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Bisingen

Landesarchäologie untersucht ehemaliges KZ Bisingen: Wie sah der Alltag der Häftlinge aus?

26.07.2019

von Pressemitteilung

Landesarchäologie untersucht ehemaliges KZ Bisingen: Wie sah der Alltag der Häftlinge aus?

© Fachdaten, LAD, Harald von der Osten

Ein aktuelles Georadar des ehemaligen Lagerareals zeigt, dass sich im Boden noch Reste von Gebäuden erhalten haben.

Die Landesarchäologie untersucht ab August das ehemalige Konzentrationslager Bisingen und seine materiellen Hinterlassenschaften. Am Tag des offenen Denkmals gibt es Führungen zu den Ausgrabungen.

Seit dem vergangenen Jahr untersucht das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart die materiellen Hinterlassenschaften an ehemaligen Standorten von Außenlagern des nationalsozialistischen Konzentrationslagers Natzweiler in Baden-Württemberg.

Ab August startet die Landesarchäologie in diesem Rahmen eine archäologische Ausgrabung im Bereich des ehemaligen Außenlagers Bisingen. Das KZ Bisingen wurde im August 1944 als eines von sieben Außenlagern für das „Unternehmen Wüste“, ein Projekt des NS-Rüstungsministeriums, eingerichtet.

Häftlinge waren in Barackenlagern in sumpfigem Gebiet untergebracht

Die KZ-Häftlinge mussten unter unmenschlichen Bedingungen Schieferölwerke zur Gewinnung von Treibstoff errichten und in der anlaufenden Produktion arbeiten. Untergebracht waren die Bisinger Häftlinge in einem Barackenlager, das am Ortsrand in sumpfigem Gebiet aufgebaut wurde.

Überlebende berichten von katastrophalen Zuständen und willkürlicher Gewalt im Lageralltag. In den acht Monaten, in denen das Lager bestand, kamen mindestens 1187 Menschen ums Leben. Das Museum/KZ-Gedenkstätte Bisingen engagiert sich seit Jahren für eine aktive Erinnerungskultur vor Ort.

Bislang konnten einige Spuren entdeckt werden

Vom Lager selbst ist heute oberflächlich nichts mehr zu sehen. Das Areal ist teilweise bebaut, teilweise Grünland. Bei einer vor kurzem von der Landesarchäologie veranlassten Untersuchung mittels Radar- und Magnetikmessungen konnten Spuren der Lagerbaracken und des Lagerweges im Boden entdeckt werden.

Durch die Ausgrabung soll der Erhaltungszustand dieser archäologischen Hinterlassenschaften untersucht und durch erwartete Funde ein Einblick in den Alltag der Häftlinge gewonnen werden. Es ist die erste archäologische Ausgrabung in einem ehemaligen NS-Zwangslagers in Baden-Württemberg.

Führungen zu den Schauplätzen

Am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September, führen Archäologinnen und Archäologen der Landesdenkmalpflege um 11 und 13 Uhr über die Ausgrabung (Zugang über Verbindungsweg am Ende „Hinter Stöck“ zur Schelmengasse in Bisingen).

Die KZ-Gedenkstätte bietet Führungen zu den historischen Schauplätzen auf dem Lehrpfad zur Geschichte des Konzentrationslagers Bisingen an (Start 10 Uhr beim Museum). Im Museum KZ Bisingen (in der Kirchgasse) erzählt die Ausstellung von der Geschichte des KZ und des „Unternehmen Wüste“.

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