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Schömberg

Kurioses aus dem Kirchenschatz: Weshalb der Ratshausener Christus zwei Bauchnabel hat

04.07.2019

Von Daniel Seeburger

Kurioses aus dem Kirchenschatz: Weshalb der Ratshausener Christus zwei Bauchnabel hat

© Daniel Seeburger

Ein kleiner Einblick in den Kirchenschatz: Pfarrer Prof. Klaus Peter Dannecker (links) mit dem zweinabligen Christus und Kirchengemeinderat Andreas Koch mit dem Wettersegen.

Am 1. Juli vor 200 Jahren wurde die Ratshausener St. Afrakirche eingeweiht. Am kommenden Sonntag, 7. Juli, feiert die Kirchengemeinde dieses Jubiläum. Dabei darf man auch einen Blick auf den Kirchenschatz werfen. Und der bietet Kurioses.

Der wohl skurrilste Gegenstand aus dem Kirchenschatz beschäftigt Pfarrer Professor Klaus Peter Dannecker schon seit geraumer Zeit. Die Holzfigur des auferstandenen Christus, die immer an Ostern über dem Tabernakl steht, hat zwei Bauchnabel. Weshalb das so ist und ob sich der Künstler überhaupt etwas dabei gedacht hat, kann nicht mehr schlüssig rekonstruiert werden. Dannecker hat zwar eine Vermutung, die etwas mit Christus als Gott und Jesus als Menschen zu tun hat. Beweisen kann er sie allerdings nicht.

Um den Wettersegen ranken sich Legenden

Eine andere Kostbarkeit ist der alte Wettersegen, der schon zum Inventar der alten Kirche in Kernhausen, einem abgegangenen Weiler am Ortsausgang in Richtung Hausen am Tann, gehört hat. Der Legende nach soll ein Erdrutsch vom Plettenberg das Dörflein zerstört haben. Den Wettersegen fand einige Jahre später auf wunderbare Weise ein Ratshausener Bauer beim Pflügen.

Von Kernhausen nach Ratshausen

Vermutlich war es kein Erdrutsch, der die alte Kirche samt Häusern unter sich begrub, sondern der Beschluss der Gemeinde Ratshausen, das für die damalige Zeit doch weit entfernte Kernhausen aufzugeben und die baufällige Kirche abzureißen zugusten eines neuen Gotteshauses. Beim Umzug, so vermutet Dannecker, sei der Wettersegen verloren gegangen. Dass er beim Pflügen wieder aufgetaucht ist, sei durchaus nachvollziehbar, so Dannecker.

Einweihung am 1. Juli 1819

Auf Kosten des Staates wurde die Kirche von 1816 bis 1818 erbaut. Am 1. Juli 1819 weihte der Augsburger Weihbischof Johann Baptist von Keller das Gotteshaus ein. Keller wurde 1828 dann erster Bischof des neu gegründeten Bistums Rottenburg.

Pfarrer Thomas Vadakoot kommt zu Besuch

Am kommenden Sonntag, 7. Juli, wird der 200. Geburtstag der Ratshausener Kirche gebührend gefeiert. Um 10 Uhr beginnt das Kirchweihfest mit einer Heiligen Messe, die Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Pfarrer Shibu Vincent Pushpam, Pfarrer Prof. Dr. Klaus Peter Dannecker zusammen mit Pfarrer Thomas Vadakoot feiern werden. Vadakoot, der bis 2017 unter anderem in Ratshausen tätig war, kehrt für zehn Tage aus Indien an seine alte Wirkungsstätte zurück.

Musikalisches Rahmenprogramm

Nach der Messe gibt es einen Stehempfang mit Umtrunk, der von Alphornklang und Schwobablech musikalisch gestaltet wird. Um 11.45 Uhr und 14.30 Uhr stehen Kirchturmbesichtigungen auf dem Programm, die Sebastian und Marc Mengis durchführen werden.

Für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt, Paulas Dinnele-Wägele steht zur Verköstigung der Gäste bereit. Nachmittags gibt es zudem Kaffee und Kuchen.

Rallye bei den Ministranten

Ab 12.30 Uhr gibt‘s für die Kinder eine Rallye bei den Ministranten. Klaus Peter Dannecker lädt um 14 Uhr zur Besichtigung der Altäre ein. Denn auch diese sind etwas ganz Besonderes. Sie stammen aus dem früheren Franziskanerinnenkloster Margrethausen, das 1803 in den Wirren der Säkularisation aufgelöst worden ist.

Zum Hochaltar gehörte damals unter anderem ein großes Gemälde, das die Anbetung der Könige zeigt. Heute hängt es an einer der Seitenwände der Ratshausener Kirche.

Sternkreiszeichen an der Kirchendecke

Kirchengemeinderat Andreas Koch erklärt bei einer Führung um 15 Uhr die Kunstwerke in der Kirche. Dort kann man dann unter anderem erfahren, welche Heiligen in St. Afra Aufnahme gefunden haben und welche Bedeutung die Sternkreiszeichen an der Kirchendecke haben. Das Werk stammt übrigens vom Weilener Maler August Blepp.

Die Sakristei mit den Kuriositäten des Kirchenschatzes kann um 15.30 Uhr besichtigt werden. Hier gewähren die Mesner Sebastian und Marc Mengis interessante Einblicke.

Schautafeln und Orgelmeditation

Mit einer Einführung in die Ratshausener Orgel wird um 16 Uhr das Besichtigungsprogramm abgeschlossen. In der Kirche informieren Schautafeln die Besucher über das Gotteshaus.

Mit einer Orgelmeditation, die um 16.45 Uhr stattfindet, und einem Vespergebet um 17 Uhr endet die Jubiäums-Kirchweih.

Kirchengemeinderat stellt seine Arbeit vor

Man werde auch die Arbeit des Kirchengemeinderats vorstellen, erklärt Andreas Koch und das Gespräch mit den Besuchern suchen. Interessant sei es, zu erfahren, wo die Gläubigen die Kirchengemeinde in 50 Jahren sehen. „Wir wollen nicht nur zurückblicken“, so Professor Klaus Peter Dannecker, „sondern auch nach vorne schauen.“

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