Neues vom 4-spurigen Ausbau der B27 bei Bodelshausen: Und sie planen und planen und planen ...

Von Klaus Irion

Ist die schon seit Jahrzehnten andauernde Planung für den 4-spurigen Ausbau der B27 zwischen Nehren und Bodelshausen im Jahr 2024 vollendet? Auf dem Papier ja, aber wer dieses Jahrhundertprojekt kennt, der weiß, dass der am Freitag vom Regierungspräsidium genannte aktuelle Stand der Dinge mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht der endgültige bleiben wird.

Neues vom 4-spurigen Ausbau der B27 bei Bodelshausen: Und sie planen und planen und planen ...

Das rote ist die geplante B27-Ausbautrasse.

Gibt es eine noch frustrierendere Tätigigkeit, als Planer des 4-spurigen Ausbaus der B27 zwischen Nehren und Bodelshausen zu sein? Wohl kaum. Wie viele Änderungen an diesem geplanten Streckenabschnitt in den vergangenen Jahrzehnten vorgenommen werden mussten, man weiß es längst nicht mehr.

Rückplanung und Aktualisierung

Die jüngste Änderung war im vergangenen Jahr die Rücknahme der geplanten LKW-Haltestellen zwischen Bad Sebastiansweiler und Bodelshausen. Nachdem diese Rückplanung vollendet ist, machen sich laut aktueller Pressemitteilung des Regierungspräsidiums die Straßenplaner an „die Aktualisierung der technischen Straßenplanung und neuer rechtlicher Anforderungen“. So würden nun alle darauf aufbauenden Unterlagen durch die Gutachter- und Planungsbüros grundlegend überarbeitet.

Lauter neue Richtlinien und Vorgaben

Als da wären: Die Fortschreibung der Verkehrsuntersuchung auf den Prognosehorizont 2035 und damit einhergehend die Aktualisierung des Lärmgutachtens, des Luftschadstoffgutachtens und des bodenkundlichen Berichtes.

Neue Kartierungen

Nicht zu vergessen die Anpassung bei der Landschaftsplanung an die neuen gesetzlichen und naturschutzfachlichen Anforderungen. Dazu hätten bereits „neue Kartierungen zur Plausibilisierung der Bestandskulisse des nach Bundesnaturschutzgesetz und nach europäischem Recht geschützten FFH-Lebensraumtyps Magere Flachlandmähwiesen“ stattgefunden.

Streuobstbstände „plausibilisieren“

Zudem mussten aufgrund neuer rechtlicher Bestimmungen weitere Bestandsdaten, wie beispielsweise die nach baden-württembergischen Naturschutzgesetz geschützten Streuobstbestände und weitere gesetzlich geschützte Biotope, „plausibilisiert werden“, schreibt die Tübinger Behörde.

Begleitplanung wird aktualisiert

Und wie geht es nun zeitlich weiter? Auf Basis der Planänderungen und der Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange werde bis Ende des dritten Quartals 2022 die landschaftspflegerische Begleitplanung aktualisiert. Dies betrifft insbesondere die insgesamt rund 100 Hektar umfassende Ausgleichskonzeption. „Im letzten Quartal 2022 erfolgt eine Überarbeitung der zusammenfassenden Berichtsunterlagen und eine Aktualisierung der rund 1100 Grundstücke und zirka 600 Eigentümer umfassenden Grunderwerbsunterlagen.“

Knackpunkt Entwässerung

Die erneute öffentliche Auslegung aller Pläne ist für das erste Quartal 2023 terminiert. Doch auch das ist längst nicht sicher, denn: „Ob dieser Termin haltbar ist, hängt derzeit entscheidend von den im April 2022 veröffentlichten Richtlinien für die Entwässerung von Straßen und deren Auswirkung auf die bereits abgeschlossene Entwässerungsplanung ab.“

Planfeststellung 2024?

Sollten sich die neuen Richtlinien für die Entwässerung von Straßen nicht auf die Planungen auswirken, ist es das Ziel, den Erörterungstermin Ende 2023 / Anfang 2024 durchzuführen und den Planfeststellungsbeschluss in 2024 fertigzustellen. Ziel heißt aber nicht, dass es zeitlich dann auch so kommt.

„Rechtssicher und ausgewogen“

Und was sagt Tübingens Regierungspräsident Klaus Tappeser: „Wir wollen eine rechtssichere, ausgewogene, transparente und bürgernahe Planung gewährleisten, um so schnellst möglich zu einem rechtskräftigen Planfeststellungsbeschluss zu kommen.“ Seine Verkehrsplaner würden es ihm sicherlich danken.

Update: Auch Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut meldete sich am Freitag in Sachen B 27 zu Wort. In diesem Fall als CDU-Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Balingen. Wortwörtlich erklärte sie: „Ich begrüße es sehr, dass die Planungen zum Aus- und Neubau der B 27 zwischen Bodelshausen und Nehren vorangehen und die nächsten Schritte eingeleitet werden. Der Ausbau dieser Verbindung ist essenziell wichtig und wird dringend für unsere Region gebraucht.“