Konzept. Illustrationen, Radierungen, Aquarelle und Ölmalerei: Über 600 Werke werden in drei Räumen, gegliedert in verschiedene Themenbereiche, gezeigt. Sie zeichnen sich durch den unverwechselbaren Stil und fröhliche Farben aus. Oft sind als Element Sprechblasen integriert, mit denen Janosch den Bogen zu seiner weiteren Leidenschaft, der Sprache, schafft.

Fotostrecke
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Impressionen der vielfältigen Kunst von Janosch.

© Janosch film & medien AG, Berlin

Impressionen der vielfältigen Kunst von Janosch.

© Janosch film & medien AG, Berlin

Impressionen der vielfältigen Kunst von Janosch.

© Janosch film & medien AG, Berlin

Impressionen der vielfältigen Kunst von Janosch.

© Janosch film & medien AG, Berlin

Impressionen der vielfältigen Kunst von Janosch.

© Janosch film & medien AG, Berlin

Impressionen der vielfältigen Kunst von Janosch.

© Janosch film & medien AG, Berlin

Eine Herausforderung für Ausstellungsmacher, wie Bernhard Feil schmunzelnd anmerkte: wie die erotischen Zeichnungen Janoschs – auch diesen Kunstbereich hat Horst Eckert in seinem Portfolio – integriert werden. Insgesamt soll es schließlich eine Familienausstellung sein.

Druckworkshops und ein spezielles Werk für Balingen

Damit aus der Ausstellung eine runde Sache wird, ist ein umfangreiches Rahmenprogramm geboten, so Alexander Lieventhal, Assistenz der Art-28-Geschäftsführung, der erste Einblicke gab. Auf dem Programm stehen Druckworkshops mit den beiden Radierdruckern von Janosch, die ihre Druckmaschine mitbringen werden. „Wir wollen den Literaten und Schriftsteller Janosch nicht zu kurz kommen lassen“, sagte Lieventhal im Hinblick auf geplante Lesungen. Im „Art-Shop“ können Janosch-Editionen und -Unikate, Bücher, Kalender und weitere Kunstartikel erworben werden. Und: „Janosch hat ein spezielles Werk hier für die Region in der Mache, die es dann im Art-Shop zu kaufen gibt“, stellt er in Aussicht.

Abel: Janosch passt zur Kunst- und Kulturstadt

„Balingen ist eine Kunst- und Kulturstadt“, konstatierte auch Oberbürgermeister Dirk Abel. Und eine Ausstellung wie Janosch passe hervorragend in dieses Bild. Und er schickte nach, dass der Gemeinderat der anstehenden Ausstellung viel Wertschätzung entgegenbringe und gerne die Räume der Stadthalle auch für einen längeren Zeitraum zur Verfügung stellt. Und auch die Zusammenarbeit von Art 28 und Stadthalle beziehungsweise Stadt Balingen soll nach Janosch nicht beendet sein. „Wir hoffen, dass wir 2026 wieder in Balingen aufschlagen“, stellte Bernhard Feil in Aussicht. Womit? Das ist selbstverständlich noch ein Geheimnis.

Karten für Janosch-Ausstellung

Karten für die Janosch-Ausstellung im kommenden Jahr gibt es seit Mittwoch im Vorverkauf. Wer seine Tickets online kauft, profitiert übrigens von der Kooperation von Art 28 und dem Verkehrsverbund Naldo: Das Ticket fungiert dann als Fahrkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel im Naldo-Gebiet.

Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind täglich von 10 bis 19 Uhr (donnerstags bis 21 Uhr). Für Schulklassen und Kita-Gruppen wird von 8 bis 10 Uhr nach vorheriger Terminvereinbarung der exklusive und ungestörte Besuch der Ausstellung ermöglicht. Dasselbe gilt abends für Firmen und (kulturinteressierte) Gruppen.

Weitere Information, die laufend aktualisiert werden, gibt es auf janosch-balingen.de.

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