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Zollernalbkreis

Sturmtief Sabine: Zollernalbkreis kommt wohl mit einem blauen Auge davon

10.02.2020

Von Benno Haile

Sturmtief Sabine: Zollernalbkreis kommt wohl mit einem blauen Auge davon

© Rolf Schatz

Erste Sturmschäden: In Dotternhausen knickten zwei große Tannen um und fielen auf zwei Gartenzäune.

Die Nacht zum Montag war im Zollernalbkreis weitestgehend ruhig. Doch der Wind ist am Montagvormittag zunehmend stärker geworden. Größere Schäden sind bislang nicht bekannt. Doch es gab neben Straßensperrungen Strom-, Telefon- und Internetausfälle. Eine laufend aktualisierte Zusammenfassung der Ereignisse und Auswirkungen in der Region.

„Besondere unwetterbedingte Einsätze sind nicht zu vermelden“, teilt der DRK-Kreisverband am Montagmorgen gegen 5.15 Uhr auf Facebook mit.

Es ist eine erste Zwischenbilanz des Sturmtiefs, aber noch keine endgültige. Der Deutsche Wetterdienst warnt im Zollernalbkreis noch bis Montagabend vor Orkanböen. In den Sturmmodellen auf Kachelmannwetter.com werden die stärksten Böen zwischen 7 und 9 Uhr erwartet. Ab 10 Uhr soll der Wind etwas nachlassen.

Führungsstab muss nicht aktiv eingreifen

Wie berichtet, standen die Hilfskräfte in Alarmbereitschaft. Landratsamt und DRK meldeten am Montagnachmittag, dass die kreisweite Lage überschaubar war und der bereitstehende Führungsstab für eine Großeinsatzlage nicht benötigt wurde.

Nach ersten Einschätzungen hat das Sturmtief Sabine zwar zu Schäden im Wald geführt. Diese sind jedoch auf Einzelwürfe oder -brüche begrenzt. Zum Teil sind Waldwege durch umgeworfene Bäume nicht befahrbar.

„Wir danken allen Einsatzkräften, die seit Sonntag in erhöhtem Bereitschaftsalarm waren“ so Landrat Günther-Martin Pauli. Die Bevölkerung wird eindringlich gewarnt, sich derzeit nicht im Wald aufzuhalten. Durch die vom Regen aufgeweichten Böden ist die Gefahr von umstürzenden Bäumen besonders groß. Außerdem können vom Wind gebrochene und herabfallende Äste zu ernsthaften Verletzungen führen.

Landratsamt liefert Liste mit Einsätzen

Umgestürzte Bäume oder Äste und Zweige auf den Straßen mussten die Feuerwehrangehörigen in Straßberg, Albstadt-Ebingen und Tailfingen, Geislingen, Geislingen-Binsdorf, Meßstetten und in den Stadtteilen Tieringen und Oberdigisheim, Haigerloch und den Stadtteilen Bittelbronn, Weildorf, Bad Imnau, Grosselfingen, Bisingen, Balingen-Frommern, Schömberg, Schörzingen, Zimmern unter der Burg, Burladingen und in den Stadtteilen Ringingen, Hörschwag, Hausen im Killertal wie auch in Rosenfeld-Leidringen, Obernheim und Hechingen-Boll entfernen.

Abgedeckte Dächer und herunterfallende Dachziegel gab es in Burladinen Hausen im Killertal, Geislingen, Meßstetten-Oberdigisheim, Schömberg und Obernheim. Zwischen Burladingen-Ringingen und Killer wurde ein Auto unter einer Tanne gemeldet.

Sturmtief Sabine: Zollernalbkreis kommt wohl mit einem blauen Auge davon

© Katja Weiger

Vielerorts – wie hier in Nusplingen – wurden die Narrenbäume präventiv umgesägt, damit sie nicht umfallen.

Sowohl in Albstadt als auch in Meßstetten und Nusplingen fielen einige Narrenbäume dem Sturm indirekt zum Opfer. Die Feuerwehr fällte sie vorsorglich.

