Sigmaringen

Nicht nur Volksverhetzung: Mann mit Hitler-Tattoo hortet Waffen, Drogen und Sprengstoff

10.11.2023

von Mandy Hornstein

Nicht nur Volksverhetzung: Mann mit Hitler-Tattoo hortet Waffen, Drogen und Sprengstoff

© picture alliance/dpa

Der Mann wurde am Amtsgericht Sigmaringen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt (Symbolfoto).

Hitler-Bilder, Posts gegen Moslems, Asylbewerber und Flüchtlinge in Whatsapp-Gruppen, aber auch Verstöße gegen das Waffen-, Betäubungsmittel-, Sprengstoff- und Munitionsgesetz: Ein Mann musste sich wegen einiger Taten vor Gericht verantworten.

Ein Mann aus dem Kreis Sigmaringen hat sich am Donnerstagmorgen vor dem Sigmaringer Amtsgericht wegen Volksverhetzung sowie wegen Verstößen gegen das Waffen-, Betäubungsmittel-, Sprengstoff- und Munitionsgesetz verantworten müssen.

Der 1986 geborene Mann soll in verschiedenen Whatsapp-Gruppen unter anderem Hitler-Bilder und Posts gegen Moslems, Asylbewerber und Flüchtlinge gepostet haben.

Nils Grießmann, Rechtsreferendar der Staatsanwaltschaft Hechingen, war zu Beginn der Verhandlung fast 20 Minuten lang damit beschäftigt, die Anklageschrift zu verlesen.

Darunter befand sich auch eine lange Liste der bei einer Hausdurchsuchung durch die Kriminalpolizei Ende 2020 gefundenen Gegenstände wie hochexplosive Gemische, pyrotechnische Munition, Blitzknallsätze, eine umgebaute Schreckschusspistole, ein Butterfly-Messer, Marihuana und Tilidin-Tabletten sowie Uniformteile der SS.

Was der Angeklagte gemacht hat

Zudem war der Angeklagte in vier rechtsextremen Whatsapp-Gruppen aktiv und postete dort nicht nur Hitler-Bilder und „Witze“ gegen andere Völkergruppen, sondern auch Fotos von sich mit einem Hakenkreuz-Tattoo und der tätowierten Unterschrift von Adolf Hitler auf seinem Oberarm. Mehr als 20 solcher Handlungen der Volksverhetzung wurden ihm zur Last gelegt.

Der Angeklagte räumte direkt alle Taten ein. Auf die Frage von Richterin Isabell Voß, warum er das alles gemacht habe, zuckte der Angeklagte mit den Schultern. „Ja, das stimmt alles schon. Keine Ahnung, warum ich das damals gemacht habe“, sagte er.

Auch seine Beweggründe für die explosionsgefährdeten Stoffe und die umgebaute Waffe erläuterte er nicht. Inzwischen sei er in der Ausstiegsberatung „konex ‐ Kompetenzzentrum gegen Extremismus in Baden-Württemberg“, das ihm von einem Kumpel empfohlen wurde und bei dem er bereits an drei Treffen teilgenommen habe. Nach und nach würde er nun auch die Tattoos entfernen lassen, habe dazu aber noch nicht alle finanziellen Mittel beisammen.

Vater erklärt, wie es soweit kam

Der Vater des Angeklagten sagte spontan als Zeuge aus. Er äußerte sich zu den Beweggründen und den Anfängen des Verhaltens seines Sohnes.

„Er hatte damals einfach zu viel Zeit, weil er arbeitslos war und dann noch in den falschen Freundeskreis gerutscht ist“, sagt der Vater. „Seit er eine Festanstellung und einen neuen Bekanntenkreis hat, gibt es das auch nicht mehr.“

Ein Kriminalpolizist, der ebenfalls als Zeuge aussagte, erläuterte, wie es zur Hausdurchsuchung nach einem anonymen Hinweis gekommen war. Die Hausdurchsuchung wurde durchgeführt, weil der Angeklagte schon einmal auffällig geworden war, so der Zeuge.

„Wir fanden fertig laborierte Sprengmittel und stellten die Kommunikationsmittel sicher“, sagte er. Auch der Umbau der Schreckschusswaffe sei höchst komplex und professionell durchgeführt.

Strafe zur Bewährung ausgesetzt

Nachdem sich die Anklagepunkte bestätigt hatten, plädierte Grießmann von der Staatsanwaltschaft auf ein Jahr und vier Monate Freiheitsstrafe, die aufgrund der positiven Sozialprognose des Angeklagten auf vier Jahre Bewährung ausgesetzt werden könne sowie zu einer Geldstrafe von 1600 Euro. Der Anwalt plädierte auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, ebenfalls zu vier Jahren Bewährung, jedoch keine Geldstrafe.

Richterin Voß schlug daraufhin bei ihrer Verurteilung einen Mittelweg ein und verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, die zu vier Jahren Bewährung ausgesetzt werden könne sowie eine Geldstrafe von 1600 Euro.

„Hätte sich hier gezeigt, dass Sie noch einen anderen Gemütszustand haben, hätte ich mir keine Bewährung vorstellen können“, so die Richterin in ihrer Begründung.

„Aber es ist schön zu sehen, wie Sie Reue zeigen und auch von sich an einem Ausstieg aus der Szene interessiert sind“, sagte sie. „Trotzdem ist eine kriminelle Energie und eine Masse an Straftaten erkennbar, die nicht ignoriert werden können“, so die Richterin abschließend.

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