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Balingen

Solidarisch, regional und bio zugleich: Genossenschaft Xäls informiert in Balingen

19.01.2020

von Michael Früh

Solidarisch, regional und bio zugleich: Genossenschaft Xäls informiert in Balingen

© Michael Früh

Die Resonanz in der Eberthalle war groß.

Biolebensmittel, die nicht nur Bio sind, sondern gleichzeitig aus der Region kommen. Das ist das Ziel der Genossenschaft Xäls. Sie stellte in der Eberthalle ihre Ideen vor.

Am Samstag lud die Genossenschaft Xäls interessierte Besucher zu einem Informationsabend nach Balingen ein. Das Bündnis, das momentan sieben Betriebe umfasst, möchte Biolebensmittel ausschließlich regional produzieren und in ausgewählten Partnerbetrieben in der Region Neckar-Alb verkaufen.

Neben der Vorstellung der Genossenschaftsidee, referierte Prof. Dr. Niko Paech über die Konsequenzen unseres aktuellen Wirtschaftsmodells auf Natur und Lebewesen. Dass die Veranstaltung den aktuellen (Klima)Geist traf, zeigte eine volle Balinger Eberthalle.

Schwäbischer Ausdruck für Marmelade

Die Stühle sind sauber aufgereiht, Aufsteller mit glücklich dreinblickenden Rindern in der Halle verteilt. Sabine Franz, Mitinhaberin des B2 Biomarktes in Balingen und gleichzeitig Gründungsmitglied der Initiative Xäls, begrüßt die Gäste. Der Name der Genossenschaft, zugleich der schwäbische Ausdruck für Marmelade, soll die konsequente Regionalität von Wertschöpfungsketten betonen. Die in der Region Neckar-Alb ökologisch hergestellten Lebensmittel sollen ausschließlich auch hier verkauft werden.

Nach einer musikalischen Einstimmung durch den Liedermacher Pius Jauch, erklärte Prof. Dr. Niko Paech dem Publikum die aus seiner Sicht auftretenden Probleme einer rein auf Wachstum ausgerichteten Volkswirtschaft. Um Artensterben und Monokulturen zu vermeiden, müsse die Landwirtschaft solidarisch umgestaltet und die Wirtschaftsleistung sozialverträglich reduziert werden.

Achtsames Verbraucherverhalten

Durch ein achtsameres Verbraucherverhalten, einer geringeren Nachfrage nach tierischen Produkten, Genügsamkeit und besserer Selbstversorgung, lasse sich der Klimawandel zudem abschwächen. „Dabei hat unser Konzept nichts mit Verzicht zu tun – wir müssen uns lediglich vom Überfluss befreien und unsere Grundbedürfnisse von Luxus trennen“, so Prof. Paech weiter.

Im Anschluss stellte Dr. Markus Weingardt die Grundidee der Genossenschaft vor. So ist geplant, ein regionales und solidarisches Netzwerk mit ausgewählten Partnerbetrieben aufzubauen, die nach strengen Kriterien ausgewählt werden sollen. Zudem solle ein persönlicher Kontakt zwischen Erzeugern und Käufern möglich sein, der zu einem besseren Verständnis von Lebensmittelpreisen beitrage.

„Nicht kaputtkonkurrieren“

Der jeweilige Preis ergebe sich dabei jedoch nicht ausschließlich durch Angebot und Nachfrage, sondern könne auch höher sein, falls ein Partnerbetrieb durch eine Missernte beispielsweise in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecke. „Unser Motto heißt Kooperation statt Konkurrenz – da wir alle im selben Boot sitzen, möchten wir uns nicht kaputtkonkurrieren“, fuhr Dr. Weingardt fort.

Kurzfristig sucht die Initiative Finanzmittel, um verstärkt Öffentlichkeitsarbeit betreiben und damit neue Mitgliedsbetriebe und Privatpersonen überzeugen zu können. Mittelfristig möchte das Bündnis dann ein eigenes Büro beziehen, mit dessen Hilfe strategische Entscheidungen die Marke stärken sollen.

Investition in die Region

Darüber hinaus plane man ein eigenes Xäls-Label auf den Produkten. Dadurch würden potentielle Käufer den hohen Qualitätsstandard erkennen können. Eine Rendite auf die zu erwerbenden Anteile der Genossenschaft ist indes nicht vorgesehen. Man sehe die Geldanlage als eine Investition in die Region. Durch Einkaufsgutscheine in den Partnerbetrieben könne das Geld jedoch wieder zum Anleger zurückfließen.

„Wir werden mit unserer Initiative den Klimawandel zwar nicht aufhalten können, aber wir haben begonnen, selbst die Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger“, gab Prof. Paech den Gästen zum Abschluss der Veranstaltung mit.

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