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Sigmaringen

Sigmaringer Landrätin warnt: Das Virus ist nun allgegenwärtig

23.03.2020

von Gudrun Stoll

Sigmaringer Landrätin warnt: Das Virus ist nun allgegenwärtig

© Victor S. Brigola

Im Landkreis Sigmaringen rüstet man sich für weitere Coronafälle.

Im Landkreis Sigmaringen sind mit Stand vom 23. März 104 Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Drei Personen sind mittlerweile wieder aus der Quarantäne entlassen, das heißt, sie zeigen nach ihrer Ansteckung keine Symptome mehr.

Die Zahl der positiv getesteten Personen seien aber allenfalls ein Indikator für die Ausbreitung des Virus im Kreis Sigmaringen. In den Laboren gibt es mittlerweile Wartezeiten von zwei oder mehr Tagen, aktuell sind noch 250 Testergebnisse ausstehend. Über den Sachstand informierten am Montag Landrätin Stefanie Bürkle und die Fachleute aus Gesundheitsamt und SRH-Klinikum.

Neuer Weg der Kommunikation

Die Journalisten waren über eine Telefonkonferenz zugeschaltet. Dies sei neu und ungewohnt, wie die Landrätin anmerkte, aber für die nächste Zeit wohl wegweisend für Austausch und Kommunikation.

Zwei Patienten liegen auf Intensivstation

Prof. Dr. von Boyen teilte auf Anfrage mit, dass aktuell auf der Intensivstation in Sigmaringen zwei Patienten behandelt werden. Beide müssen nach Angaben des Ärztlichen Direktors aber nicht beatmet werden. Ein Patient sei 50 Jahre alt und ohne Vorerkrankungen ins Krankenhaus gekommen.

Wer wird zum Test zugelassen?

Er erläuterte, wie das Auswahlverfahren läuft, sprich, wer getestet wird und wer nicht. So müssen ein enger Kontakt zu einem bestätigten COVID-19 Fall und eine deutliche typische Symptomatik vorliegen. Berücksichtigt wird auch die berufliche Tätigkeit, sei es im medizinischen oder pflegerischen Kernbereich, bei der Polizei, Feuerwehr oder im Rettungswesen. Sollte ein Arzt einen Test empfehlen, das Gesundheitsamt ihn aber wegen mangelnder Kapazitäten anders priorisieren müssen, erhalte der Arzt unverzüglich eine Rückmeldung.

Appell der Landrätin

Dr. Susanne Haag-Milz, Leiterin des Gesundheitsamtes, geht davon aus, dass die Zahl der Virusträger möglicherweise höher ist als die der 104 Personen, bei denen es nachgewiesen werden konnte. In jedem Fall werde sorgfältig ermittelt, würden auch die Kontaktpersonen geprüft. Aber mittlerweile seien nicht mehr alle Infektionsketten nachvollziehbar. „Wir müssen also davon ausgehen, dass das Virus nun auch Personen in sich tragen, die nicht in Risikogebieten waren“, heißt es in der begleitenden Pressemitteilung. Die Sigmaringer Landrätin appelliert daher an alle Bürger, sich an die Ausgangsbeschränkungen und die Hygieneempfehlungen zu halten. Bürkle: „Das Virus ist nun allgegenwärtig“.

Zusätzliche Kapazitäten

Professor Dr. von Boyen und die Interimsgeschäftsführerin Christine Neu wiesen auf zusätzliche Kapazitäten für Covid-19 Patienten hin, die am Klinikum geschaffen wurden, um auch bei einer weiter dynamischen Ausbreitung des Coronavirus die Patientenversorgung sicherzustellen. So wurden alle planbaren und verschiebbaren Aufnahmen sowie stationäre und ambulante Operationen an allen drei SRH Krankenhäusern im Landkreis Sigmaringen bis auf weiteres ausgesetzt.

Zentrale Corona-Station

Am Standort Sigmaringen wurde eine zentrale Corona-Station eingerichtet, in der bis zu 22 infizierte Patienten behandelt werden können. Eine Ausweitung ist bis auf 42 Betten möglich. Zusätzlich wird aktuell eine spezielle Erstaufnahme-Station mit elf Betten für Virusverdacht-Patienten eingerichtet. Mit Stand heute verfüge das SRH Krankenhaus Sigmaringen darüber hinaus über 14 Intensivbetten und zehn Beatmungsplätze. Aktuell werde für die Intensivüberwachung vorsorglich eine weitere Station aufgebaut.

