Hausen am Tann

Nach Bürgerentscheid geht es sehr schnell: Die drei Hausener Bäume am Friedhof sind Geschichte

24.01.2024

Von Daniel Seeburger

Nach Bürgerentscheid geht es sehr schnell: Die drei Hausener Bäume am Friedhof sind Geschichte

© Daniel Seeburger

Von der mächtigen Kastanie und den beiden Linden sind nur die die Stümpfe übrig.

Am vergangenen Sonntag sprach sich eine klare Mehrheit der Hausener in einem Bürgerentscheid dafür aus, dass drei große Bäume am Friedhof aus Sicherheitsgründen umgesägt werden. Bereits am Dienstag machte die Gemeindeverwaltung reinen Tisch – die Kastanie und zwei Sommerlinden gehören der Vergangenheit an.

„Mein Freund, der Baum, ist tot. Er fiel im frühen Morgenrot“ – Plakate, unter anderem mit diesem Schlagertitel von Alexandra, wurden von Unbekannten mit Reißnägeln auf die verbliebenen drei Baumstümpfe gepinnt. Denn nach der Entscheidung am Sonntag lief alles ganz schnell. Am Dienstagmorgen, quasi im frühen Morgenrot, rückte eine Firma aus Bitz mit Autokran an der Hausener Kirche an. Dann wurden die Bäume Stück für Stück abgesägt – und abends war selbst vom Holz nichts mehr zu sehen.

+++ Der ZAK auf Whatsapp: Jetzt hier kostenfrei den Kanal abonnieren +++

Einige Hausener wundern sich nun über den schnellen Vollzug. „Das ist jetzt doch sehr schnell gegangen“, sagt ein Bürger im Gespräch mit unserer Zeitung und vermutet, dass das alles schon vor dem Bürgerentscheid mit der Firma ausgemacht worden sei.

Nach Bürgerentscheid geht es sehr schnell: Die drei Hausener Bäume am Friedhof sind Geschichte

© Daniel Seeburger

Eine der Sympathiebezeugungen für die umgesägten Bäume.

Dem widerspricht Bürgermeister Stefan Weiskopf nicht. Die Arbeiten seien bereits im vergangenen September ausgeschrieben worden. Nach dem Antrag auf einen Bürgerentscheid habe man mit der Firma besprochen, dass es auf das Ergebnis der Bürgerbefragung ankomme. Wichtig sei es allerdings gewesen, dass das Unternehmen zusagen konnte, dass man den Auftrag dann noch in der vegetationsfreien Zeit umsetzen werde – also bis Ende Februar. Ansonsten hätte man wieder bis Anfang November warten müssen.

Unternehmen hat kurzfristig Termin frei

Das Unternehmen habe am Dienstag kurzfristig einen Termin frei gehabt und dann die Bäume entnommen, so Stefan Weiskopf. Die Bäume, so der Bürgermeister, seien vor allem im Kronenbereich deutlich marode gewesen. Im unteren Bereich habe es zudem Wasseraustritt gegeben. Die Bäume seien angegriffen gewesen, eine der beiden Linden sogar total kaputt.

Das sieht ein Hausener Bürger, der sich eigenen Angaben zufolge mit Bäumen sehr gut auskennt, anders. Die Stümpfe zeigten, dass die Bäume kerngesund gewesen seien, sagt er.

Kein Vertrauen in Gutachter

Im vergangenen September beschloss der Hausener Gemeinderat, die Bäume aus Sicherheitsgründen fällen zu lassen. Daraufhin bildete sich eine Initiative, die innerhalb weniger Tage rund 60 Unterschriften für einen Bürgerentscheid sammelte. Bei einer besseren Pflege würden die Bäume noch lange halten, hieß es seitens der Initiative. Das sah die Gemeindeverwaltung anders, die darauf hinwies, dass man völlig wertneutral an die Sache herangegangen sei und sich unter anderem auf Experten von der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt und der Expertise eines externen Gutachters verlasse.

Dieses unter Verschluss gehaltene Gutachten allerdings zweifelte die Bürgerinitiative an und forderte eine unabhängige Untersuchung. Der Gutachter hatte sich die Expertise von der Gemeinde nicht bezahlen lassen und darauf bestanden, es nicht zu veröffentlichen, da er sich für seine Expertise mehrfach habe rechtfertigen müssen und er Repressalien befürchtete.

Diesen Artikel teilen: