Handball

Mit neuer Energie zur Maximalleistung: HBW-Geschäftsführer Felix König im großen Interview

10.02.2024

Von Marcus Arndt

Mit neuer Energie zur Maximalleistung: HBW-Geschäftsführer Felix König im großen Interview

© Moschkon

Felix König arbeitet akribisch am HBW-Kader.

Abstiegskampf pur! Nach einer Horror-Serie von zwölf Niederlagen in der Liga und im Pokal wollen die „Gallier“ noch einmal angreifen. Die Chancen auf den Klassenerhalt sind noch intakt.

Der Balinger Handball-Bundesligist kämpft gegen den direkten Wiederabstieg. Die Situation ist nicht neu für den Zweitliga-Meister von 2023 – auch die daraus resultierenden Probleme bei der Kaderzusammenstellung.

„24/7“, sagt Manager Felix König mit Blick auf die Personalgespräche für die kommende Runde. Trotzdem richtet er nun den Fokus auf die Rest-Runde, blickt auf das Derby gegen den schwäbischen Rivalen aus Göppingen, ordnet die mehrwöchige Vorbereitung ein und spricht offen über die ungewohnte Heimschwäche der Schwaben, welche in der „Hölle Süd“ bislang nur zwei Zähler verbuchten.

Herr König, die Vorbereitung war intensiv – in den Tests gab es Höhen und Tiefen. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Felix König: Ich bin wirklich zufrieden mit der Vorbereitung. Die Jungs haben voll mitgezogen. Jens hat im Training noch einmal zusätzliche Reize gesetzt und sie richtig gefordert. Man könnte fast sagen, er hat sie regelrecht getriezt, um das Maximum aus der Winter-Vorbereitung herauszuholen.

Ist das gelungen?

Die Mannschaft hat es sehr gut angenommen und umgesetzt. Aber ich habe auch nichts anderes erwartet. Unsere Jungs sind sich der Herausforderungen der zweiten „Saisonhälfte“ absolut bewusst und haben in den vergangenen Wochen mitgezogen. Mit „Mo“ (El-Tayar, Anm. d. Red.) war nur ein Spieler mit der Nationalmannschaft unterwegs, was für uns ein kleiner Vorteil sein könnte, da wir fast komplett die Vorbereitung durchziehen konnten. Trotz des letzten Tabellenplatzes ist die Stimmung im Team gut und die Moral intakt. Jetzt gilt es, schnell in die Punkte zu kommen, um den Rückstand auf die Nichtabstiegsplätze weiter zu verkürzen.

Ein paar Prozentpunkte haben in der ersten Saisonphase gefehlt. Kann diese Trainer Jens Bürkle noch aus der Mannschaft herausholen?

Ich bin absolut überzeugt von der Qualität unserer Mannschaft, die in der Liga konkurrenzfähig ist. Ich habe schon vor der Runde gesagt, dass die Liga extrem ausgeglichen ist und wir an einem Sahnetag auch gegen die Großen nicht chancenlos sind. Aber ich möchte nicht allzu viel darüber spekulieren, was denn genau gut laufen muss, damit wir in die Punkte kommen können. Wir werden schlicht und einfach alles, was wir haben, in die Waagschale werfen. Ob das am Ende ausreicht oder nicht, wird sich zeigen.

Über Jahre hinweg war für den HBW die Heimstärke meist ausschlaggebend für den Klassenerhalt in der ersten Liga. Woran liegt es, dass die Truppe um Kapitän Felix Danner in der SparkassenArena in dieser Spielzeit schwächelt?

Unsere Heimstärke war immer eine wichtige Erfolgskomponente, das ist richtig. So haben unsere Fans es in der Vergangenheit immer wieder geschafft, uns durch ihre Unterstützung eben jenen finalen Schub zu geben, den wir brauchten, um den Sieg an uns zu reißen. Die Frage, warum das in dieser Runde nicht so der Fall war, wie sonst, kann ich ehrlich gesagt nicht beantworten. Wenn wir den Grund dafür kennen würden, würden wir selbstverständlich daran arbeiten, aber leider kann ich mir im Moment auch nicht so richtig erklären, woran es die letzten paar Heimspiele hakte.

Zum Tagesgeschäft. Nach der EM-Pause geht es gegen Göppingen, Wetzlar und die Rhein-Neckar Löwen. Das sind schon Spiele, wo der HBW zwingend in die Punkte kommen sollte. . .

Ich bin kein Fan von expliziten Vorgaben bezüglich der Punkte. Folglich wird es eine solche auch nicht für diese Begegnungen geben. Die Spieler sind sich der aktuellen Tabellensituation und somit auch der Wichtigkeit der Spiele im Februar absolut bewusst. Deshalb denke ich auch nicht, dass es nötig sein wird, eine Punktequote von ihnen zu verlangen.

Trotzdem muss sich die Mannschaft steigern – Fehler deutlich reduzieren. In welchen Bereichen sehen Sie ganz persönlich Steigerungsmöglichkeiten?

Auch diese Frage lässt sich nicht einfach beantworten. Es gab Spiele, in denen technische Fehler unser Hauptproblem waren – und dann gab es wieder Tage, an denen wir diese gut im Griff hatten, aber dafür ein oder zwei Bälle zu viel verworfen haben. Mal ist es die Technik, ein andermal das Gegenstoßspiel und beim nächsten Mal wieder etwas ganz anderes. Es gibt also nicht das eine Manko, welches es konkret zu überwinden gilt. Je nach Spiel und Tagesform ist es immer eine andere Kleinigkeit, die den Unterschied macht und die wir entsprechend hätten besser machen können. Uns bleibt daher nur die Möglichkeit, an unser Maximum zu gehen und unser Leistungspotential voll auszuschöpfen. Nur wenn uns das gelingt, können wir die Punkte holen, die wir gerade so dringend brauchen.

