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Albstadt

Q-Fieber im Talgang: Schuld sind nicht die Schafe, sondern die Zecken und das Klima

29.08.2019

Von Gudrun Stoll

Q-Fieber im Talgang: Schuld sind nicht die Schafe,
sondern die Zecken und das Klima

© Gudrun Stoll

Seit Jahrhunderten erhalten die Schafe die Kulturlandschaft der Schwäbischen Alb und ihrer Wacholderheiden.

Nach wie vor sucht das Veterinäramt des Zollernalbkreises nach der Quelle für die Q-Fieber-Erkrankungen im Talgang. Die Fallzahl hat sich auf 75 erhöht. Auch der Landesschafzuchtverband meldet sich zu Wort.

Das Gesundheitsamt hat am Mittwochnachmittag die Liste um weitere gemeldete Krankheitsfälle ergänzt. Von den 75 Fällen sind mindestens 46 labordiagnostisch bestätigt, bei den restlichen Fällen handelt es sich um erkrankte Patienten mit Verdacht auf Q-Fieber.

Keine neuen Erkrankungen

Die Gesundheitsbehörde gehe nach wie vor davon aus, dass es sich um Nachmeldungen handle, teilt die Pressestelle des Landratsamtes mit. Die meisten Personen erkrankten zwischen dem 1. August und 13. August, anschließend traten nur noch vereinzelt Fälle auf. Der Infektionszeitpunkt liegt in der Regel zwei bis drei Wochen vor Ausbruch der Krankheit - konkret dürften sich die Betroffenen also im Juli angesteckt haben.

Lokaler Herd ist und bleibt Tailfingen

Bei den Erkrankten handle es sich um Personen aus Tailfingen oder um Leute, die sich im Albstädter Teilort aufgehalten haben, sei es in der Freizeit oder weil sie im Talgang arbeiten. Selbst wenn die Fallzahlen noch ansteigen, müssen die Behörden keine besonderen Vorkehrungen treffen. Bei Q-Fieber handle es sich um keine staatlich zu bekämpfende Erkrankung, heißt es in der Pressestelle. Quarantänemaßnahmen für Schafe oder Betretungsverbote bestimmter Gebiete seien daher gesetzlich nicht verankert.

Keine Quarantäne, aber Meldepflicht

Das Infektionsschutzgesetz schreibt aber eine Meldepflicht von der Laboreinrichtung gegenüber dem Gesundheitsamt vor. Insofern wird jeder Einzelfall registriert. Ergeben sich zwischen den einzelnen Befragten Zusammenhänge, die auf eine infizierte Schafherde schließen lassen, wird das Veterinäramt umgehend informiert.

Es gibt jedes Jahr Einzelfälle

Die Schwäbische Alb ist Q-Fieber-Endemiegebiet. Im Zollernalbkreis werden seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001 jährlich ein bis sechs Erkrankungsfälle gemeldet.

Über 20 Schäfer befragt

Nach wie vor sucht das Veterinäramt nach dem Infektionsherd der aktuellen Ansteckungswelle. „Inzwischen wurden weit über 20 Schäfer befragt. Ein Zeitlimit für die Ursachenforschung gibt es nicht. Die Suche wird erst eingestellt, wenn keine Chance mehr besteht, den Herd zu finden“, betont Pressesprecherin Marisa Hahn. Doch wie lässt sich feststellen, welcher Schäfer wann und wo mit seiner Herde unterwegs war?

Q-Fieber im Talgang: Schuld sind nicht die Schafe,
sondern die Zecken und das Klima

© Volker Bitzer

Die Zecken sind letztlich Auslöser des Q-Fiebers. Archiv Volker Bitzer

„Durch die Befragung der Erkrankten konnte das Gebiet, in dem die Infektion vermutlich stattgefunden hat, eingeschränkt werden. Daraufhin wurden alle Schäfer, die in diesem Gebiet Flächen bewirtschaften, befragt“, ergänzt die Pressesprecherin und fügt an: „Auf diese Weise wurde festgestellt, welcher Schäfer sich wann auf den fraglichen Flächen aufgehalten hat, ebenso wurden weitere Schäfer genannt, die nur durchgezogen sind“.

Impfen ist teuer

Es bestehen keine gesetzlichen Regelungen für Schafhalter, ihre Schafe gegen Q-Fieber impfen oder auf die Krankheit untersuchen zu lassen. Anette Wohlfarth ist Geschäftsführerin des Landesschafzuchtverbandes mit Sitz in Stuttgart und erläutert die Gründe: Zur Grundimmunisierung der Schafe habe eine zweimalige Impfung innerhalb von vier Wochen und anschließend eine einmalige jährliche Impfung zu erfolgen.

Tierseuchenkasse hilft

Die Kosten für Impfstoff und und Tierarzt belaufen sich pro Tier auf drei bis vier Euro. „Dies sind hohe Kosten, die der Schäfer tragen soll“, fügt sie an. Zum Schutz der Bevölkerung seien die Kommunen aber auch das Land gefordert, die Impfkosten zu übernehmen oder höhere Zuschüsse zu gewähren, formuliert sie als Forderung des Verbandes, in welchem 90 Prozent der hauptberuflichen Schäfer, aber zu ihrem Bedauern lediglich 17 Prozent der Klein- und Hobbyschafhalter auf freiwilliger Basis organisiert sind.

Zecken sind Verursacher

Auf Drängen des Verbandes übernehme die Tierseuchenkasse des Landes, in die alle Tierhalter einen Pflichtbeitrag einzahlen, 50 Prozent der Impfstoff-Kosten, welche nur ein Drittel der Gesamtkosten (Impfung und Tierarzt) ausmachen. Der Verband habe auch schon Gespräche mit dem Landwirtschaftsministerium und dem Sozialministerium zur Problematik des Q-Fiebers geführt.

Die Mitglieder würden mehrmals jährlich über das aktuelle Geschehen informiert. Weitere lokale Krankheitsherde als jener in Tailfingen seien derzeit nicht bekannt.

Eine Erkrankung der Herde sei nicht die Schuld des Schäfers und auch nicht der Schafe, betont Wohlfarth. Auch Ziegen, Katzen, Hunde, Pferde, Geflügel, Nager und Kühe seien Träger und somit Überträger des Q-Fiebers.

Wetter spielt zentrale Rolle

Verursacher sei die Zecke. Das Schaf selbst erkranke nur in den seltensten Fällen. Durch die milden und kurzen Winter vermehren sich die Zecken explosionsartig. Die Verbreitung des Q-Fieber-Erregers dagegen erfolge hauptsächlich bei warmem, trockenem und windigem Wetter.

Der Erreger wird durch den umherfliegenden Staub, welcher eingeatmet wird, an den Menschen übertragen. Für Anette Wohlfarth steht fest: „Q-Fieber Erkrankungen sind ein Umwelt- und Klimaproblem, für das der Schäfer in keiner Weise verantwortlich gemacht werden darf.“

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