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Albstadt

Sperrstunde schon um 19 Uhr: Dagmar Rainer aus Pfeffingen kämpft um längere Öffnungszeiten

19.09.2019

Von Benno Haile

Sperrstunde schon um 19 Uhr: Dagmar Rainer aus Pfeffingen kämpft um längere Öffnungszeiten

© Benno Haile

Dagmar Rainer aus Pfeffingen kämpft um ihren Gastronomietraum.

„Ich betreibe die einzige Wirtschaft in Albstadt, in der schon so früh Sperrstunde ist“, sagt Dagmar Rainer aus Pfeffingen. Sie fordert, dass sie behandelt wird, wie andere Gastronomen auch.

Im März 2017 hat Dagmar Rainer die ehemalige Werkstatt ihres Vaters in eine kleine Wirtschaft umgebaut. Doch noch bevor die ersten Gäste das Lokal „Zum Sepp“ betreten haben, hatte es Beschwerden aus der Nachbarschaft gegeben. „Es war von Anfang an eine Ablehnung da.“

Einem geplanten Biergarten schob das Amt deshalb zunächst einen Riegel vor, zudem wurden die Öffnungszeiten eingeschränkt. Mehrere Gutachter hat Dagmar Rainer beauftragt, um ihren Gastronomietraum doch noch zu verwirklichen. Mittlerweile darf sie auch einen Biergarten hinter dem alten Bauernhaus bewirtschaften – allerdings nur bis 19 Uhr.

Gutachter sieht keinen Hinderungsgrund

Doch Dagmar Rainer würde gerne bis zur in Albstadt gültigen Sperrstunde von 23 Uhr draußen bewirten: „Laut Gutachten gibt es keine Bedenken, die Nachbarn sind eigentlich zu weit weg, um gestört zu werden“, sagt sie.

„Wenn ich mich mit anderen Gastronomen unterhalte, die sogar in reinen Wohngebieten sind, kann das auch keiner verstehen“, sagt die Wirtin. Zumal es in dem Wohngebiet, in dem Wirtshaus steht, auch Gewerbe gebe: „In diesem Haus war zuerst Landwirtschaft, dann eine Werkstatt und nun eben eine Wirtschaft – es war immer Gewerbe drin“, sagt Rainer.

Und auch Rathaussprecherin Sarah Braun bestätigt auf ZAK-Anfrage: „In dem Gebiet ist nichtstörendes Gewerbe zugelassen.“

Ruhiges Klientel

Laut oder störend werde es nach Angaben der Wirtin ohnehin nicht: „Wir haben eher ein älteres Klientel, kaum Leute unter 30, viele Rentner – wir feiern hier keine Partys“, sagt sie.

Lediglich zwei Tischen stehen im Gastraum, zwei weitere im Biergarten: „Hier rückt man zusammen und setzt sich auch mal zu Fremden dazu – so wie es früher war.“

Alleine die Ortsdurchfahrt, an der das „Zum Sepp“ liegt, mache mehr Lärm. „Und so viele Tage, an denen man nach 20 Uhr noch draußen sitzen kann, gibt‘s ohnehin nicht“, sagt die Wirtin.

Keine Einigung

Trotz der Bemühungen um eigene Gutachten und einem runden Tisch mit den Anwohnern und der Stadtverwaltung gab es bislang keine Einigung: „Dabei wäre ich ja zu einem Kompromiss bereit, etwa bis 21 Uhr“, sagt Dagmar Rainer.

Die Entscheidung der Behörde verstehen die Gastronomin und auch viele ihrer Gäste nicht: „Einige gehen wieder, wenn sie erfahren, dass sie nach 19 Uhr rein müssen.“

Die Stadtverwaltung rechtfertigt die verkürzte Sperrstunde mit Auflagen in der Baugenehmigung und den Bedenken der Anwohner, die vor dem Umbau des Bauernhauses angehört wurden. „Weil der Biergarten hinter dem Gebäude ist, gelten strengere Regeln, als wenn er davor wäre“, erklärt Rathaussprecherin Sarah Braun.

Da mache es auch keinen Unterschied, dass hinter dem Wirtshaus keine Häuser mehr stehen und lediglich noch der Westerbach und dahinter schon Bäume kommen.

Stammkunden sammeln Unterschriften

Dagmar Rainer hat ihren Gastronomietraum noch nicht aufgegeben. In ihrem Kampf um längere Öffnungszeiten wird sie auch von ihrer Stammkundschaft unterstützt. Kürzlich haben rund 100 Gäste des Lokals eine Unterschriftenliste erstellt und der Stadtverwaltung übergeben.

Einer der Unterstützer ist Bernhard Walter, der in Pfeffingen eine Ferienwohnung betreibt und vielen seiner Gäste das kleine Wirtshaus zur Einkehr empfiehlt: „Die sind danach immer hellauf begeistert, dass es so ein Lokal nach alter Gastronomiekultur noch gibt.“

Er verstehe nicht, weshalb mit zweierlei Maß gemessen werde und fordert, dass die Unterstützung für Gastronomie im ländlichen Raum auch für alle gelte. „Viele Gaststätten müssen schließen. Auch wir in Pfeffingen sind in der Hinsicht dünn besiedelt“, sagt er und fragt mit Blick auf das „Zum Sepp“: „Warum muss man das mit Gewalt zerstören?“

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