Albstadt

Landrat Pauli: „Wir arbeiten daran, die Albstädter Kreissporthalle nicht belegen zu müssen“

24.10.2023

Von Holger Much

Landrat Pauli: „Wir arbeiten daran, die Albstädter Kreissporthalle nicht belegen zu müssen“

© Paul Braun

Landrat Günther-Martin Pauli (links) und Albstadts OB Roland Tralmer (rechts) stellen sich gemeinsam den Fragen der Bürger.

Die Informationsveranstaltung in der Walther-Groz-Schule in Ebingen zur Unterbringung von Geflüchteten in der Kreissporthalle verlief in geordneten Bahnen. Zahlreiche Menschen warteten vor dem Gebäude und taten ihren Unmut kund.

Recht sachlich und ruhig, und das trotz teils unterschiedlichen Meinungen im Saal, verlief am Dienstagabend die Bürgerinformationsveranstaltung in der Aula des Walther-Groz-Schulzentrums in Ebingen. In direkter Nachbarschaft: Die Kreissporthalle, in der, so ist erst seit wenigen Tagen bekannt, Stand jetzt eine Erstunterbringung für Geflüchtete geplant ist.

Landrat Günther-Martin Pauli und Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer hatten am Dienstagabend daher zur Informations- und Diskussionsveranstaltung geladen. Angesichts der Kritik auch im Rahmen der Demonstration am vergangenen Sonntag in der Ebinger City betonte OB Tralmer deutlich, dass es sich um eine Veranstaltung in einer Schule des Kreises sowie um eine Sporthalle des Kreises handele. Unter den rund 150 Besuchern in der Aula befanden sich Lehrer, Schüler, Kreis- und Albstädter Gemeinderäte sowie zahlreiche Albstädter, darunter viele Anwohner.

Veranstaltung wurde in die in die Schul-Aula verlegt

Ursprünglich hatte der Abend in der Ebinger Festhalle stattfinden sollen und wurde dann in die Schul-Aula verlegt, so dass zahlreiche Menschen nicht direkt an der Infoveranstaltung teilnehmen konnten und draußen, wo die Redebeiträge per Lautsprecher übertragen wurden, ihren Unmut durch Rufe und Trillerpfeifen kundtaten. Laut Auskunft der Polizei vor Ort hatte die für Dienstagabend erneut geplante Demo als solche nicht wirklich stattgefunden.

Landrat Pauli: „Wir arbeiten daran, die Albstädter Kreissporthalle nicht belegen zu müssen“

© Paul Braun

In der Aula wurde trotz unterschiedlicher Meinungen größtenteils geordnet diskutiert.

Die Teilnehmer hatten sich stattdessen im Schulhof versammelt. Zahlreiche Redebeiträge der Gäste in der Aula, teils auch von Eltern und Anwohnern, machten deutlich, dass durchaus Sorgen bezüglich der neuen Situation bestehen. Sowohl Pauli als auch Tralmer betonten mehrfach, dass in Zusammenarbeit mit Polizei und Security-Diensten ein Sicherheitskonzept für die Halle und den Schulbereich erstellt werde, „24/7 mit ein bis zwei zusätzlichen Sicherheitsdiensten“, wie OB Tralmer konkretisierte. Tralmer lobte den Vorschlag einer Besucherin, in der Gegend die Straßenbeleuchtung durchgehend anzulassen.

Belegung der Kreissporthalle als „Worst Case“

Die Belegung der Kreissporthalle, betonte der Landrat mehrfach, sei der „Worst Case“. Man arbeite intensiv daran, noch Alternativen zu finden, so dass die Kreissporthalle gar nicht genutzt werden müsse. Bisher habe man diesbezüglich aber keine Lösung. Bis Ende des Monats wolle man hier ein Ergebnis haben, so Pauli. Und wenn die Kreissporthalle belegt werden müsse, so Pauli, dann nur bis Frühjahr 2024.

Landrat Pauli: „Wir arbeiten daran, die Albstädter Kreissporthalle nicht belegen zu müssen“

© Paul Braun

Die Menschen vor der Halle verschafftem ihrem Unmut durch Trillerpfeifen und Hupen Gehör.

Ein Besucher nannte das Soldatenheim bei Meßstetten. Pauli entgegnete, im ehemaligen Jugendheim Lochen seien bereits 120 Leute untergebracht, man müsse die Geflüchteten auf die Gemeinden gleichmäßig verteilen. Rund 200 bis 300 Geflüchtete sollen laut Pauli im Zollernalbkreis untergebracht werden, rund 100 davon eben in der Kreissporthalle oder in noch zu findenden Alternativgebäuden.

Anwohner formulierten ihre Sorgen und Ängste

Das Training für die Schüler, die Sport-Abi machen, so betonte ein Lehrer, müsse gewährleistet sein. Auch sollten die Schüler, unter denen bereits zahlreiche Gerüchte kursierten, so berichtete eine Mutter, sachlich über den Stand der Dinge informiert werden. Auch ein extra Sozialarbeiter wurde von Seiten der Schule in dieser Situation gefordert.

Es wurden auch zahlreiche Ängste formuliert, von Vorkommnissen auf dem Ebinger Bürgerturmplatz wurde berichtet. Eine Mutter formulierte, wenn ihrer Tochter etwas passiere, werde sie „zur Löwin“. Pauli betonte: „Wer sich nicht an unsere Regeln hält, hat sein Gastrecht verwirkt.“

Tralmer: „Mit Migrationspolitik selbst nicht glücklich“

Warum man nicht einfach Nein sage zu den Zuweisungen, fragte ein Besucher. Im Rahmen der kommunalen Solidarität gehe das nicht, so Pauli. Er und besonders OB Tralmer betonten jedoch, dass sie mit der aktuellen Flüchtlingspolitik „gelinde gesagt unglücklich“ seien und den Druck und den Unmut, die nun auf Kreis- und kommunaler Ebene ankommen, nach oben an die entsprechenden Verantwortlichen in Land und Bund weiterreichen würden, um die Situation langfristig zu ändern.

Wir werden über die Veranstaltung noch weiter berichten.

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