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Rangendingen

Schluss mit lustig: Verstärkte Kontrollen am Stausee in Rangendingen

24.07.2020

von Andrea Spatzal

Schluss mit lustig: Verstärkte Kontrollen am Stausee in Rangendingen

© Andrea Spatzal

Zirka 50 Anwohner des Rangendinger Stausees waren am Donnerstagabend zu der Fragestunde in die Festhalle gekommen. Ein Sofortmaßnahmenkatalog mit vier Punkten wurde erarbeitet, um den teils chaotischen Parkerei um den See herum Herr zu werden.

In Rangendingen diskutierten am Donnerstagabend etwa 50 Anwohner mit Bürgermeister Widmaier über Sofortmaßnahmen gegen die teils chaotische Parkerei rund um den großen Damm. Was nun gemacht wird.

„Eine Seefahrt, die ist lustig“, heißt der Refrain eines Volksliedes. Eine Seefahrt vielleicht, aber einen See vor der Haustür zu haben, scheint nicht so lustig zu sein.

Anlieger des Rangendinger Stausees können von den vielen Problemen, die das im Sommer mit sich bringt, jedenfalls ein Liedchen singen. Gelegenheit, ihrem Ärger Luft zu machen, hatten sie am Donnerstagabend.

Anwohner beschweren sich

Zirka 50 Teilnehmer verzeichnete die von Bürgermeister und Gemeindeverwaltung einberufene Anwohnerfragestunde in der Festhalle.

Immerhin wurde in den etwa eineinhalb Stunden lebhafter Diskussion ein Maßnahmenpaket erarbeitet, um der teils chaotischen Parkerei rund um den Stausee Herr zu werden. Vier Punkte sollen sofort umgesetzt werden, um für die Badesaison, die vermutlich jetzt erst richtig Fahrt aufnimmt, besser gewappnet zu sein.

Stausee soll geschützt werden

Mehrfach betont wurde an dem Abend, dass der Stausee „ein Kleinod ist, das man schützen will“, wie es Bürgermeister Johann Widmaier formulierte. „Einfach Lebensqualität!“

Keine Frage, die Rangendinger lieben ihren See. Aber es kommen auch immer mehr auswärtige Gäste auf den Geschmack des kostenlosen Badevergnügens in der Natur.

Populär wegen Werbung

Seine große Popularität verdankt das kleine Gewässer unter anderem der (unbeabsichtigten) Werbung in Presse, Fernsehen und Internet. Regionale TV-Sender jubeln den See zum Freizeit-Eldorado hoch, Drohnenaufnahmen von der Wasserfläche im Morgennebel werden auf Youtube hochgeladen und ortsansässige Firmen polieren mit dem See ihren Imagefilm auf.

Zuviel Werbung für den Bürgermeister

Dem Bürgermeister wäre weniger Werbung lieber. Er habe schon die Online-Landkarten durchforstet und überall die einladende Bezeichnung „Badesee“ durch das nüchterne „Stausee“ ersetzt, verriet Widmaier. „Unattraktiver“ sollte der See sein, dann wären sicher viele Probleme gelöst.

Das ist er aber nicht, der Rangendinger Stausee, und es sind jeden Sommer Menschenmassen, die an seine Ufer drängen. Das ist jetzt im Corona-Sommer nicht anders.

Autos sind größtes Problem

Aber abgesehen von den Abstands- und Hygieneregeln, die sich nur schwer bis gar nicht kontrollieren lassen, sind die Unmengen von Autos momentan das größte Problem.

Es wird auf jedem freien Fleck geparkt, natürlich möglichst nah am See, also entlang der Grosselfinger Straße und am Großen Damm. Oft auch an verbotenen Stellen, gern vor Einfahrten oder mitten im Wendehammer.

Beleidigungen und Gefährdungen

Wer sich bei einem Falschparker vorm eigenen Grundstück beschwert, muss sich Beleidigungen anhören, wie eine Frau gestern eindrücklich schilderte. Gehwege werden zugeparkt.

Ein Spaziergang mit dem Kinderwagen sei regelrecht „lebensgefährlich“, sagte eine junge Mutter und forderte „mehr Sicherheit“.

