Albstadt

NS-Widerstand, „Schatzkammer“, seltene Instrumente: Museumstag in Albstadt ließ staunen

20.05.2024

Von Barbara Szymanski

NS-Widerstand, „Schatzkammer“, seltene Instrumente: Museumstag in Albstadt ließ staunen

© Barbara Szymanski

Eine Führung im Depot des Albstädter Kunstmuseums mit dessen stellvertretender Leiterin Melanie Löckel war einer der vielen Höhepunkte am Internationalen Museumstag.

Ganz Albstadt ein einziges Museum zum Entdecken, Schauen und Staunen: Über regen Besuch gefreut haben sich am Internationalen Museumstag die Verantwortlichen der sechs Häuser in Lautlingen, Tailfingen, Onstmettingen und Ebingen. Es gab Führungen und Vorträge, Kaffee und Kuchen und viele Möglichkeiten, die jeweiligen Sammlungen mit der ganzen Familie selbst zu erkunden.

Ein besonderer Ort, der am Internationalen Museumstag geöffnet wurde, ist das Depot des Kunstmuseums Albstadt. „Die Schatzkammer“, wie die stellvertretende Museumsleiterin Melanie Löckel bei der gut besuchten Depotführung die Gäste begrüßte. Fast 25.000 Grafiken mit allen erdenklichen Techniken sind im Untergeschoss des Ebinger Kunstmuseums gelagert bei 19 Grad Temperatur, relativer Luftfeuchtigkeit von etwa 45 Grad und sehr guter Alarmanlage in dichten Metallschränken. Nach wie vor sind alle sowie neu hinzukommende Blätter handschriftlich in dicken Inventarbüchern vermerkt, daneben auch in einem digitalen Programm erfasst. Löckel und Museumsleiter Kai Hohenfeld betreuen die Arbeiten in der Schatzkammer; Selma Lay setzt diese mit Passepartout und Rahmen in Szene, wenn die Grafiken ausgestellt oder entliehen werden sollen. Ein Prickeln beim Anschauen verursachten auch die rund 500 Gemälde im Depot, darunter die komplette Sammlung des Malers Christian Landenberger, die am Sonntag ebenfalls zu sehen waren.

Kuchensonntag eine Institution

Fein haben Kaffee und selbstgebackenen Kuchen des Aufsichtsteams um Erika Riebl und Erika Hutt im Forum des Museums gemundet. „Der Kuchensonntag ist eine Institution geworden, es haben sich sogar Stammtische gebildet“ freute sich der Museumsdirektor, der später Professor Volker Lehnert, Kunstpädagoge, Hochschullehrer aber auch Maler, Grafiker und vor allem Zeichner, bei dessen Vortrag „Vom Zeichnen in barocken Räumen“ ankündigt.

NS-Widerstand, „Schatzkammer“, seltene Instrumente: Museumstag in Albstadt ließ staunen

© Barbara Szymanski

Prof. Volker Lehnert erläuterte im Albstädter Kunstmuseum seine Art des Zeichnens barocker Räume.

Lehnert sagte von sich: „Ich bin wohl der Einzige, der so verfährt und deshalb der eifrigste Kirchgänger.“ Lehnert schätzt die Aura in barocken Kirchen und Kapellen in ganz Europa, wie er sagte. Doch diese seien nicht fassbar, sie ließen sich in ihrer gesamten Ausprägung nicht fotografisch festhalten. Hier eine Lösung zu finden, das versuche er durch seine Art zu zeichnen und die Arbeiten sanft zu kolorieren. Er dehnt und kippt, das, was er sieht, oder sucht oder denkt sich einen imaginären Standpunkt aus. Dabei lege er die Hand nicht aufs Blatt, sondern führe den Stift ziemlich unbequem von oben, um einen besonderen Strich zu erreichen. Drei Beispiele seiner Arbeiten sind in der Ausstellung Interieur und Stillleben zu sehen.

NS-Widerstand, „Schatzkammer“, seltene Instrumente: Museumstag in Albstadt ließ staunen

© Barbara Szymanski

Im Lautlinger Schloss erfuhren die Besucher vieles über die Familie von Stauffenberg, allen voran Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

„Ein wichtiger Ort für das geschichtsvergessene Land“ steht unter anderem im Gästebuch in der Stauffenberg-Gedenkstätte. Der jüngste Eintrag stammt von Klara und Olivia Stauffenberg, die an diesem Tag zu Besuch im Lautlinger Schloss waren. Das Buch liegt auf dem Tisch im ehemaligen Teezimmer der Schlossinhaber, in dem Besucher sich auf den Originalsesseln niederlassen können. Kurzführungen bot Kulturbeauftragter Tim Delle zum Thema Claus Schenk Graf von Stauffenberg, ehemaliger Befürworter der Nazis und später entschiedener Gegner.

NS-Widerstand, „Schatzkammer“, seltene Instrumente: Museumstag in Albstadt ließ staunen

© Barbara Szymanski

Staunen über die Instrumentensammlung im Lautlinger Schloss.

Viele nutzten den Aufenthalt im Schloss nach der Führung, die Musikhistorische Sammlung zu erforschen, mit Instrumenten, deren Namen und Aussehen wenig bekannt sind wie Clavichord, Konsolpiano Portativ, Helikon oder das Blasinstrument Serpent, das aussieht wie eine dicke, schwarze Schlange. Eine dreiköpfige Familie aus Onstmettingen verriet, dass sie endlich mal die Gelegenheit zu einem Besuch im Lautlinger Schloss bei freiem Eintritt nutzen wollten.

Maschen, Uhren, Pumphäusle

Das haben auch viele Besucher im Tailfinger Maschenmuseum getan, wo Karl-Eugen Conzelmann unter dem Motto „50 Minuten – Abenteuer Geschichte“ referierte. Carina Rosenlehner zeigte in der Wirkerei, was aus ausgedienten T-Shirts und Socken für originelle Produkte entstehen können. Kaffee und Kuchen gab es im ehemaligen Café Rieger. Fritz Brenner referierte in Onstmettingen über die zahlreichen Erfindungen des Pfarrers, Mathematikers, Astronomen und Mechanikers Philipp Matthäus Hahn wie Uhren, Neigungswaagen oder astronomische Weltmaschinen. Besichtigen ließ sich auch das älteste Gebäude in Onstmettingen, nämlich der Kasten. Offen war ebenso das Haus der 1000 Waagen, in dem Rudi Keinath über diesen, die Zollernalb prägenden Industriezweig, Auskunft gab. Im sorgsam renovierten Pumphäusle, dem historischen Pumpwerk von Onstmettingen, beantwortete Klaus Wagner die Fragen der Besucher.

Insgesamt ein spannender und lehrreicher Museumstag in Albstadt.

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