Handball

Schwäbischer Krisengipfel: Gelingt dem HBW Balingen-Weilstetten in Göppingen die Trendwende?

29.11.2023

Von Marcus Arndt

Schwäbischer Krisengipfel: Gelingt dem HBW Balingen-Weilstetten in Göppingen die Trendwende?

© Moschkon

Mutig, emotional und spielerisch absolut auf Augenhöhe präsentierte sich der HBW (im Bild Nikola Grahovac) gegen Champions-League-Sieger Magdeburg.

Im Krisengipfel geht das Bundesliga-Schlusslicht aus Balingen am Donnerstagabend unter dem Hohenstaufen auf die Platte (19 Uhr, EWS-Arena). Vor dem wegweisenden Kellerduell eint die schwäbischen Rivalen: die Trainerfrage.

Die Tage von Jens Bürkle beim Kreisstadt-Klub sind gezählt – ebenso die von Markus Baur in Göppingen. Frisch Auf trennt sich am Saisonende vom Weltmeister von 2007. Nach Baurs bescheidener Bilanz (9:19 Punkte), dem damit verbundenen Abstiegskampf, offenbar unumgänglich.

Für den 52-Jährigen, der gerne beim Altmeister verlängert hätte, ein Schlag in die Magengrube. Der ehemalige Weltklasse-Regisseur schmallippig: „Ich bin mir sicher, dass wir als Team gemeinsam Punkte sammeln und in der Tabelle Schritt für Schritt nach oben klettern werden.“

Gute Leistung, keine Punkte

Zwei Zähler gegen den Tabellenletzten sind da wohl fest eingeplant. Aber das wird absolut kein Selbstläufer für den Tabellen-15., welcher im Abstiegskracher in Nürnberg eine bittere 26:28-Pleite kassierte. Auch die „Gallier“ haben zuletzt verloren: nach großem Kampf gegen Primus Magdeburg (Endstand: 28:34). „Die höchste Niederlage in den vergangenen sechs Wochen“, ordnet Bürkle ein, „und trotzdem fühlt es sich nach einer fantastischen Leistung an.“

Die war es auch! In Durchgang eins drückte, drängte, drängelte der Zweitliga-Meister, gab die Führung allerdings zu schnell ab. „Ich glaube, dass wir beim 12:10, wo es Magdeburg schafft, das Spiel zu drehen, eigentlich gut spielen“, analysiert der erfahrene Übungsleiter, „wir haben einige freie Bälle von der Linie, wir haben Bälle von außen, Bälle vom Kreis – die gehen aber nicht reingehen. Dadurch kommt Magdeburg überhaupt erst in Vorlage. Den Vorsprung geben sie dann nicht mehr her.“

Beim 25:26-Anschlusstreffer der Schwaben wackelte der Champions-League-Sieger in der Schlussviertelstunde noch einmal kurz, doch die Ergebniswende blieb abermals aus. Nichtsdestotrotz: alles andere als ein blutleerer Auftritt des glücklosen Aufsteigers. Ganz im Gegenteil! Trotzdem kassierte der HBW wettbewerbsübergreifend die zehnte Niederlage in Folge (!). Nun geht’s unter den Hohenstaufen: zum kriselnden Altmeister. Der bringt sein Potenzial nicht auf die Platte – und muss den Blick nach unten richten.

Nicht konstant genug

„Es ist eine Mannschaft mit großer Erfahrung“, findet Bürkle und fügt hinzu: „Die zentrale Achse bringt eine gewisse Routine und Eingespieltheit mit.“ Beste Angreifer bei Frisch Auf sind Linksaußen Marcel Schiller (70 Tore) und der kroatische Shooter Josip Sarac (51). „Da ist schon richtig Qualität da“, betont der 43-Jährige, „ein paar sehr, sehr gute Individualisten: Kozina am Kreis, Heymann auf Rückraum links ist in der deutschen Nationalmannschaft dabei, David Schmidt auf Halbrechts zählt zum erweiterten DHB-Kader.“

Auch in der Breite ist der neunfache Deutsche Meister bestens aufgestellt. Was fehlt? „Sie haben es bislang nicht geschafft, ihre Klasse konstant auf die Platte zu bringen und permanent in die Punkte zu kommen“, urteilt der frühere Erstliga-Spieler, „sie haben immer wieder sehr gute Auftritte. Aber die Konstanz ist momentan noch nicht so da, wie sich das alle wünschen.“

Von seiner Mannschaft erwartet der Sportwissenschaftler einen ähnlich couragierten Auftritt wie in Kassel und gegen Magdeburg. „Kämpferisch war es erneut top, wie in den Wochen davor schon“, blickt Bürkle zurück, „auch spielerisch waren viele Dinge richtig gut. Wir haben es nicht geschafft, gegen diese Top-Mannschaften in die Punkte zu kommen – aber wir waren ganz nah dran. Jetzt müssen wir schauen, dass wir die gehobene Leistung in Punkte umsetzen. Das ist unser Auftrag.“

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