Keine Musterlösung gefunden

Einen Königsweg, auf dem die Blechkarawane in die richtigen Bahnen gelenkt werden kann, hat die Anwohnerfragestunde am Donnerstag zwar nicht hervorgebracht.

Einig waren sich die Anwesenden aber, dass es den Badegästen eigentlich schon zuzumuten wäre, die reichlich vorhandenen, wenn auch etwas weiter entfernten Parkplätze am Festplatz zu nutzen. „In Kirchentellinsfurt läuft man drei Kilometer vom Parkplatz zum See“, stellte Widmaier ergänzend fest.

Kontrolle ist wichtig

Die Frage ist nur, wie man diesem Wunsch etwas mehr Nachdruck verleihen könnte. Die Versammlung stellte einstimmig fest, dass „Kontrolle das A und O“ ist, wenn es um die Durchsetzung von Regelungen geht. Aber leider ist die Gemeinde nicht befugt, Verkehrsordnungswidrigkeiten selber zu ahnden. Das ist Sache der Polizei.

Vorstellbar wäre laut Widmaier aber eine Parkraumbewirtschaftung auf Kosten und unter der Regie der Verwaltungsgemeinschaft Hechingen-Jungingen-Rangendingen. Sprich: Kontrolle und Befugnisse wären gewährleistet, aber es würden auch die Einnahmen aus Parkgebühren und Knöllchen der Stadt Hechingen zufließen.

Gemeinderat will dran bleiben

Bürgermeister Widmaier hält das für eine gute langfristige Lösung. Man werde im Gemeinderat da dranbleiben, versprach er.

Am Ende der Badesaison werde er das Thema auf die Tagesordnung setzen und dann eventuell auch eine zweite Anwohnerfragestunde einberufen.

Sofortige Lösungen gefordert

Aber es muss sofort gehandelt werden. Das forderten die Anwesenden eindeutig. Ein Anwohner erinnerte daran, dass sich glücklicherweise bisher kein schwerer Badeunfall ereignet hat.

Bei der chaotischen Parkerei könnte es jederzeit passieren, dass kein Krankenwagen mehr durchkomme. Er plädierte dafür, die Parkierung nicht „in die Siedlung“ zu verlagern, sondern konsequent auf den Festplatz zu verweisen.

Autos ohne Zögern abschleppen?

Ein weiterer Anwohner betonte mehrmals, dass man Parksünder „nur über den Geldbeutel“ zur Räson bringen könne. Widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge sollten ohne Zögern kostenpflichtig abgeschleppt werden.

Eine Frau warf ein, dass nicht nur Autos, sondern auch Zweiräder aller Art Parkraum beanspruchen und schlug vor, an der Grosselfinger Straße einen Zweiradparkplatz einzurichten. Der pragmatische Vorschlag wurde sofort gutgeheißen und soll schnell umgesetzt werden.

Konkrete Maßnahmen werden umgesetzt

Die drei weiteren konkreten Maßnahmen sind:

  • am See werden große Hinweisschilder auf die Parkplätze am Festplatz angebracht;
  • direkt am Damm, wo einseitig geparkt werden darf, wird eine zweite Ausweichbucht angelegt;
  • „Am großen Damm“ wird künftig beidseitig ein Parkverbot eingerichtet. Bei der aktuellen Regelung in der schmalen, steilen Straße, die einseitiges Parken erlaubt, ist bei Hochbetrieb ein Ausweichverkehr nämlich nicht möglich.

Nicht nur das Parken, auch der Lärm und die Vermüllung am See, wurden angesprochen. Eine Frau berichtete von „Spritzen, Nadeln und Kondomen“ im Gebüsch am Seeufer.

Nachtruhe und Hundeverbot wird kontrolliert

Die Polizei sowie auch der DST Sicherheitsdienst Wolf, dessen Dienste die Gemeinde Rangendingen seit drei Jahren in Anspruch nimmt (Widmaier: „Wir können gar nicht anders.“) sollen die Nachtruhe ab 22 Uhr sowie auch das Hundeverbot am See in den nächsten Wochen täglich kontrollieren, forderten die Anwohner.

Auf die Frage, wie viel die Pflege der Anlage die Gemeinde überhaupt kostet, antwortete Widmaier, dass Bauhofmitarbeiter täglich zwei Stunden am Stausee für Ordnung sorgten.

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