Albstadt

Stadt hat keine Druckmittel: Traurige Geschichte um Tailfinger Brandruine zieht sich weiter

26.02.2024

Von Holger Much

Stadt hat keine Druckmittel: Traurige Geschichte um Tailfinger Brandruine zieht sich weiter

© Holger Much

Kein schöner Anblick in der Hechinger Straße.

Im Dezember 2023 fand ein Treffen zwischen den aktuellen Besitzern der Tailfinger Brandruine und der Stadtverwaltung statt. Ein konkreter Beginn für die von der Bevölkerung herbeigesehnten Sanierungs- oder Abrissarbeiten steht allerdings weiterhin aus.

Mittlerweile ist es nun schon eine ganze Weile her, dass ein Feuer das Erscheinungsbild der Hechinger Straße 36-40 verändert hat: Im Juli 2014 brannte das Möbelhaus in der Hechinger Straße komplett aus. Seither löst ein neuer Besitzer den anderen ab. Passiert ist seither nichts. Das Gebäude hingegen sieht dabei von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr schlimmer aus.

Wir haben Albstadts Ersten und Baubürgermeister Udo Hollauer gefragt, was es in Sachen der vor sich hin verfallenden Brandruine Neues gibt. Man habe es, so Hollauer auf unsere Anfrage, in der Zwischenzeit immerhin geschafft, mit dem aktuellen Besitzer einen Termin zu vereinbaren. Der hat im Dezember 2023 stattgefunden.

Besitzer verweisen auf wirtschaftlich schwierige Situation

Im Rahmen dieses Treffens, so erläutert der Baubürgermeister weiter, hätten die Besitzer nochmals der Stadtverwaltung gegenüber bekräftigt, dass sie nach wie vor vorhätten, das Gebäude zu sanieren und dort Wohnraum zu schaffen. Allerdings habe der Besitzer, angesprochen auf den Umstand, dass das Gebäude nun im zehnten Jahr ausgebrannt, mit vernageltem Erdgeschoss und mit den Brandspuren die Straße ziert, auf die allgemein wirtschaftlich schwierige Situation verwiesen als Grund, warum momentan noch nichts passiere.

Stadt hat keine Druckmittel: Traurige Geschichte um Tailfinger Brandruine zieht sich weiter

© Holger Much

Das Gebäude verfällt zusehends.

Zudem habe man den Besitzern, eine Eigentümergemeinschaft, klar zu vermitteln versucht, dass es für solche Sanierungsmaßnahmen aktuell noch Fördergelder gebe. Denn die Brandruine liegt im Sanierungsgebiet „Südliche Stadtmitte Albstadt-Tailfingen“.

Bisher keine Gefahr im Verzug

Ein juristisches Druckmittel hat die Stadtverwaltung in solchen Fällen, bestätigt Hollauer, nicht. Das wäre nur dann der Fall, wenn „Gefahr im Verzug“ wäre, wenn der Bau an der Durchgangsstraße eine deutliche Gefahr für Passanten und Autos darstellen würde, beispielsweise, wenn Teile des Gebäudes einsturzgefährdet wären.

Tailfingen ist im Bund-Länder-Programm „Stadtumbau West“. Mit den aus den Fördertöpfen zu erwartenden Fördergeldern soll die örtliche Gewerbestruktur gestärkt werden, neuer Wohnraum geschaffen, Brach- und Entwicklungsflächen neu geordnet sowie Wohn- und Arbeitsumfeld verbessert werden. Privateigentümer können für ihr im Sanierungsgebiet liegendes Gebäude Zuschüsse für Modernisierungsmaßnahmen beantragen. Doch 2025 läuft diese Fördermöglichkeit offiziell aus. „Wir haben“, so Hollauer, „aber bereits einen Antrag auf Verlängerung gestellt“.

Im Sanierungsgebiet warten satte Zuschüsse

Im Juli 2020 wurde das bestehende Sanierungsgebiet „Südliche Stadtmitte Tailfingen“ um den Bereich „Gewerbebrache Petrusstraße – Obere Bachstraße“ erweitert. Im September 2022 erfolgte die zweite Gebietserweiterung um den Bereich „Gewerbebrache Hechinger Straße“.

Was kann eine Privatperson, also hier die Eigentümergemeinschaft, von dem Förderprogramm erwarten? Bei Abbruch samt garantiert folgendem Neubau kann der Investor auf satte 80 Prozent an Zuschüssen von Bund und Land setzen. Handelt es sich nur um einen Abbruch ohne garantierten Neubau, sind immer noch 50 Prozent Förderung drin. Auch bei einer Sanierung gibt es Fördermittel.

Brandstifter wurde zu Gefängnis verurteilt

Die drei Häuser in der Hechinger Straße 36-40 gehörten ehemals zur Firma J. Maute & Söhne. Im mittleren Gebäude befand sich später ein Möbelhaus, das am 16. Juli 2014 brannte. Es entstand Sachschaden in sechsstelliger Höhe. Das Landgericht Hechingen verurteilte Anfang 2015 den damals 31-jährigen Möbelhändler zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und elf Monaten.

Der 31-jährige türkische Staatsangehörige hat das Feuer gelegt, gestand er, um die Versicherungssumme einzustreichen. Seither verfällt das Gebäude. Im März 2016 wurde der Komplex zum ersten Mal versteigert, damals für die Summe von 256.000 Euro. Ein „Wohn- und Geschäftshaus“ wollte der damalige Bieter hier errichten – passiert ist nie etwas. Der Käufer bezahlte die Summe nicht.

Von einer Hand in die nächste

Danach wurde das Haus im Oktober 2016 zum zweiten Mal versteigert. Ein Fliesenhändler aus Mannheim bekam für 465.000 Euro den Zuschlag. Doch auch der bezahlte nicht.

Auch zum dritten Mal, so bestätigte das Albstädter Amtsgericht, habe der Interessent aus Stuttgart, der den Zuschlag für die drei Gebäude in der Hechinger Straße 36, 38 und 40 in Tailfingen bekam, die entsprechende Summe – es handelte sich diesmal um 380.000 Euro – nicht bezahlt. Nun setzt die Stadtverwaltung auf die Eigentümergemeinschaft als aktuelle Besitzer. Denn eine Zierde ist das verfallende Haus in guter Lage nun wirklich nicht.

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