Stromausfall, umgeknickte Bäume und Straßensperrung

In der Nacht war laut Meldungen unserer Leser in Teilen von Hechingen und Obernheim zeitweise der Strom ausgefallen. Netze BW meldet auch in Wehingen, Schramberg und generell im Zollernalbkreis großflächige Mittelspannungsstörungen.

95 Prozent aller betroffenen Gebiete seien aktuell erfolgreich wiederversorgt, restliche sogenannte Entstörmaßnahmen erfolgen mithilfe von THW und Feuerwehr. Seit Sonntagnacht seien zahlreiche Betriebsnmonteure im Einsatz. Ursache sind Bäume und andere Fremdkörper in den Freileitungen sowie gebrochene Masten, heißt es in der Pressemitteilung.

Sturmtief Sabine: Zollernalbkreis kommt wohl mit einem blauen Auge davon

© Klaus Irion

In der Ostdorfer Straße in Balingen wurde ein Trampolin weggeweht.

In Dotternhausen knickten zwei große Tannen an der Einmündung von der Plettenbergstraße in die Buchenstraße um. Die Bäume fielen über die Buchenstraße und zerschlugen zwei Gartenzäune.

Am Montagmorgen musste die Schörzinger Feuerwehr sturmbedingt ausrücken und sperrte die Straße zwischen Schörzingen und Wilflingen ab. Auch die Straße auf den Oberhohenberg ist gesperrt.

Bis zum Montagabend ist zudem laut einer Mitteilung aus dem Obernheimer Rathaus die Verbindungsstraße wegen eines Baumes auf der Fahrbahn zwischen Deilingen und Obernheim gesperrt.

Auch die Frommerner Wehr rückte wegen umgestürzter Bäume auf der Straße aus.

Waldkindergarten, Friedhöfe und Burg Hohenzollern geschlossen

Auch die K7123 zwischen Binsdorf und der Erlaheimer Kläranlage musste wegen Windbruch und umgestürzten Bäumen voll gesperrt werden. Zudem blieben alle Geislinger Friedhöfe sowie der Wald- und Naturkindergarten Geislingen geschlossen. Die Kinder wurden im Kindergarten Harmonie untergebracht.

Die Burg Hohenzollern bleibt am Montag ebenfalls geschlossen. Auf der Website der Burg wird davor gewant, den Burgberg zu betreten oder zu befahren. Es bestehe Lebensgefahr.

Zugverkehr größtenteils wieder in Betrieb

Die Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG (SWEG), zu der auch die HzL gehört, hatte den Zugverkehr am Sonntagabend wegen des Orkantiefs eingestellt. Der Verkehr läuft seit dem Nachmittag grundsätzlich wieder.

Sturmtief Sabine: Zollernalbkreis kommt wohl mit einem blauen Auge davon

© Petra Sämann

Wind, Regen und sogar ein Regenbogen. Am Montagmorgen war wettertechnisch alles geboten.

Auch im Bereich der Hohenzollerischen Landesbahn fahren die Züge wieder, es kann jedoch zu Verspätungen und Ausfällen einzelner Verbindungen kommen, schreibt die SWEG.

Im Busverkehr der SWEG gebe es bis auf Weiteres keine Einschränkungen.

Telekom meldet Probleme

Unterdessen gibt es in Folge von Sturmschäden vielerorts Probleme mit Telefon und Internet.

Die Telekom teilt mit, dass technische Einrichtungen beschädigt wurden und dadurch Beeinträchtigungen im Mobil- und Festnetz entstehen können.

Polizei: „Glimpflich ausgegangen“

Das Polizeipräsidium Reutlingen, das für den Zollernalbkreis und die Landkreise Reutlingen, Esslingen und Tübingen zuständig ist, zieht zur Mittagszeit ein vorläufig-positives Fazit.

