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Balingen

Sevil Liebchens Leben mit Borderline: Jeder muss seine eigene Farbe finden

03.06.2019

Von Silke Thiercy

Sevil Liebchens Leben mit Borderline: Jeder muss seine eigene Farbe finden

© Silke Thiercy

Sevil Liebchen gründet eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Borderline (BPS) im Zollernalbkreis

„Endlich weiß ich, was ich tun kann, was mir gut tut.“ Sevil Liebchen hat eine 13 Jahre lange Odyssee hinter sich bis zur Diagnose Borderlinestörung. Vor zwei Jahren dann die erste passende Therapie und die Aussicht auf ein normales Leben. Ihre Erfahrungen will die Truchtelfingerin nun mit anderen Betroffenen teilen – in der neuen Selbsthilfegruppe „Lotus“.

„Das Leben ist nicht nur schwarz oder weiß“, hat die 38-jährige in der Therapie im Vinzenz-von-Paul Hospital in Rottweil gelernt. „Jeder muss seine eigene Farbe finden.“ Die Frau mit den roten Haaren kennt ihre mittlerweile. Nach vielen Umwegen und Fehldiagnosen. „Ich wurde immer als depressiv behandelt, dabei ist die Depression nur ein Symptome des Borderline.“

Erstes Treffen ist im Juli

„Lotus“ heißt die Selbsthilfegruppe, deren erstes Treffen am Mittwoch, 3. Juli, 17 Uhr, in den Räumen des Zentrums für gemeindenahe Psychiatrie in Balingen stattfindet. Ein Name, der mit Bedacht gewählt ist von Sevil Liebchen. Denn „Lotus“ steht für Dankbarkeit, Achtsamkeit, für ein positives Gefühl.

Gemeinsam mit Renate Liener-Kleinmann und Isabella Manos von der Kontakt- und Informationsstelle (KIGS) der AOK hat sie die Rahmenbedingungen für die Gruppe geschaffen. Mit Leben füllen wird die Truchtelfingerin sie gemeinsam mit anderen Betroffenen, die sich ab sofort bei ihr melden können.

Ziel: So viele Menschen wie möglich erreichen

Liebchen blüht auf, wenn sie von ihrer Erkrankung erzählt. Versucht zu erklären, wie es ihr geht. Sie will so viele Menschen wie möglich erreichen. „Es gibt so viele gerade junge Leute, die leiden und Hilfe brauchen.“ Vielleicht, sagt sie, kann diese Gruppe ihnen dabei helfen, um ihr Leben auf einen guten Weg zu bringen.

Auf der Suche nach der eigenen Mitte

Sie selbst hat mehr als 13 Jahre nach ihrer Mitte gesucht. Nicht gewusst, warum sie zwischen zwei Welten und Grenzen hin und her geworfen wird. Warum sie entweder überbordende Gefühle hat oder gar keine. Warum sie sich selbst durch Ritzen an den Armen verletzt hat. „Wenn Leute das sehen, erschrecken sie.“ Auch das ein Anliegen – die Erkrankung aus dem Stigma holen. Den Menschen bewusst machen, wie viele Betroffene es gibt und diese aus der Isolation zu holen. „Es braucht einen guten Weg, um sich nicht selbst zu zerstören.“

Typische Merkmale der Erkrankung

Was sie in der Therapie gelernt hat, füllt einen ganzen Ordner. Kurz gesagt fasst sie zusammen: „Wir Borderliner müssen unsere Mitte finden, ohne die eine oder andere Seite von positiv oder negativ zu verlieren.“

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) leitet sich vom englischen Wort „Borderland“, also Grenzland ab. Typisch für die psychische Erkrankung sind Impulsivität, instabile Beziehungen, Stimmungsschwankungen und eine gestörte Selbstwahrnehmung. Borderliner handeln manchmal scheinbar paradox, stoßen zum Beispiel Menschen, welche sie lieben, weit von sich. Viele Erkrankte leiden zusätzlich an Depressionen oder ADHS.

Wo kann ich mich informieren?

Mehr Informationen über die neue Selbsthilfegruppe gibt es hier:

sevil.liebchen@gmx.de oder Telefon 0172 4185750.

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