Oberes Schlichemtal / Kleiner Heuberg

Schlichemtal und Kleiner Heuberg: Vier Bürgermeisterwahlen und zwei Bürgerproteste

29.12.2023

Von Daniel Seeburger

Schlichemtal und Kleiner Heuberg: Vier Bürgermeisterwahlen und zwei Bürgerproteste

© Daniel Seeburger

Hier gratuliert Geislingens Bürgermeister Oliver Schmid dem neuen Ratshausener Bürgermeister Tommy Geiger (links) zum Wahlsieg. Neun Monate später war Geiger am Gratulieren.

Das Jahr 2023 war ein Superwahljahr für das Oberes Schlichemtal und den Kleinen Heuberg. Gleich vier Bürgermeisterwahlen standen an. Aber auch der geplante Absetzplatz der Bundeswehr am Waldhof und der Flugplatz zwischen Schörzingen und Zepfenhan sorgten für Aufsehen. Und der Bürgermeister von Schömberg.

Gleich dreimal wählte man zu Beginn des Jahres im Oberen Schlichemtal. Schlussendlich standen eine neue Bürgermeisterin und zwei neue Bürgermeister fest. Damit hat sich auch die Zusammensetzung des Gemeindeverwaltungsverbands Oberes Schlichemtal verändert. Denn hier schieden folgerichtig mit Gerhard Reiner (Weilen), Heiko Lebherz (Ratshausen) und Elmar Koch (Zimmern u.d.B.) drei Bürgermeister aus und wurden durch die Neugewählten ersetzt.

Bürgermeisterwahl in Ratshausen

Den Reigen eröffnete die Gemeinde Ratshausen. Nachdem der ehemalige Ratshausener Bürgermeister Heiko Lebherz in Haigerloch einen fulminanten Sieg im ersten Wahlgang hingelegt hatte, mussten auch die Ratshausener wählen. Die Sorge der Bürgerinnen und Bürger, dass sich keine geeigneten Kandidaten finden würden, erwies sich als Trugschluss. Mit dem Schörzinger Ortsvorsteher Tommy Geiger ging ein kommunalpolitisch versierter Seiteneinsteiger ins Rennen. Doch auch Dominik Fischer aus Hartheim konnte mit Verwaltungswissen, das er sich bei der Bundeswehr angeeignet hatte, aufwarten. Am Schluss siegte Geiger dann dennoch klar mit 70,9 Prozent der Stimmen. Auch bei der Wahlbeteiligung legten die Ratshausener ein gutes Ergebnis für die kommenden Wahlen vor: 66,6 Prozent der Wahlberechtigten machten ihr Kreuzchen.

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Der neue Zimmerner Bürgermeister Walter Sieber (2. von rechts) mit seiner Ehefrau, dem stellvertrtenden Bürgermeister Benjamin Gauß (2. von links) und Gemeinderat Werner Panthen.

Zwei Wochen später gingen die Zimmerner wählen. Für die Nachfolge von Elmar Koch, der nicht mehr antrat, bewarben sich Walter Sieber aus Benzingen und Marc-Oliver Schwarz aus Schömberg auf die ehrenamtliche Bürgermeisterstelle. Sieber, ein kommunalpolitisches Urgestein, war lange Jahre Kreis- und Gemeinderat, Schwarz seit Jahren im Schömberger Gemeinderat tätig. Auch hier war schließlich das Ergebnis eindeutig. Mit 68,7 Prozent setzte sich Sieber im ersten Wahlgang klar durch. Auch hier eine hervorragende Wahlbeteiligung: 71,5 Prozent der Wahlberechtigten schritten zur Urne.

Zwei Wahlgänge in Weilen u.d.R.

Spannend wurde es in Weilen unter den Rinnen. Hier standen mit Sarah Jahnel, Silke Edele und Tobias Peter sogar zwei Kandidatinnen und ein Kandidat zur Wahl. Nachdem im ersten Wahlgang Silke Edele mit 49,2 Prozent nur knapp die absolute Mehrheit verfehlte, war ein zweiter Wahlgang notwendig geworden. Hier setzte sich Edele, die zuvor beim Landratsamt tätig gewesen war, mit 53,1 Prozent gegen Tobias Peter durch, der 41,9 Prozent der Stimmen erhalten hatte.

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Die neue Weilener Bürgermeisterin Silke Edele.

Mit der Wahlbeteiligung stellten die Weilener sämtliche andere Wahlen in den vergangenen Monaten in den Schatten. Im ersten Wahlgang gingen 76,5 Prozent der Wahlberechtigten zur Wahl, im zweiten Durchgang dann sogar 77,1 Prozent.