Das Orkantief habe im gesamten Präsidiumsbereich zu Sachschäden, einer Vielzahl von kleineren Verkehrsbehinderungen und rund 200 Polizeieinsätzen geführt. Wie viele Einsätze davon auf den Zollernalbkreis entfallen, konnte noch nicht ausgewertet werden. „Es waren schlichtweg zu viele Einsätze, um das schon zu erfassen“, erklärte ein Polizeisprecher auf ZAK-Anfrage.

Keine verletzten Menschen

Menschen kamen nach derzeitigem Kenntnisstand der Polizei nicht zu Schaden. Auch die verzeichneten Beschädigungen, unter anderem an Fahrzeugen und Gebäuden, gingen verhältnismäßig glimpflich aus. Die Gesamtschadenssumme könne jedoch nicht beziffert werden.

Die ersten wetterbedingten Notrufe gingen im Führungs- und Lagezentrum am späten Sonntagabend, gegen 22 Uhr, ein.

Kleinere Verkehrsbehinderungen

Vielerorts wurden Bauzäune, Verkehrszeichen, Müllbehälter sowie andere Gegenstände umgeworfen oder auf Straßen beziehungsweise gegen Fahrzeuge geweht.

Gegen 23 Uhr blockierte ein umgestürzter Baum die B32 bei Schlatt in beide Fahrtrichtungen und auch in den anderen drei Landkreisen kam es durch umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste zu kleineren Verkehrsbehinderungen und zeitweisen Straßensperrungen.

Unfall in Rottweil wegen eines Baums

Bereits am Sonntagabend wich eine 19-jährige Peugeot-Fahrerin auf der B27 zwischen Neukirch und Rottweil einem Tannenzipfel aus, der auf der Straße lag. Sie kam dabei nach rechts von der Straße ab und fuhr eine Böschung hinunter, wobei sich das Auto überschlug und auf der Seite zum Liegen kam.

Sie und ihr 16-jähriger Beifahrer wurden verletzt und mussten vom Rettungsdienst in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Am Auto entstand Totalschaden in Höhe von 5.000 Euro.

Viele Schüler bleiben zuhause

An den Schulen blieben viele Schüler sicherheitshalber daheim. Am Ebinger Gymnasium fehlten rund 40 Prozent der Unter- und Mittelstufe. In der Oberstufe waren es sogar rund zwei Drittel.

Am Balinger Gymnasium sei gefühlt die Hälfte der Schüler nicht zum Unterricht erschienen. „Eher noch etwas mehr als die Hälfte“, schätzt Schulleiter Thomas Jerg. Am Nachmittag fiel der Unterricht dann gleich ganz aus, weil so wenige Schüler da waren.

Über 120 Kilometer pro Stunde: die Windspitzen im Überblick

Der durch das Sturmtief „Sabine“ verursachte Sturm erreichte über dem Zollernalbkreis in der Frühe des 10. Februar seine größten Windgeschwindigkeiten. Das berichtet Wetterexperte Karl-Heinz Jetter.

„Davor war innerhalb von 24 Stunden der Luftdruck von 1025 Hektopascal auf 1002 Hektopascal gefallen – dieses Tief galt es aufzufüllen“, schreibt er in einer Pressemitteilung.

Der Windmesser an der Meteogroup-Station in Balingen-Heselwangen in 573 Metern Höhe zeigte um 6.20 Uhr die Windspitze von 98,2 Kilometern pro Stunde an. Dieser schwere Sturm der Stärke 10 wehte aus West heran.

Die DWD-Station auf Bronnhaupten (619 Meter über dem Meer) meldete zur selben Zeit 109 Kilometer pro Stunde als Höchstwert – während die DWD-Station Meßstetten-Appental (900 Meter über dem Meer) „nur“ 90,7 Kilometer pro Stunde anzeigte.

Die Meteogroup-Station Albstadt-Degerfeld (919 Meter über dem Meer) vermeldete den Spitzenwert im Zollernalbkreis von 120,4 Kilometern pro Stunde (Windstärke 12 oder Orkan) – dies allerdings erst um die Mittagszeit.

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