Schwaben schocken Erlangen: HBW Balingen-Weilstetten feiert den zweiten Sieg in Serie

Von Marcus Arndt

Die Trendwende ist geschafft! Beim HC Erlangen setzte sich der HBW mit 34:32 durch. Mit dem zweiten Sieg in Serie katapultierten sich die Schwaben aus dem Tabellenkeller, kletterten auf Rang 16. In einer packenden Partie fiel die Entscheidung erst 25 Sekunden vor dem Abpfiff.

Schwaben schocken Erlangen: HBW Balingen-Weilstetten feiert den zweiten Sieg in Serie

Mit 34:32 setzten sich die „Gallier“ in Nürnberg durch.

„Ich bin super zufrieden“, sagte Marcel Niemeyer im Sky-Interview, „wir haben an unserem System festgehalten und die Schwächephase des Gegners konsequent genutzt.“ In Durchgang zwei lag der HBW bereits mit sechs Toren in Rückstand, schaffte in der finalen Spielphase aber die Trendwende, „weil sie wie die Tiere gekämpft haben“, wie es Erlangens Simon Jeppsson formulierte.

Unumwunden räumte der Schwede ein: „Wir waren in der zweiten Halbzeit nicht gut genug.“ Symptomatisch: Nach dem 34. Balinger Treffer wackelte bei Hampus Olsson das Handgelenk. Noch einmal hatten die Franken die Chance zum Anschluss, doch der Linkshänder vergab einen Siebenmeter kläglich.

Erlangen mit dem besseren Start

Gegenüber dem deutlichen Erfolg in Lemgo stellte Jens Bürkle die Startsieben nur auf Rechtsaußen um: Moritz Strosack erhielt gegenüber Gregor Thomann den Vorzug. Die erste Chance ließ Fabian Wiederstein aus der Nahdistanz liegen, während Sime Ivic einen strittigen Strafwurf verwandelte. Ansonsten kam in der Anfangsphase im Angriff wenig vom Favoriten, doch der HBW ließ einfach zu viele Chancen liegen – und nach einem Olsson-Doppelpack führte das Team von Ex-Nationalspieler Michael Haaß mit 3:2 (5. Minute).

Die „Gallier“ drückten weiter mächtig auf das Tempo, präsentierten sich als adäquater Spielpartner für den Tabellensiebten. Dieser machte viele Fehler und fiel nach einem Lipovina-Kracher mit 3:4 zurück (8.). Auch in der Folge blieb es eng. Leicht im Vorteil: Erlangen, das sich nach einem 3:0-Lauf etwas absetzte (6:4/ 11.). HBW-Keeper Mike Jensen hielt den letztjährigen Aufsteiger im Spiel.

HBW muss viel investieren

Ivic konservierte per Siebenmeter den Zwei-Tore-Vorteil der Gastgeber (8:6/14.). Pech, dass Tim Nothdurft in Überzahl nur das Aluminium traf und Strosack völlig frei am Ex-Balinger Martin Ziemer scheiterte. Auf der Gegenseite kam Erlangen zu einfachen Toren, während die „Gallier“ unglaublich viel investieren mussten. Der HBW-Coach reagierte, bat zur Extrabesprechung an die Seitenlinie. „Wir müssen vorne etwas anderes probieren“, forderte der 40-Jährige, „und müssen hinten den Kreis kriegen.“

Oddur Gretarsson brachte die „Gallier“ wieder heran: beim 8:10 (21.). Haaß war nicht zufrieden, justierte nach. „Mehr Geschwindigkeit“, forderte er – und mit Steffen Fäth und Nico Büdel im Rückraum steigerten sich die Franken. Allein im Abschluss fehlte die letzte Konsequenz. Jona Schoch verkürzte noch einmal zum 10:12 (26.), handelte sich aber nur Sekunden später bereits seine zweite Zeitstrafe ein. Zur Pause hieß es 16:12 – das spiegelte auch die Kräfteverhältnisse wider. Erlangen spielte mit dem tieferen Kader seine individuelle Klasse aus, während den Schwaben doch die Alternativen fehlten.

Eindrucksvolle Aufholjagd

Nach dem Seitenwechsel drängte der HCE auf eine frühe Entscheidung, stellte mit zwei schnellen Toren auf 18:12 (31.). Der HBW hielt dagegen, war beim 15:18 wieder in Schlagdistanz (33.). Nach einem famosen Lauf der Kreisstädter zum 19:20 (37.) zückte Haaß die Grüne Karte. Bitter für die Balinger, dass Romas Kirveliavicius eine Zeitstrafe kassierte, doch die „Gallier“ blieben dran: beim 20:21 (38.) und 22:24 (41.). Erlangen wackelte – erst recht als Niemeyer aus dem Nullwinkel zum 23:24 erfolgreich war (42.).

Der HBW um Vladan Lipovina war nicht mehr zu stoppen, egalisierte und ließ sich nicht mehr abschütteln (26:26/45.). Niemeyer warf das 28:27 für die Gäste (49.) – und das Momentum war nun auf Seiten des Außenseiters. Der lag sieben Minuten vor dem Ende mit 31:28 vorne. Der HCE zeigte Nerven, wirkte fahrig und ideenlos. Dennoch blieb es eine enge Kiste, ehe Niemeyer 25 Sekunden vor Spielende den Deckel drauf machte.

„Wir haben die Schwächen des Gegners brutal genutzt“, bilanzierte Bürkle, der zufrieden konstatierte: „Wenn die Abwehr steht, sind wir auch siegreich. Was wir in der zweiten Halbzeit im Angriff machen, war natürlich schon brutal: kaum Fehlwürfe, richtig viel Power.“