Bürgermeisterwahl in Geislingen

Die größte und wohl auch wichtigste Wahl fand dann allerdings im September in Geislingen statt. Dort trat Bürgermeister Oliver Schmid erneut zur Wahl an – und sah sich prompt mit einem Gegenkandidaten konfrontiert. Mit Herausforderer Markus Robert Weinmann hatte sich Schmid mit einem Gegner auseinanderzusetzen, der bereits kurz zuvor bei der OB-Wahl in Balingen angetreten war und dort gar nicht mal so schlecht abgeschnitten hatte. Auch in Geislingen erzielte Weinmann mit 16,7 Prozent einen Achtungserfolg. Amtsinhaber Oliver Schmid allerdings glänzte mit hervorragenden 81,3 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 47,5 Prozent. Damit stand Geislingen zwar besser da als Balingen, trotzdem zeigte sich einmal mehr, dass Bürgermeisterwahlen in Städten und größeren Gemeinden immer mehr unter der Wahlmüdigkeit der Bürgerinnen und Bürger zu leiden haben.

Absetzgelände beim Waldhof

Doch nicht nur bei Wahlen waren die Bürgerinnen und Bürger präsent. Auch der Kampf gegen das geplante Absetzgelände am Waldhof einte die Menschen. Und zwar nicht nur die Geislinger, auch Gemeinden aus dem Schlichemtal und Rosenfeld sehen sich von dem Projekt betroffen. Dabei ist der Umgang miteinander – hier die Bürgerinitiative, die betroffenen Landwirte und die Gemeinden, dort das Verteidigungsministerium und das Staatsministerium – fast immer sachlich und respektvoll.

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Geislingens Bürgermeister Oliver Schmid (rechts, die Vertreter der BI Waldhof Annemarie Schneider (2.v.r.) und Tobias Hölle (3.v.r.) im Gespräch mit Vertretern des Staatsministeriums.

Im Oktober war die Bürgerinitiative zu einem Scoping-Termin in die Harmonie in Geislingen eingeladen. Dort präsentierte BI-Beirätin Annemarie Schneider acht Argumente gegen das geplante Absetzgelände. Im Vorfeld fand eine Bürgersprechstunde in der Harmonie statt. Dort konkretisierten die Behörden das Vorhaben erneut. Auch hier war die Auseinandersetzungen angenehm fair und sachlich.

Enttäuscht waren die Verantwortlichen der BI schließlich von der Entscheidung des Petitionsausschusses des Stuttgarter Landtags. Dort wurde darauf hingewiesen, dass Landesinteressen vor anderen Interessen gingen. Das wiederum ließ die BI so nicht auf sich sitzen und konterte direkt.

Protest gegen Flugplatz in Zepfenhan

Noch in den Kinderschuhen steckt der Protest gegen den zunehmenden Fluglärm auf dem Flugplatz Zepfenhan auf Rottweiler Gemarkung, direkt an der Kreisgrenze zum Zollernalbkreis, zu Schömberg und Schörzingen gelegen. Der Flugplatz, über den es in den vergangenen 50 Jahren keine Beanstandungen gegeben hatte, ging zu Beginn des Jahres an einen neuen Betreiber. Seither werden dort auch Tandemflüge angeboten – eine von mehreren Möglichkeiten, weshalb der Fluglärm nach fast übereinstimmender Ansicht der Anlieger stark zugenommen hat – und zwar gerade an Wochenenden. Die Genehmigungsbehörde im Regierungspräsidium Stuttgart wies jedoch darauf hin, dass die Grenzwerte der TA Lärm nicht überschritten würden und einer weiteren Genehmigung nichts im Wege stünde.

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Rund 400 Bürgerinnen und Bürger besuchten die Informationsveranstaltung in Zepfenhan zum Flugplatz.

Im Rosenfelder Teilort Täbingen regt sich genau so Widerstand wie auch in Schörzingen. Die Befürchtung, dass das Absetzgelände am Waldhof nun nach Zepfenhan kommen soll, zerschlug sich bald, nicht aber der Ärger über den Fluglärm. Bereits im September formierte sich der Widerstand in Schörzingen, Ende Dezember fand eine große Informationsveranstaltung in der Zepfenhaner Halle statt. Dazu waren rund 400 Personen aus den Landkreisen Rottweil und Zollernalb gekommen.

Wirbel um Bürgermeister Sprenger

Für Aufsehen sorgte Mitte November der Schömberger Bürgermeister Karl-Josef Sprenger. Nach der Hauptversammlung der Historischen Bürgergarde war er ausfällig geworden. Es seien ihm womöglich K.o.-Tropfen ins Getränk gemischt worden, führte er aus. Diese Vermutung nun fand die Bürgergarde herabsetzend und boykottierte daraufhin die Feier zum Volkstrauertag. Sprenger ging in die Offensive und legte ein ärztliches Gutachten vor, aus dem herausging, dass er unter Diabetes leidet und die Ärzte davon ausgehen, dass der Aussetzer seiner Krankheit geschuldet ist. Die Bürgergarde nahm die Entschuldigung des Bürgermeisters daraufhin an.

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