Zollernalbkreis

Rechtsruck im Kreistag des Zollernalbkreises – 47 Männer und 9 Frauen sitzen im neuen Gremium

10.06.2024

Von Klaus Irion

Rechtsruck im Kreistag des Zollernalbkreises – 47 Männer und 9 Frauen sitzen im neuen Gremium

© Inga Malzahn-Heger/www.fraumalzahn.de

Der neue Kreistag im Zollernalbkreis ist gewählt.

Die Fraktionen im neuen Kreistag des Zollernalbkreises sind – mit Ausnahme der Liberal-Konservativen Reformer/Basis, die nun als Freie Liste Zollernalb angetreten war, aber nicht ins Gremium gewählt wurde – die alten. Doch die jetzige Zusammensetzung des Gremiums dürfte für wesentlich mehr Kontroversen sorgen. Was noch alles neu ist im Kreistag, wer rein kam, wer gehen muss, lesen Sie hier.

Nun hat der Zollernalbkreis einen neuen Kreistag. Und wie bei der Europawahl gibt es auch auf Landkreisebene zwei Gewinner. Da ist zum einen die CDU, die mit 34,1 Prozent der Stimmen ihren Wert der Kreistagswahl 2019 noch einmal um 0,8 Prozentpunkte steigern konnte. Zum anderen die AfD, die ihren prozentualen Anteil von 7,9 vor fünf Jahren nun ziemlich exakt verdoppelt hat auf 15,8 Prozent.

Größte Verluste bei den Grünen

Die größten Verluste hinnehmen mussten die Grünen, die von 12,9 Prozent im Jahr 2019 auf 8,8 Prozent der Stimmen „herabgewählt“ wurden. Auch die SPD und die FDP mussten Federn lassen. Erstere fällt von 11,2 Prozent auf 10,4 Prozent zurück, die Liberalen von 9,8 Prozent auf 7,8 Prozent.

Der neue Kreistag des Zollernalbkreises hat 56 Mitglieder. Die Soll-Stärke des Gremiums hätte bei 52 Sitzen gelegen, doch es kamen noch 4 Ausgleichsmandate hinzu. Hiervon profitierte unter anderem der AfD-Kreisrat Erik Wille. Er war im noch aktuellen Gremium der letzte verbliebene AfD-Vertreter, nachdem seine 3 ursprünglichen Mitstreiter aus Ärger über den massiven Rechtsruck der Partei aus eben jener und der Kreistagsfraktion ausgeschieden waren.

Künftig 9 AfD-Kreisräte

Im neuen Gremium wird Wille nun nicht mehr nur von drei, sondern gleich von 8 weiteren AfD-Kommunalpolitikern flankiert. Unter ihnen sind erstmals auch die beiden Landtagsabgeordneten Joachim Steyer aus Burladingen und Hans-Peter Hörner aus Balingen. Der Stimmenkönig der Partei, die vom Verfassungsschutz inzwischen nach Gerichtsurteil als rechtsextremistischer Verdachtsfall beobachtet werden darf, stammt jedoch aus Albstadt und heißt Lukas von Berg. Seit vergangenem Winter vielen im Zollernalbkreis bekannt als Bauernprotest-Anführer.

Die mit weitem Abstand stärkste Fraktion, die CDU, kommt im neuen Kreistag auf 20 Sitze. Entsprechend groß war dann auch die Freude beim Fraktionsvorsitzenden Frank Schroft, der sich nur Minuten nach Bekanntgabe des offiziellen Ergebnisses beim ZAK gemeldet hatte, um seiner Freude über den Erfolg seiner Partei, Ausdruck zu verleihen. „Das ist ein klares Signal, dass die Menschen mit der Politik der Ampelparteien nicht mehr zufrieden sind.“ Ausfluss dessen sei auch der Zuwachs der AfD, den es nun auch im Kreistag gebe.

7 CDU-Bürgermeister

Ob mit Meßstettens Bürgermeister Schroft der alte auch der neue Fraktionsvorsitzende der CDU sein wird, wird sich zeigen. Zumindest im prozentualen Stimmenvergleich aller CDU-Kandidaten liegt er mit 6,8 Prozent auf Platz 1 vor dem Hechinger Bürgermeister Philipp Hahn (4,9 Prozent) sowie dem Albstädter Oberbürgermeister Roland Tralmer (4,6 Prozent). Die Drei sind jedoch bei weitem nicht die einzigen Stadtoberhäupter, die es (wieder) ins Kreisratsgremium geschafft haben. In den Reihen der CDU gilt dies auch für Heiko Lebherz (Haigerloch), Roman Weizenegger (Bisingen) und Oliver Simmendinger (Jungingen).