Pflegeheim für den Bedarfsfall

Um für alle Fälle gerüstet zu sein, hat sich der Landkreis in Meßkirch ein ehemaliges Pflegeheim gesichert. Es handelt sich dabei um das Conrad-Gröber-Haus des Caritasverbandes. Die dort untergebrachten Senioren beziehen derzeit einen Neubau. Der Altbau solle im Bedarfsfall zum Notkrankenhaus werden, kündigte die Landrätin an.

Personal wird geschult

Um die erforderlichen Personalressourcen für diese herausfordernde Situation sicher zu stellen, wurde in Bad Saulgau eine Station geschlossen und in Pfullendorf die Kapazität für den Regelbetrieb reduziert. Das Personal wird am Standort Sigmaringen eingesetzt. Am Klinikum werde derzeit auch weiteres Personal geschult, informierte der Ärztliche Direktor.

Kernteam stimmt sich täglich ab

„Innerhalb einer Woche haben wir durch eine strukturierte Herangehensweise ein konzentriertes Maßnahmenpaket etablieren können“, erklärte Professor Dr. Georg von Boyen. Ein spezielles Corona-Kernteam stimme sich täglich ab, um zeitnah und effektiv die jeweilige Tagessituation zu analysieren und entsprechende Maßnahmen festzulegen. Eingebunden in diese Informationskette seien Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste. Zwei mal in der Woche gebe es eine Telefonkonferenz mit allen Kommunen, ergänzte Landrätin Stefanie Bürkle.

Thüringer Klinikum hilft mit Geräten

Das Klinikum habe in allen Beschaffungsfragen die Unterstützung des SRH Konzerns. So habe etwa die Schwesternklinik, das SRH Waldkrankenhaus Gera, schnell und unbürokratisch drei Beatmungsgeräte zur Verfügung gestellt, informierte Christine Neu, Interimsgeschäftsführerin der SRH Kliniken Landkreis Sigmaringen. Thüringen ist aktuell vom Virus nicht so stark betroffen wie der Südwesten. Die eigene Apotheke am Standort Sigmaringen produziert vor Ort Desinfektionsmittel, mit denen das Klinikum den eigenen Bedarf ergänzen könne.

Besucherstopp

Um die Weiterverbreitung des Coronavirus und das Infektionsrisiko für Patienten zu minimieren, besteht an allen drei Standorten (Sigmaringen, Bad Saulgau, Pfullendorf) ein Besuchsverbot. Ausgenommen davon sind lediglich Angehörige, die einen im Sterben liegenden Patienten besuchen wollen, eine Begleitperson, welche eine Schwangere bei der Geburt begleiten möchte und die Begleitperson eines minderjährigen Kindes.

Zentrale Sichtung

Um die Corona-Patienten am Standort Sigmaringen weitgehend zu isolieren, gibt es zwei verschiedene Eingänge: Der Haupteingang ist für Mitarbeiter und Besucher, in die Pflegegruppe A führt ein Eingang für Patienten, der von einem Arzt überwacht wird. Von dort aus ist die Corona-Isolationsstation direkt zu erreichen. Die Wegeführung ist ausgeschildert.

Kooperation mit Waldburg-Zeil-Kliniken

Mit dem privaten Klinikenverbund Waldburg-Zeil-Kliniken wurde die Vereinbarung getroffen, dass nicht-Corona-Patienten nach einem stationären Krankenhausaufenthalt zügig in die Rehabilitation gehen können, zeigte sich die Landrätin sehr erfreut über diese unbürokratische Hilfe.

Drei Landkreise im Verbund

Die Kliniken im Bodenseekreis, im Kreis Ravensburg und im Kreis Sigmaringen haben sich zum BOS-Verbund zusammengeschlossen, um gewappnet zu sein, falls in einem der Landkreise die Betten knapp werden.

Zwei Todesfälle

Im Landkreis Sigmaringen hat es bislang zwei Todesfälle gegeben. Beide Patienten waren weit über 80 und hatten laut Ärztlichem Direktor schwere Vorerkrankungen.

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