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Fußball

TSG-Funktionäre nähern sich wieder an: Rücktritte auf Zeit?

08.11.2019

Von Marcel Schlegel

TSG-Funktionäre nähern sich wieder an: Rücktritte auf Zeit?

© Moschkon

Am Donnerstag tagte das Vorstandsgremium der Balinger Fußballer nach den Rücktritten von sechs Jugendfunktionären, darunter zwei Vorstände. Das Ergebnis? TSG-Abteilungsleiter Uwe Haußmann bittet noch um Geduld.

Wie geht es bei der TSG Balingen weiter? Noch hält sich die Vereinsführung bedeckt, es deutet aber vieles auf einen Schulterschluss hin.

Am Donnerstag hat das Vorstandsgremium der TSG Balingen besprochen, wie es auf die Rücktritte der sechs Jugendfunktionäre reagieren möchte – darunter auch die Vorstände Marc Schuster und Thomas Pittasch.

Pittasch, laut eigenen Angaben seit über zehn Jahren Hauptsponsor der Balinger Jugendteams und als Vorstand für Sonderaufgaben offiziell zurückgetreten, und Alexander Schreiner, bisher Leistungsbereichs-Koordinator und weiter U 17-Coach, nahmen an der Sitzung teil.

Undurchsichtige Sachlage

Nicht anwesend war Marc Schuster, der zudem Sportlicher Leiter der Nachwuchsteams war und wohl noch immer U 18-Coach ist. Zumindest betreute Schuster seine Elf zuletzt in Spiel wie Training. Sein Rücktritt bezieht sich wohl noch nur auf seine Jugendleiterrolle. Schuster teilte mit, dass die Führungsriege seine Mitstreiter zwar um ein klärendes Gespräch gebeten habe, er dazu selbst aber nicht eingeladen worden sei.

Schuster fungierte als öffentliches Sprachrohr der sechs zum 31. Oktober zurückgetretenen Funktionäre, zu denen neben Schuster, Pittasch und Schreiner auch Christian Krampulz (Administrativer Leiter Nachwuchsteams), Waldemar Erdlei (Koordinator Grundlagen- und Aufbaubereich) und Michael Eberhart (Torwart Koordinator) zählen. Auch Erdlei (U 17) und Eberhart führen wie Schuster und Schreiner ihre Trainerposten weiter aus, nicht aber ihre Funktionärstätigkeit.

Haußmann bittet um Geduld

Die Vereinsführung um Uwe Haußmann wollte sich am Freitag nicht tiefergehend zum Ergebnis der Sitzung äußern, das heißt: noch nicht. „Wir hatten ein gutes Gespräch und suchen den Schulterschluss – Ergebnis noch offen“, sagte der Abteilungsleiter.

Man sei hinsichtlich der Lösungsfindung für die vakanten Positionen schon weit vorangeschritten, erklärte Haußmann, bat aber noch um Geduld. „Solche Vorgänge müssen erst intern abschließend besprochen worden sein, bevor wir sie öffentlich verkünden. Das sollte das normale Vorgehen sein.“ Fakt sei, dass man im Verein nicht in „Fraktionen“ denke, sondern Entscheidungen geschlossen und möglichst einstimmig finden wolle.

Ex-Jugendvorstand Schuster und Co. hatten die Vereinsführung zuvor dafür kritisiert, in gewisse Entscheidungen nicht eingebunden worden zu sein – etwa in die Freistellung des bisherigen Sportlichen Leiters Egon Welther. Zuvor war zudem Trainer Ralf Volkwein entlassen und durch Bernd Bauer aus der U 18 ersetzt worden.

Folgt der Rücktritt vom Rücktritt?

Schreiner bestätigte den konstruktiven Charakter der Vereinssitzung. „Es war ein gutes Gespräch und wichtig, dass die Vorgänge aufgearbeitet werden. Letztlich will jeder das Beste für den Verein.“ Pittasch, Geschäftsführer eines Albstädter Unternehmens, war gestern nicht zu erreichen.

Klar ist bei der TSG Balingen, dass nur wenig klar ist – aber scheinbar nur öffentlich. Denn es deutet vieles darauf hin, dass sich die beiden Lager wieder annähern und die Vereinsführung die vakanten Positionen wohl nicht nur intern besetzen will, sondern bestenfalls sogar mit einigen der Zurückgetretenen – ergo: sich einen Rücktritt vom Rücktritt wünscht.

Ein Kommentar: Wie ein Profiklub

Wenn es intern kriselt, kracht es meist öffentlich – in dieser Hinsicht unterscheidet sich ein Bundesligaklub nicht wesentlich von einem Amateurverein wie der TSG Balingen. Dass diese Auseinandersetzung nach den Entlassungen von Erfolgstrainer Ralf Volkwein und des Sportlichen Leiters Egon Welther ausgerechnet in der Öffentlichkeit ausgetragen wird, zeugt davon, dass es zwischen den Fraktionen offenbar schon eine Weile brodelte, Befindlichkeiten verletzt oder Einzelne übergangen wurden.

Und man kommt, soweit der externe Blick eine Interpretation überhaupt zulässt, nicht umhin festzustellen, dass die interne Kommunikation wohl tatsächlich ausbaufähig ist, ganz so wie es das Lager der sechs Zurückgetretenen um Jugendvorstand Marc Schuster monierte. Schließlich sollte der Weg eines Klubfunktionärs an die Öffentlichkeit im Krisenfall doch der letztmögliche sein.

Während die kritisierte Vereinsführung diesen noch immer meidet, Abteilungsleiter Uwe Haußmann wiederholt betonte, dass solche Angelegenheiten erstmal intern besprochen werden müssten, wählten die zurückgetretenen Jugendfunktionäre aber genau diesen direkten Weg – an die Presse.

Warum? Entweder, weil sie einen Machtkampf anzetteln wollten oder weil sie tatsächlich übergangen wurden – und sich nicht mehr anders zu helfen wussten. Dass beide Lager ihre eigene Lesart vertreten, liegt in der Natur solcher Streitereien. Wer im Recht ist, lässt sich für Außenstehende nur schwer beurteilen.

Indes: Dass ausgerechnet die Jugendabteilung aufbegehrt, zeigt auch, dass sich die TSG zuletzt etwas von ihrem ihr ureigenen Weg entfernt zu haben scheint: ein regional ausgerichteter Ausbildungsverein zu sein. An die Erfolge vergangener Jahre konnte der Nachwuchs jüngst jedenfalls nicht mehr anknüpfen. Neben der Regionalliga-Elf kämpft zudem auch die U23, seit Jahren, gegen den Abstieg; der Fall auf Bezirksebene droht.

So oder so haben die Entlassungen, Rücktritte und Dispute der letzten Wochen dem Image des als familiär geführt bekannten Amateurvereins geschadet – das ist die Schattenseiten einer angepeilten Professionalisierung, die sich die Balinger seit ihrem Regionalliga-Aufstieg 2018 auferlegten.

Im Klartext: Im Erfolg blieb es ruhig, in der sportlichen Krise werden wahlweise Lautsprecher, Ohrstöpsel oder interne Maulkörbe ausgepackt. In dieser Hinsicht erinnert die TSG bereits an einen echten Profiklub.

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