Auch die Freie-Wähler-Fraktion, die im neuen Gremium 13 Sitze innehat, macht ihrem „Zweitnamen“ Bürgermeisterfraktion alle Ehre. Ins Gremium gewählt wurden Ermilio Verrengia (Balingen), Davide Licht (Burladingen), Oliver Schmid (Geislingen), Markus Zeiser (Straßberg), Manfred Haug (Rangendingen) sowie Raphaela Gonser (Bitz).

Schweres Bitzer Erbe

Gonser tritt dabei ein besonderes Erbe an. Denn ihr Amtsvorgänger Hubert Schiele ist im noch im Amt befindlichen Kreistagsgremium derjenige, der am vehementesten und nachdrücklichsten die Rolle einnimmt, die alle Kreisräte qua Amtes ausfüllen sollten: die des Kontrolleurs des Tuns der Kreisverwaltung.

Balingens Bürgermeister Ermilio Verrengia wiederum kommt neben seinem freien Mandat auch die Rolle zu, die Position des Kreisstadt-Rathauses im Kreistag zu vertreten. Denn nachdem sein Vorgesetzter, Balingens Oberbürgermeister Dirk Abel, in Folge einer schweren Erkrankung eines seiner Kinder beschlossen hatte, den Umzug von Mössingen nach Balingen erst einmal hinten anzustellen, war das Stadtoberhaupt als Kandidat für die Wahlen im Zollernalbkreis nicht zugelassen, da sein Wohnsitz im Landkreis Tübingen ist.

Ein Wunsch, den Landrat Günther-Martin Pauli, in der jüngeren Vergangenheit mehrfach geäußert hatte, ging bei der Wahl am Sonntag auch in Erfüllung. Der Frauenanteil im Kreistag ist von lediglich 10,9 Prozent auf jetzt immerhin 16 Prozent gestiegen. Statt aktuell 7 sitzen künftig 9 Kreisrätinnen im Gremium. Unter ihnen ist auch Nina Lorch-Beck (CDU), die mit eigenen Flyern, die die Bäckerei Mahl als Wahlkampfunterstützung in Bäckertüten gepackt hatte, wenige Tage vor dem Urnengang für heftigen Unmut unter ihren CDU-Mitstreiter im Wahlbezirk Meßstetten gesorgt hatte.

Grupp statt Conradi

Ebenfalls für die CDU wird künftig Bonita Grupp, Tochter und Nachfolgerin des ehemaligen „Trigema“-Chefs Wolfgang Grupp, im Kreistag sitzen. Sie löst quasi die langjährige Burladinger CDU-Kreisrätin Dörte Conradi ab, die zwar wieder für die Union angetreten war, aber nicht wiedergewählt wurde. Auf Anhieb sehr viele Stimmen konnte für die SPD auch Sybille Fleischmann verbuchen. Die Tochter des früheren Balinger Oberbürgermeisters, die bei der Balinger OB-Wahl im vergangenen Jahr einen Achtungserfolg gelandet hatte, ist künftig Teil der fünfköpfigen SPD-Fraktion.

Einen weiteren Wunsch des Landrats, eine höhere Wahlbeteiligung als 2019, erfüllten Pauli die Wählerinnen und Wähler im Zollernalbkreis dagegen nur bedingt. Sie lag mit 58,2 Prozent zwar um 3,4 Prozentpunkte höher als 2019, aber die 60-Prozent-Marke wurde wieder nicht übertroffen.

Zählpause in Zimmern

Für Unmut unter den politisch Verantwortlichen und den Mitarbeitern im Landratsamt sorgte am Sonntag mit Zimmern unter der Burg eine der kleinsten Gemeinden im Landkreis. Weil sie die dort sehr komplizierte Auszählung der Gemeinderatswahl am Sonntagabend entgegen der üblichen Reihenfolge der Auszählung der Kreistagswahl vorgezogen hatten, verzögerte sich das amtliche Endergebnis des Kreisgremiums um mehrere Stunden und lag erst am Abend vor. Denn in Zimmern hatte man mangels Wahlhelfern am Montag die Kreistags-Auszählung für längere Zeit unterbrochen.

Update

In einer ersten Version des Artikels, haben wir vermeldet, dass auch Rosenfelds Bürgermeister Miller dem neuen Kreistag angehört, dem ist aber nicht so. Auch gehören dem Kreistag nicht 10, sondern lediglich 9 Frauen dem neuen Gremium an. Männliche Räte sind es tatsächlich 47, nicht 46. Wir haben beides geändert.

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