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Zollernalbkreis

Liegen gebliebene Proben: Die Feuerwehr Ebingen muss noch mal zum Test

23.03.2020

Von Michael Würz

Liegen gebliebene Proben: Die Feuerwehr Ebingen muss noch mal zum Test

© tilialucida - stock.adobe.com

So sieht es aus, wenn Coronatests untersucht werden – in einem Labor in Ravensburg sind rund 2000 solcher Proben liegen geblieben.

Nachdem ein Labor in Ravensburg rund 2000 Proben nicht bearbeitet hatte, müssen sich viele erneut testen lassen – darunter auch Mitglieder der Feuerwehr Ebingen.

Ärzte in Baden-Württemberg sprechen inzwischen von einem Skandal: Nachdem in einem Labor in Ravensburg eine Vielzahl von Coronatests liegen geblieben ist, müssen Betroffene erneut zum Test – auch im Zollernalbkreis.

Wie berichtet, war in dem Labor vergangene Woche ein chemischer Stoff für die Untersuchung von Coronatests ausgegangen. Pikant: Erst am Sonntag informierte das Labor die Gesundheitsbehörden, per Fax. Laut Sozialministerium geht es um rund 2000 Proben aus dem Zeitraum von 14. bis 18. März, die nicht ausgewertet wurden.

Labor verteidigt sich zunächst

Nachdem unter anderem der ZOLLERN-ALB-KURIER über den Fall berichtet hatte, übte sich das private Labor am Montag eilig in Krisenkommunikation: Alle Tests könnten doch noch untersucht werden, hieß es: „Wir stellen hierzu klar, dass das Probenmaterial, wie auch von uns mit dem Robert-Koch-Institut besprochen, aus medizinischer Sicht weiterhin die Durchführung von Tests zulässt“, zitierte die Deutsche Presse-Agentur das Unternehmen – zunächst.

Damit hat sich das Labor ganz offenkundig zu weit aus dem Fenster gelehnt: Wie nur kurze Zeit später durchsickerte, müssen sich zahlreiche Betroffene sehr wohl noch einmal testen lassen. Darunter auch Patienten aus dem Zollernalbkreis – und das in einem besonders wichtigen Fall: Zwölf Mitglieder der Feuerwehrabteilung Ebingen befinden sich derzeit in Quarantäne. Sie warten händeringend auf ihr Testergebnis, nachdem ein Gerätewart der Abteilung positiv auf Covid-19 getestet worden war.

Feuewehrarzt Spengler: „Ich bin wirklich entsetzt“

Auch Stadtbrandmeister Michael Adam und dessen Büro-Mitarbeiter sind betroffen. „Ich bin wirklich entsetzt“, sagte Dr. Krischan Spengler am Montagabend im Gespräch mit unserer Zeitung. Als Kreisfeuerwehrarzt betreut der Mediziner die zwölf Verdachtsfälle in den Reihen der Feuerwehr. Sieben von ihnen zeigten, Stand Montagabend, Symptome. „Ich habe mich sofort darum gekümmert, dass diese am Montag als Erstes noch einmal getestet wurden“, berichtet Spengler. Der mit Nachdruck darauf hinweist, wie wichtig gerade diese Proben seien – schließlich zählt die Feuerwehr zur kritischen Infrastruktur.

Auch Feuerwehrleute in Nusplingen, die mit ihren Ebinger Kameraden Kontakt hatten, hätten sich teilweise freiwillig in Quarantäne begeben – sie warten nun ebenfalls dringend auf die Ergebnisse aus Albstadt.

Sozialministerium: „Das Vorgehen ist nicht akzeptabel“

„Das Vorgehen des Labors hält alle betroffenen Bürgerinnen und Bürger weiter in Ungewissheit und ist nicht akzeptabel“, hatte sich bereits am späten Sonntagabend das baden-württembergische Sozialministerium verschnupft geäußert. Zuvor hatte das Ministerium eine Krisensitzung einberufen und zunächst mitgeteilt, dass die Landkreise Tübingen, Biberach, Ravensburg und der Bodenseekreis betroffen seien.

Auf ZAK-Anfrage bestätigte jedoch bereits am Montagnachmittag das Landratsamt im Zollernalbkreis: „Die bisherigen Coronatests des Zollernalbkreises werden ebenfalls in diesem Labor ausgewertet. Wir können nicht ausschließen, dass auch Proben aus unserem Landkreis davon betroffen sind.“

Inzwischen ist klar: Auch Proben aus dem Kreis sind liegen geblieben – unverständlich für Albstadts Stadtbrandmeister Michael Adam, der wie Feuerwehrarzt Spengler insbesondere die Kommunikation des bekannten Labors in Ravensburg scharf kritisiert. „Dass ein Stoff ausgeht, kann passieren“, sagt Spengler. Dass das Labor seine Notlage jedoch nicht sofort den Behörden gemeldet hatte – für den Feuerwehrarzt ist das nicht nachvollziehbar. So sieht das auch die Notärztin Lisa Federle, die die Tübinger Teststelle aufgebaut hatte.

Notärztin: „Das ist ein Skandal“

„Wirklich inakzeptabel“ nennt sie das Verhalten des Labors, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Dramatisch sei, dass unter den Getesteten Menschen aus dem Rettungsdienst, Ärzte und medizinisches Fachpersonal seien. Die habe man vorerst aus dem Verkehr ziehen müssen. Außerdem bestehe die Gefahr, dass Infizierte nicht erkannt worden seien. „Unser Landkreis kann keine klare Prognose mehr abgeben“, sagt Federle. „Und das ist ein Skandal.“

Das Labor könnte den Fehler zumindest zugeben, kritisierte sie. „Wir haben uns auf den Kopf gestellt, um die Verbreitung zu verhindern.“ Diese Arbeit werde nun zunichte gemacht. Neue Proben werde sie nicht mehr an das Ravensburger Labor schicken. Mit rund 1000 liegen gebliebenen Proben ist der Landkreis Tübingen offenbar besonders stark von dem Vorfall betroffen. Das Vertrauen in das Labor sei nunmehr sehr eingeschränkt, sagte Tübingens Landrat Joachim Walter.

Das Landratsamt im Zollernalbkreis bittet alle Personen, bei denen im Zeitraum zwischen 14. und 18. März ein Abstrich genommen wurde und die noch kein Ergebnis erhalten haben, sich an das Bürgertelefon des Landkreises (07433/92-1111) zu wenden. Ein Mitarbeiter des Landratsamtes werde sich mit dem Einzelfall beschäftigen.

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