Neue Wohnzimmer für des Pfarrers schwarze Tauben in Balinger Kirchtürmen

Von Peter Faber

Mit charakteristischen „kjä“-Rufen umfliegen kleine Rabenvögel die Kirchtürme der Stadtkirche und der Heilig-Geist-Kirche. Akrobatisch halten sie sich an Mauervorsprüngen fest oder lassen sich auf dem Zeiger der Turmuhr nieder. Es handelt sich um Dohlen, für die der Nabu Balingen jetzt weitere Nistkästen aufgehängt hat. Die evangelische und katholische Kirchengemeinde wurden deshalb vom Nabu und dem Beratungsausschuss für das deutsche Glockenwesen mit der Plakette „Lebensraum Kirchturm“ ausgezeichnet.

Neue Wohnzimmer für des Pfarrers schwarze Tauben in Balinger Kirchtürmen

In Handarbeit entstehen die Nistkästen für die Dohlen. Das Foto zeigt Peter Faber.

In Kategorie 2 der Roten Liste der gefährdeten Arten und somit „stark gefährdet“ ist die Dohle aufgeführt. Grund genug für die Aktiven der Ortsgruppe Balingen im Naturschutzbund Deutschland (Nabu) den Vögeln tatkräftig zu helfen. Neben wenigen Baum- und Felsbrütern lebt die Dohle bei uns hauptsächlich in Kirchtürmen und alten Gemäuern.

Dort wären eigentlich genügend Nischen und Hohlräume für den Nestbau vorhanden. Den Abwehrmaßnahmen gegen Tauben fielen aber auch die Nistmöglichkeiten für Dohlen zum Opfer. Kaum ein Turm, der nicht vollständig vergittert und mit Taubenabwehrspießen versehen ist.

Wohnungsnot bei Balinger Dohlen

Die Dohlenkolonie an der Stadtkirche ist schon sehr alt, in den Schalllöchern rund um den Kirchturm nisten sie schon lange. 2010 installierte Nabu-Mitglied Peter Faber mit Mitgliedern seiner Natur- und Umwelt-AG am Gymnasium Balingen zusätzliche Nistkästen innen im Kirchturm. Diese waren schnell alle besetzt und schon bald herrschte wieder Wohnungsnot unter den Balinger Dohlen.

Sichtbar wurde dies an der Heilig-Geist-Kirche, wo die Dohlen verzweifelt versuchten, hinter den Taubenabwehrgittern ihr Nest zu bauen. Peter Faber und Klaus Gollmer vereinbarten deshalb mit Pfarrer Wolfgang Braun und dem Kirchengemeinderat, Nistkästen im Kirchturm anzubringen. Bedingt durch Corona konnten die Pfadfinder der Kirchengemeinde zum Bedauern der Initiatoren nicht wie geplant beim Bau der Kästen beteiligt werden.

Um nicht noch eine Brutsaison zu verlieren, montierten die beiden Nabu-Mitglieder die Nistkästen deshalb in den vergangenen Tagen zu zweit.

Nestbau an Heilig-Geist in vollem Gange

Schon umfliegen die Dohlen in halsbrecherischen Manövern den Kirchturm. Der Nestbau ist in vollem Gange, wie Peter Faber und Klaus Gollmer beim Installieren von weiteren Kästen in der Stadtkirche bemerkten. Jetzt beginnt die Brutzeit auf den durchschnittlich fünf Eiern, die 18 Tage dauert.

Hat sich ein Dohlenpaar einmal gefunden, bleiben die beiden ein Leben lang zusammen. Der Zusammenhalt wird durch zärtliche gegenseitige Gefiederpflege und Füttern gestärkt. Beide kümmern sich aufopferungsvoll um die Jungvögel, die vorwiegend mit tierischer Nahrung, die zum Beispiel Raupen, Käfern, Heuschrecken und Grillen gefüttert werden. Ansonsten sind die erwachsenen Tiere nicht wählerisch und fressen auch Körner, Pflanzenteile und Abfälle.

Jungvögel werden oft Beute von Katzen und anderen Tieren

Nach 30 Tagen fliegen die Jungvögel aus und erleben gefährliche Tage. Noch nicht voll flugfähig werden sie oft Beute von Katzen und anderen Beutegreifern. Nur die Hälfte von ihnen überlebt das erste Lebensjahr. Ist das erste Jahr geschafft, werden die Altvögel immer erfahrener und erreichen ein Alter von 15 Jahren und mehr.

Die beiden Nabu-Engagierten hoffen, dass der Bestand der Balinger Dohlen weiter konstant bleibt oder sogar wächst. Durch Beringung hat man festgestellt, dass ein reger Austausch zwischen den Kolonien der verschiedenen Türme herrscht – gelebte Ökumene auf dohlisch.