Zollernalbkreis

Laschet-Söder-Konflikt: Lokale CDU-Mandatsträger versuchen Scherben zusammenzukehren

25.04.2021

Von Klaus Irion

Laschet-Söder-Konflikt: Lokale CDU-Mandatsträger versuchen Scherben zusammenzukehren

© Privat

Annette Widmann-Mauz und Thomas Bareiß versuchen per CDU-Mitgliederschreiben die Laschet-Söder-Scherben vor Ort zusammenzukehren.

Es rumort an der Basis der CDU, auch im Zollernalbkreis. Von einem „Grummeln“ sprach der Balinger CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß gegenüber dem ZAK. Dass das womöglich untertrieben sein mag, scheinen die lokalen CDU-Granden derweil wohl selbst gemerkt haben. Dieser Tage ging ein gemeinsames, persönliches Mitgliederschreiben aller überregionalen Mandatsträger des Zollernalbkreises und des Landkreises Tübingen sowie von Rottenburgs OB an die CDU-Mitglieder beider Kreisverbände. Ein Einordnung hierzu.

„Wir haben verstanden“, tönte nach der Bundestagswahl 2017 der damalige CSU-Vorsitzende Horst Seehofer als Reaktion auf das schlechte Abschneiden der CDU/CSU und forderte sogleich eine Richtungsdebatte innerhalb der Union, in dem einvernehmliche Positionen zwischen CDU und CSU erarbeitet werden sollen.

Lokaler Scherbenhaufen

Dreieinhalb Jahre später ist diese Richtungsdebatte in der Frage der Kanzlerkandidatur der Schwesterparteien in einen handfesten Richtungsstreit ausgeartet. Nachdem sich Armin Laschet nun gegen Markus Söder durchgesetzt hat, ist auch die lokale CDU damit beschäftigt, die Scherben in den heimischen Orts- und Kreisverbänden zusammenzukehren, deren Mitglieder wohl in stattlicher Zahl lieber Markus Söder als Kanzlerkandidaten gesehen hätten, wie allenthalben zu hören ist.

Appell an Zusammenhalt

Ein deutlich vernehmbares „Wir haben verstanden“ bleibt in dem Schreiben, den die CDU-Mitglieder nun von ihren Abgeordneten beziehungsweise ihren gescheiterten Landtagskandidaten der Wahlkreise Tübingen und Reutlingen erhalten haben, aber aus. Als „großer Fehler“ wird lediglich gesehen, „dass das Verfahren zur Bestimmung des gemeinsamen Kanzlerkandidaten von CDU und CSU vorab nicht eindeutig und nachvollziehbar geregelt war.“ Was folgt, ist ein bloßer Appell, doch jetzt schnell wieder zusammenzustehen, und sowohl Armin Laschet, aber auch Markus Söder bei ihrer „Teamarbeit“ in Richtung Bundestagswahlsieg zu unterstützen.

Mehr persönliche Offenheit

Kein Wort zur persönlichen Motivation pro Laschet oder pro Söder. Auch hier nur der Hinweis, dass es Befürworter beider Kandidaten gegeben habe.

Die Abgeordneten bedanken sich in dem Schreiben für die „offenen und ehrlichen Worte“ enttäuschter Parteimitglieder, bleiben diese Offenheit aber abgesehen von Annette Widmann-Mauz weitestgehend schuldig. Die Vorsitzende der Frauenunion Deutschlands hatte schon im Vorfeld der Abstimmung keinen Hehl daraus gemacht, dass sie sich Armin Laschet als Bundeskanzler wünscht. Ihr Balinger Abgeordneten-Kollege Thomas Bareiß hatte gegenüber dem ZAK lediglich geäußert, dass er sich „nicht enthalten“ habe bei der Abstimmung im CDU-Bundesvorstand.

Bareiß bleibt Votumsantwort schuldig

Während man also weiterhin hier nur rätseln kann, ob seine Stimme auch Armin Laschet zufiel, freut sich der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder derweil wahrscheinlich diebisch, dass die schon vor längerer Zeit in die Wege geleitete, nun bundesweit mögliche CSU-Online-Mitgliedschaft zu voller Blüte reift und seit wenigen Tagen auch offensiv propagiert wird. So viel zum im Mitgliederschreiben betonten „Teamwork“ Richtung Bundestagswahl.

CSU wirbt Online-Mitglieder bundesweit

Wenn sich die hiesigen CDU-Abgeordneten bei künftigen unionsinternen Richtungs- und Personalstreitigkeiten weiterhin überwiegend in Beschwichtigung und Relativierung üben, anstatt sich öffentlich klar zu positionieren und ihre Gründe darzulegen, dürfte das CSU-Angebot sicherlich auch für hiesige CDU-Mitglieder eine Alternative sein. Glück im Unglück für die lokale CDU ist dann lediglich, dass neben einer CSU-Online-Mitgliedschaft auch, laut CSU-Eigenwerbung, eine Mitgliedschaft in einer ihr freundschaftlich verbundenen Partei weiter möglich bleibt.

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