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Albstadt-Ebingen

Schüler klagen über Hustenreiz und Gestank: Gefahrguteinsatz an der Ebinger Hohenbergschule

23.02.2016

von Benno Schlagenhauf

Großeinsatz an der Ebinger Hohenbergschule: Nachdem mehrere Schüler über Hustenreiz und Gestank klagten, wurde eine unbekannte Flüssigkeit gefunden. Nun ermittelt die Kriminalpolizei.

Den gesamten Dienstagvormittag über erfüllte die Ebinger Innenstadt Blaulicht und das Geräusch von Martinshörnern. Im Minutentakt trafen neue Einsatzfahrzeuge an der Ebinger Hohenbergschule ein. „Es ist alles da, was Beine oder Reifen hat“, kommentierte Horst Koch von der Albstädter Feuerwehr.  Insgesamt waren rund 150 Einsatzkräfte – davon 120 vom Roten Kreuz – vor Ort. Neben rund 20 Mitarbeitern des Rettungsdienstes und sechs Ärzten kamen 100 ehrenamtliche Helfer der Bereitschaften aus dem Zollernalbkreis zum Einsatz. Sie eilten von ihren Arbeitsplätzen nach Ebingen. 

Schüler klagen über Hustenreiz und Gestank: Gefahrguteinsatz an der Ebinger Hohenbergschule

© Benno Schlagenhauf

Auslöser des Großeinsatzes: ein unangenehmer, stechender Gestank auf dem Schulflur. Gegen 9.30 Uhr fiel der stinkende Geruch auf dem Schulflur mehreren Schülern und Lehrern auf. Die Schulleitung ließ das Gebäude sicherheitshalber evakuieren, brachte die Schüler an sichere Orte und alarmierte die Feuerwehr. Die rückte zu einem Gefahrguteinsatz der Stufe U3 aus. „Das bedeutet schon einen größeren Einsatz“, erklärt Stadtbrandmeister Michael Adam. Die Alarmstufenskala reicht bis U5. „Als wir eingetroffen sind, hatte die Schulleitung das Gebäude bereits vorbildlich geräumt und belüftet“, so Adam weiter. Auch der Ursprung des Gestanks war da bereits gefunden: In einem Papierkorb im Bereich der Toiletten im Erdgeschoss konnte eine undefinierbare Flüssigkeit ausgemacht werden. Die Substanz wurde in einer geruchsdichten Plastiktüte eingepackt. „Vielleicht bekommen wir ja heraus, um was es sich handelt", so Adam. „Genauere Untersuchungen im Labor sind aber Sache der Polizei.“ Die Kriminalpolizei ist bereits in die Ermittlungen eingebunden. 

Schüler klagen über Hustenreiz und Gestank: Gefahrguteinsatz an der Ebinger Hohenbergschule

© Benno Schlagenhauf

Auch Rettungsdienst und Notärzte waren im Großeinsatz, nachdem mehrere Schüler über Hustenreiz geklagt hatten. Nach ersten Erkenntnissen mussten circa 35 der rund 280 Schüler behandelt werden. Laut DRK-Angaben waren bei sieben Schülern die Symptome – hauptsächlich Augen- und Atemwegsreizungen – derart stark, dass sie zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Die Polizei hatte zunächst zwei; die Stadtverwaltung sechs Schüler angegeben. Um die große Zahl an Patienten bestmöglich zu versorgen, wurden sie nach dem Triage-Prioritätsverfahren eingeteilt (siehe Infokasten unten).

Schüler klagen über Hustenreiz und Gestank: Gefahrguteinsatz an der Ebinger Hohenbergschule

© Benno Schlagenhauf

Oberbürgermeister Klaus Konzelmann war ebenfalls vor Ort, verschaffte sich ein Bild der Lage und sprach den Einsatzkräften seinen Dank aus. Im Foyer der Ebinger Festhalle wurde spontan eine Abholstelle für betroffene Eltern eingerichtet. „Die Eltern lassen sich hier registrieren und können dann – wenn es nach der Untersuchung das Okay gibt – ihr Kind mitnehmen. Ohne Registrierung der Eltern dürfen die Schüler nicht nach Hause gehen“, beschreibt Ertekin Avcilar, Schulleiter der Hohenbergschule. 

Schüler klagen über Hustenreiz und Gestank: Gefahrguteinsatz an der Ebinger Hohenbergschule

© Benno Schlagenhauf

An Unterricht sei am Dienstag nicht mehr zu denken gewesen. „Ob wir das Gebäude am Mittwoch wieder normal nutzen können, hängt davon ab, was die Feuerwehr dazu sagt“ , so Avcilar. In der Hinsicht konnte zumindest Entwarnung gegeben werden, wie Michael Röck, Pressesprecher der Stadt Albstadt, versprach: „Der Unterricht kann stattfinden.“

 

Das Triageverfahren – Behandlung nach drei Prioritätsstufen

Sichtung Alle der rund 280 Hohenbergschüler wurden am Mittwoch einer Erstuntersuchung unterzogen. Anhand dieser Untersuchung wurde festgestellt, ob eine weitere Behandlung nötig ist und falls ja, wie dringend.


Ampelfarben Nach dieser ersten Sichtung wurden die Patienten in drei Kategorien eingeteilt: Grün, Gelb und Rot. Rot bedeutet dabei die größte; grün die niedrigste Priorität. „Dieses Verfahren wird immer dann angewandt, wenn die Zahl der Patienten höher ist als die der Resourcen“, erklärt DRK-Sprecher Dietmar Dieter. Das heißt: Gibt es mehr Patienten als Rettungskräfte und Transportmittel, so werden zuerst diejenigen mit höherer Prioriät behandelt.


Ursprung Die Triage (franz. trier ‚sortieren‘, ‚einteilen‘) ist ein Verfahren aus der Militärmedizin, das die ethisch schwierige Entscheidung, wie die knappen Mittel auf viele Verletzte aufzuteilen seien, erleichtern soll.

 

 

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© Benno Schlagenhauf

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