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Albstadt

Mit „Dorian Gray“ in Albstadt: ein Interview mit Sky du Mont, der am Sonntag im Thalia liest

06.11.2019

Von Dagmar Stuhrmann

Mit „Dorian Gray“ in Albstadt: ein Interview mit Sky du Mont, der am Sonntag im Thalia liest

© Privat

Sky du Mont

Man kennt ihn aus unzähligen Film- und Fernsehproduktionen – doch der 1947 in Argentinien geborene Sky du Mont schlüpft auch gern in andere Rollen. Am Sonntag liest der beliebte Schauspieler und Schriftsteller im Rahmen der Albstädter Literaturtage im Thalia-Theater aus Oscar Wildes Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“. Die Rezitation wird ergänzt durch Filmeinspielungen aus dem gleichnamigen Film.

In Wildes Roman geht es um einen jungen Mann, der trotz seines ausschweifenden, hemmungslosen Lebens ewig jung und schön bleibt. In seinem Spiegelbild allerdings zeigt sich der Verfall in seiner ganzen Hässlichkeit. Ist das ein Thema, das Sie besonders interessiert?

Sky du Mont: Ich denke, dass dieses Thema sehr gut in unsere Zeit passt. Die Menschen wollen nicht altern. Es sind unzählige Produkte auf dem Markt, die vermeintlich helfen sollen, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht. Das genau ist die Geschichte von Dorian Gray. Er strebt die ewige Jugend an. Er glaubt dabei, sich alles leisten zu können, nach Lust und Laune Menschen verletzen zu können. Sein Charakter verändert sich ins Negative, während er nach außen hin nichts von seiner Schönheit einbüßt. Nur sein Spiegelbild wird hässlich.

Was will uns Wilde damit sagen?

Für mich ist die Botschaft des Romans: Das Äußere ist nicht so wichtig wie das Innere. Leider habe ich den Eindruck, dass Äußerlichkeiten aber in unserer Gesellschaft immer wichtiger werden und beispielsweise derjenige Politiker gewählt wird, der besser angezogen ist. Das halte ich für eine verheerende Tendenz.

In Ihren eigenen Büchern beschäftigen Sie sich auch mit dem Thema Alter. Ist älter werden für Sie ein Problem?

Das Thema beschäftigt mich natürlich. Meine Bücher sind jedoch von einer erzählerischen Leichtigkeit geprägt, die auch meinen Umgang mit dem Thema beschreibt. Eine Kabarettpianistin, die mit mir regelmäßig auf Lesetour geht, bringt es in einem Lied ganz gut auf den Punkt: Warum muss man Frühling im Herbst spielen? Ich bin im Herbst des Lebens, und dazu stehe ich auch. Ich kaufe mir jetzt keine Lederjacke oder eine Harley – nur um jünger zu wirken...

Wenn das Äußere nicht so wichtig ist – wie kommen Sie damit zurecht, dass Sie ein Frauenschwarm sind? Ist das für Sie eher Fluch oder Segen?

Am Anfang meiner Karriere war es für mich eher ein Fluch, weil ich nur entsprechende Rollen angeboten bekam, in denen ich beispielsweise den eleganten englischen Lord verkörperte. Allerdings habe ich von meinem Kollegen Gregory Peck, mit dem ich zusammen drehen durfte, etwas Kluges gelernt: Für einen Schauspieler geht es nicht darum zu beweisen, dass er alles kann. Wir müssen das spielen, was die Zuschauer uns abnehmen.

Sie haben inzwischen acht Bücher verfasst. Warum lesen Sie am Sonntag im Thalia-Theater nicht aus einem Ihrer Bücher?

Ich bin auch mit meinen eigenen Büchern auf Lesetour. Um mein neuestes Buch „Jung sterben ist auch keine Lösung“ herum haben wir ein ganzes Programm gestrickt und ich würde damit auch gern einmal nach Albstadt kommen. Allerdings gibt es dafür bislang noch keinen Termin.

Sie sind also am Sonntag zum ersten Mal in Albstadt?

Ja, und leider habe ich auch keine Zeit, die Gegend zu erkunden, weil ich nach der Lesung am Sonntag gleich wieder in Richtung Osnabrück abreisen muss.

Haben Sie nach der Lesung noch Zeit, Autogramme zu geben?

Natürlich, das mache ich sehr gerne. Übrigens mein Kompliment an Albstadt: Ich finde es sehr gut, dass es die Albstädter Literaturtage gibt. Lesen ist sehr wichtig, das beflügelt die Phantasie. Man muss alles, was die Lesefreude gerade auch bei der jungen Generation fördert, unbedingt unterstützen.

Sie sind es gewöhnt, dass sich alle Augen auf der Bühne auf Sie richten. Haben Sie eigentlich noch Lampenfieber?

Nein, Lampenfieber habe ich nicht, dafür bin ich schon zu lange im Geschäft. Ich würde eher sagen: Ich bin gespannt. Gespannt darauf, wie die Zuhörer an gewissen Stellen reagieren.

Und nach dem Auftritt gönnen Sie sich noch ein oder zwei „Edle Tropfen in Nuss“?

Ich werde tatsächlich oft gefragt, ob ich die Edlen Tropfen denn auch wirklich gerne esse, weil ich ja Werbung dafür mache. Und ich muss sagen: Ich mag sie sehr. Ich würde nie für etwas werben, hinter dem ich nicht stehe.

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