Schömberg

Nach Suspendierung wegen Veruntreuungs-Verdacht: Schömberger Feuerwehr hat neuen Kassier

03.03.2024

Von Jasmin Alber

Nach Suspendierung wegen Veruntreuungs-Verdacht: Schömberger Feuerwehr hat neuen Kassier

© Jasmin Alber

Elmar Sölch (Mitte) ist der neue Kassier der Abteilung Schömberg, rechts neben ihm die neuen Kassenprüfer Christoph Maier und Michael Bröllos – flankiert von (von links) Bürgermeister Karl-Josef Sprenger, Gesamtkommandant Bruno Weckenmann, Abteilungskommandant Lucas Mager und dessen Stellvertreter Sebastian Schneider (rechts).

Es war ein Paukenschlag vor einigen Wochen, als der langjährige Kassier der Schömberger Feuerwehrabteilung suspendiert wurde. Der Vorwurf gegen ihn wiegt schwer: Er soll über Jahre hinweg Geld aus der Kameradschaftskasse veruntreut haben. Bei der Hauptversammlung der Gesamtwehr am Freitagabend demonstrierten die Wehrleute Zusammenhalt. Sie stellten mit der Wahl des neuen Kassiers Elmar Sölch Weichen für einen „professionellen Neuanfang“, wie Abteilungskommandant Lucas Mager es bezeichnete.

Wenn Feuerwehren bei der Hauptversammlung auf das vergangene Jahr zurückblicken, geht es meist um die Rückschau auf besondere Einsätze, Einsatz-, Dienst- und Übungsstunden, Mitgliederentwicklung, neue Fahrzeuge und Ehrungen.

Besonders spannend an der Sitzung im Schömberger Feuerwehrhaus am Freitagabend war allerdings: Wie wirkt sich der Vorwurf der Veruntreuung gegen den Kassier der Abteilung Schömberg aus? Er soll, wie der ZAK exklusiv berichtet hatte, in seiner langjährigen Tätigkeit immer wieder Geld aus der Kameradschaftskasse genommen haben. Die Stadt hat Anzeige erstattet, die Staatsanwaltschaft Hechingen prüft den Verdacht und leitet – sollte er sich bestätigen – Ermittlungen ein. Der Kassier ist bereits vor einigen Wochen suspendiert worden. So viel zur Ausgangslage.

Kein Kassenbericht

Im Bericht des Schömberger Abteilungskommandanten Lucas Mager kam das Thema in der Versammlung am Freitag erstmals zur Sprache: „Die Ereignisse rund um die Veruntreuung unseres Kassiers haben den Blick auf 2023 getrübt.“ Man sei aber „auf dem besten Weg für einen professionellen Neuanfang“.

Dieser wurde unter Tagesordnungspunkt 5 – Bericht des Kassiers von Schömberg – dann ausführlicher behandelt. „Es wird keinen Bericht geben“, stellte Gesamtkommandant Bruno Weckenmann direkt in seiner Einleitung zu diesem Agendapunkt fest. Stattdessen ergriff Sebastian Schneider, der stellvertretende Schömberger Abteilungskommandant, das Wort. Es gebe keinen Kassenbericht, und nach dem schmerzlichen Vorfall könne der Ex-Kassier auch nicht entlastet werden, so Schneider.

Erstmals ein Wirtschaftsplan

„Wir wären aber nicht die Feuerwehr, wenn wir nicht lösungsorientiert nach vorne blicken würden“, sagte er. Für das laufende Jahr wurde erstmals ein „Wirtschaftsplan Sondervermögen Kameradschaftspflege“ aufgestellt. Dieser soll eine Richtschnur sein, erklärte Schneider. Und auch in den kommenden Jahren soll es Wirtschaftspläne geben (analog zu Schömberg im Übrigen auch für die Schörzinger, wie deren Abteilungskassier später am Abend mitteilte).

Auf der Einnahmenseite der Schömberger Abteilung, deren Konto nach wie vor über die Stadtverwaltung läuft, steht unterm Strich eine Summe von 19.300 Euro. Unter anderem sind hier die kalkulierten Einnahmen aus der „Nacht der offenen Tür“, die am 11. Mai stattfindet, mit 9000 Euro veranschlagt oder Zuwendungen der Stadt mit 1200 Euro. Auf der Ausgabenseite stehen in Summe ebenfalls 19.300 Euro. Hier sind beispielsweise Ausgaben für Geschenke und Ehrungen oder einen Ausflug gelistet.

Sprenger äußert sich nicht weiter zu Veruntreuungsverdacht

Seitens der Stadt konnte Bürgermeister Karl-Josef Sprenger übrigens keine Neuigkeiten zur Kassier-Sache vermelden. Wegen der laufenden Ermittlungen könne er nicht mehr dazu sagen. Er und der gesamte Gemeinderat freuen sich aber, so Sprenger auch namens der Räte, dass die Feuerwehr Geschlossenheit zeige und die im Raum stehende Veruntreuung keine Auswirkungen auf die Kameradschaft hab. Der Wehr gebühre ein großer Dank, dass sie in dieser Situation Zusammenhalt zeige.

Auch für ihn war „klar, wir können heute den Kassier nicht entlasten“. Sprenger führte die Entlastungen für das Jahr 2023 herbei, die – mit expliziter Ausnahme des Schömberger Kassiers – von den Mitgliedern der Feuerwehr einstimmig gewährt wurde.

Der gute Zusammenhalt trotz oder gerade wegen der besonderen Situation mit dem schwerwiegenden Vorwurf gegen den Ex-Kassier zeigte sich auch in der Sitzung. Spürbar harmonisch verlief die Versammlung.

Stimmberechtigte wählen neuen Kassier geheim

Und so stand auch die Causa Kassier nicht im Fokus des Abends, obgleich die Wehrleute mit den Wahlen wichtige Weichen gestellt haben. „Wir waren nicht untätig und haben Gespräche geführt“, so Gesamtkommandant Weckenmann. Diese seien erfolgreich gewesen, ohne jemanden überreden zu müssen, wie er betonte. Elmar Sölch stellte sich für die nächsten 5 Jahre (übrigens als einziger Kandidat) als Kassier zur Wahl. Die 38 Stimmberechtigten, die der Hauptversammlung beiwohnten, wählten geheim. Nach der Auszählung – das Ergebnis: 37 Ja-Stimmen, ein Wahlzettel war ungültig – stand Sölch als neuer Kassier der Abteilung Schömberg fest. Er nahm erwartungsgemäß die Wahl an und bedankte sich für das Vertrauen.

Die beiden neuen Kassenprüfer – zur Wahl hatten sich Christoph Maier und Michael Bröllos gestellt – wurden schließlich per Akklamation und jeweils einstimmig und ebenfalls auf 5 Jahre gewählt.

Wir werden über die Hauptversammlung der Schömberger Gesamtwehr und die Ehrungen noch separat berichten.

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