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Albstadt

Schauspieler Sky du Mont weckt die Lust aufs Buch von Oscar Wilde

11.11.2019

Von Susanne Conzelmann

Schauspieler Sky du Mont weckt die Lust aufs Buch von Oscar Wilde

© Volker Bitzer

Sky du Mont liest aus Dorian Gray im Thalia-Theatern in Tailfingen.

Der Schuh-des-Manitu-Bösewicht gastierte mit einer „Rezitation mit Filmeinspielungen“ von Oscar Wildes „Das Bildnis des Dorian Gray“ im Tailfinger Thalia-Theater.

Mit Literaturverfilmungen ist da ja so eine Sache. Die Bücherwurmfraktion schwört auf das geschriebene Wort, um sich selbst in der eigenen Fantasie ein Bild der in Romanen beschriebenen Ereignisse zu machen.

Die Verfilmung macht Literatur oft leichter verdaulich

„Lesen ist Filmen im Kopf“ sagen sie. Die immer größere werdende Filmgemeinde fragt sich hingegen, wieso sie sich tage- oder auch monatelang mit einem Literaturstoff abmühen soll, wenn es doch auch auf neunzig Minuten komprimierte Verfilmungen gibt – auch von modernen Klassikern?

Rezitation mit Filmeinspielungen

Eine teils gelungene Kombination aus Lesung und Film erlebten die Besucher am Sonntagabend im Thalia-Theater. Kein Geringerer als Schauspieler Sky du Mont gastierte mit einer „Rezitation mit Filmeinspielungen“ von „Das Bildnis des Dorian Gray“. Der Roman des Iren Oscar Wilde aus dem Jahre 1890 wurde unzählige Male verfilmt, am bekanntesten dürfte die Version des Regisseurs Oliver Parker von 2009 sein, die auch von Sky du Mont herangezogen wurde.

Auf ewig so rein, so unversehrt aussehen wie auf dem Gemälde

Die Titelfigur lebt Ende des 19. Jahrhunderts in London. Der gutaussehende junge Mann wird von dem Maler Basil so treffend portraitiert, dass in Dorian Gray der Wunsch entsteht, auf ewig so rein, so unversehrt auszusehen wie auf dem Gemälde. Sein Wunsch geht in Erfüllung – doch nach jeder Missetat, nach jeder Sünde altert sein Portrait statt seiner und wird – wie seine Seele – immer hässlicher und schwärzer.

Der Wunsch nach ewiger Jugend

„Das Bildnis von Dorian Gray“ ist auch heute noch aktuell, handelt von dem Wunsch nach ewiger Jugend, von Schuld und Sühne, es lässt den Leser – beziehungsweise den Zuschauer – verstört, jedoch gefesselt zurück.

Du Monts Stimme ist angenehm sonor

So auch nach der Vorstellung von Sky du Mont. Abwechselnd mit mal kurzen, mal längeren Filmsequenzen, zu sehen auf einer großen Leinwand auf der Bühne, liest er an einem kleinen Tischchen Abschnitte aus dem Roman vor. Seine Stimme ist angenehm sonor – und da liegt auch irgendwie ein bisschen das Problem an der Inszenierung: Man nimmt ihm bei den Gesprächen zwischen Dorian Gray und seinem Mentor Lord Henry nur letzteren so richtig ab.

Mit 72 Jahrem sehr spitzbübisch

Zu distinguiert ist seine Stimme, perfekt geeignet für die Vertonung von älteren Adeligen, weniger passend für den jugendlichen Gray (auch wenn Sky du Mont trotz seiner 72 Jahre sehr spitzbübisch rüberkommt). Auch die weiblichen Parts wollen nicht recht passen, und es fällt vor allem zu Beginn des Abends schwer, immer zu wissen, welche Personen sich im Roman gerade unterhalten.

Du Monts Interpretation ist perfekt bei Gedankengängen

In diesen Fällen, bei längeren Dia- oder Trialogen, sind die Filmausschnitte die bessere Wahl. Sky du Monts Interpretation hingegen ist perfekt, als es um Beschreibungen und vor allem um Gedankengänge des Titelhelden geht. Denn diese vermag der Film nicht recht rüberzubringen, die philosophischen Gedanken des Buches lassen sich eben in Worten viel mehr einfangen als in Bildern. Auch, wie es leider in Literaturverfilmungen zuweilen vorkommt, hält sich der Film mit Ben Barnes in der Titelrolle nicht immer an die literarische Vorlage des Oscar Wilde.

Der Film versucht mit Horrorszenen zu punkten

Das schmähliche Ende Dorian Grays bekommt der Zuschauer an diesem Abend denn auch in der gelesenen und in der verfilmten Variante mit auf den Heimweg, das Buch endet hier schlüssig und konsequent, der Film versucht hingegen mit Horrorszenen zu punkten. Glücklicherweise verzichtet die Lese-Inszenierung durch die ganze Vorstellung hinweg auf viele brutale oder sexualisierte Filmszenen.

Lust aufs Buch hat die Lesung allemal gemacht

Fazit: Um die Faszination des Dorian Gray in seiner Gänze zu erfassen, bleibt wohl nur der Griff zum Buch. Lust darauf hat die Lesung allemal gemacht – und das ist ja durchaus ein angestrebtes Ziel der Albstädter Literaturtage.

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