Der HBW startet gegen Göppingen. Da gibt es schlechtere Spiele zum Auftakt. . .

Ja, das stimmt. Die Voraussetzungen sind sehr gut. Mit einer ausverkauften Arena in die zweite „Saisonhälfte“ zu starten, ist großartig. Besonders weil für Göppingen drei Tage vor unserem Treffen das Heim-Derby gegen Stuttgart anstand und wir somit ein paar Tage mehr als sie haben, um uns auf das Spiel vorzubereiten. Das ist für unsere Fans, die Zuschauer und auch für den Verein sowie für uns als Verantwortliche im Hintergrund ein Traumstart. Das Spiel ist seit Wochen ausverkauft – trotz Fasnetssamstag. Sicherlich verdanken wir das auch dem Schwung und der Euphorie, den die Europameisterschaften mit sich gebracht haben. Das merkt man vor allem bei dem Spiel gegen die Rhein-Neckar Löwen. Was aber auch nicht verwunderlich ist, schließlich steht bei ihnen mit Juri Knorr eine der Hauptfiguren der EM auf der Platte. Wir freuen uns auf jeden Fall riesig auf den Auftakt.

Es laufen noch mehrere Verträge aus – auch die Frage, ob es für euch in der ersten oder zweiten Liga weitergeht, ist noch offen. Der neue Trainer Matthias Flohr und Sie haben bestimmt klare Vorstellungen, wie das Team künftig aussehen soll. Auf welchen Positionen besteht Handlungsbedarf?

Wir streben an, mit einer ähnlichen Kaderstärke wie in dieser Runde zu arbeiten – völlig unabhängig von der Liga. Die genaue Größe wird letztendlich davon abhängen, wie viele hybride Spieler uns zur Verfügung stehen werden – also solche, die sowohl für die erste als auch für die zweite Mannschaft auflaufen könnten. Dabei ist besonders wichtig, dass wir einen Fokus auf unsere Abwehr legen, um sicherzustellen, dass wir diese Stärke trotz der Abgänge nicht verlieren. Es fallen wichtige Stützen in unserer Abwehr weg und nun gilt es, diese Lücke zügig zu füllen und adäquaten Ersatz zu finden.

Warum tut sich der HBW bei den Personalplanungen so extrem schwer?

Das liegt mitunter an der aktuellen sportlichen Situation. Die Spieler möchten natürlich immer Planungssicherheit – sie wollen wissen, in welcher Liga sie künftig spielen werden. Und da die sportliche Situation gerade eben aussieht, wie sie aussieht, ist es da schwierig, frühzeitig klare Entscheidungen zu bekommen. Es ist das Ziel jedes Spielers, in die erste Liga zu kommen. Als Profisportler ist das einfach das Nonplusultra. Es ist in der Branche dann einfach so, dass in unsicheren Zeiten die Spieler dann logischerweise ein wenig auf Zeit spielen. Von Spiel zu Spiel wird es deutlicher, in welche Richtung es gehen kann. Das macht es so extrem schwierig.

Zumal es Ihre erste Kaderplanung in leitender Position ist. . .

Das ist richtig, ich kann noch nicht auf langjährige Erfahrung zurückgreifen. Es ist schon etwas anderes, wenn man es zum dritten oder vierten Mal macht. Da werden viele Dinge einfacher. Nichtsdestotrotz habe ich erfahrene Mitstreiter, die mich unterstützen. Aber wir wissen, was der HBW und der Zollernalbkreis zu bieten haben. Wir sind ein Verein, der unheimlich familiär ist. Wir leben in einer Region, die unheimlich attraktiv ist – nicht nur für einen Handballspieler, sondern auch für jeden anderen Arbeitnehmer. Wir versuchen schon, den Spielern das Leben um den Handball so einfach wie möglich zu machen. Es gibt dann vielleicht immer noch eine Planungsunsicherheit, was die Liga angeht. Aber die Spieler wissen dann, dass sie sich wohlfühlen und alles drumherum passt. Für den einen oder anderen kann das schon auch ausschlaggebend sein. Natürlich sind es Profisportler, natürlich wollen sie in die erste Liga – aber auch da sind die Plätze begrenzt. Dann ist es umso wichtiger, dass die Punkte rund um den Handball stimmig sind. Das ist schon ein Faktor, den wir versuchen, bei den Spielern noch einmal zu unterstreichen.

Ende Januar vermeldete die Firma Bizerba, dass es zu einem größeren Stellenabbau kommen wird. Befürchten Sie Auswirkungen auf das Sponsoring bei den „Galliern“?

Dazu kann ich im Moment noch nichts sagen, da ich noch nicht mit Bizerba gesprochen habe. Wir haben eine Stellungnahme bezüglich der Kooperationen und des langjährigen Sponsorings erhalten, aber Genaueres kann ich erst in ein paar Wochen mitteilen, nachdem wir uns mit der Firma konkret ausgetauscht haben. Ich bin mir sicher, dass wir mit einem langjährigen Partner wie Bizerba gemeinsam eine Lösung finden werden.

Mit welchem Etat möchte der Verein künftig arbeiten – und wie würde dieser im Abstiegsfall aussehen?

Es wird definitiv eine Herausforderung, den jetzigen Etat zu halten. Die Ligazugehörigkeit spielt dabei eine entscheidende Rolle, da sich die Fernsehgelder abhängig davon, ob man in der ersten oder in der zweiten Liga spielt, erheblich unterscheiden. Mein primäres Ziel wäre es daher, die Sponsoringeinnahmen so gut es geht auf dem gleichen Niveau zu halten, um für beide Szenarien – Erstliga oder Zweitliga – gewappnet zu sein.

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