Meßstetten

„Kunst im Depot“: Einmaliger Kulturtag im Gebäude 48 auf dem ehemaligen Meßstetter Kasernengelände

26.02.2024

Von Rüdiger Wysotzki

„Kunst im Depot“: Einmaliger Kulturtag im Gebäude 48 auf dem ehemaligen Meßstetter Kasernengelände

© Rüdiger Wysotzki

„Toleranz – Respekt – Liebe“ stand auf diesem installierten Kunstwerk, das die grauen Regale im Gebäude 48 am vergangenen Sonntag zierte. Hier wird bald das Depot der Kunstsammlung des Zollernalbkreises einziehen.

Einmalige Gelegenheiten müssen genutzt werden. Das tat das Kreisarchiv Zollernalbkreis zusammen mit dem Verein „Freiraum – Balingen kreativ“ am vergangenen Sonntag gewiss. Die Veranstalter luden zum Kulturtag in die restaurierten Räume des Gebäudes 48 auf dem ehemaligen Kasernengelände. Wo bald das Depot der Kunstsammlung des Landkreises einzieht, wurden Werke von Kunstschaffenden aus der Region gezeigt – in noch leeren Räumen und zwischen grauen Regalen.

Das ehemalige Werkstattgebäude auf dem Vorgelände der ehemaligen Zollernalbkaserne blüht nun nach einer mehr als gelungenen Restaurierung auf. Es erfüllte jetzt einen Zweck, der ursprünglich nicht zu träumen gedacht war. Der Forst ist bereits eingezogen und große Teile des ehemaligen Kellers und Bunkers wurden als Depot der Kunstsammlung des Zollernalbkreises umgebaut.

Eine einmalige Ausstellung

Eine einmalige Gelegenheit ergab sich jetzt für das Kreisarchiv Zollernalbkreis und den Verein „Freiraum – Balingen kreativ“ in das Gebäude 48 zu einem Kulturtag einzuladen. Der Einladung hierzu folgten bei strahlendem Sonnenschein sehr viele Besucher. Da die Räumlichkeiten noch nicht völlig ihrer Bestimmung zugeführt worden sind, war die Möglichkeit einer einmaligen Ausstellung gegeben.

So konnten die Veranstalter die noch leeren Räume und Regale für die Kunstaktion des Vereins Freiraum unter dem Titel „Kunst im Depot: Bilder für ein besseres Weltverständnis“ einrichten. Bilder, Fotos, Objekte und Installationen schmückten die bereits eingebauten grauen Regale und Wände.

„Die Gedanken sind frei. Die Kunst auch“

Zur Eröffnung sprach Dr. Uwe Fliegauf von „Freiraum“ zum Thema „Die Gedanken sind frei. Die Kunst auch.“ Freiheit werde vielfach besungen, bedichtet, beschworen, eingefordert, kommentiert, auch moniert und leider viel zu oft verletzt. In vielen Teilen der Welt sei die Freiheit ein seltenes Gut, keine Selbstverständlichkeit. Freiheit habe viele Facetten, neben der staatstragenden, allgemeinen auch eine ganz persönliche. Das sei vielleicht die wichtigste.

„Kunst im Depot“: Einmaliger Kulturtag im Gebäude 48 auf dem ehemaligen Meßstetter Kasernengelände

© Rüdiger Wysotzki

Kreisarchivar Dr. Uwe Folwarczny betonte, dass die Ausstellung ein einmaliges Zusammentreffen zwischen Kunst und Bunkeranlage sei.

Freiheit, auch das wissen wir in Deutschland nicht erst seit dem Februar 2022, muss auch militärisch verteidigt werden. Das passt gut zum Ort der Matinee, dem ehemaligen Kasernengelände auf dem Geißbühl. Die Ausstellung zeigte Kunst aus der Region für die Region von Kreativen aus der Region. Gabriele Opfermann trug ihre einladenden Worte in Gedichtform dar. Für die Künstler begrüßte Michl Brenner.

Kunst trifft Bunker

Kreisarchivar Dr. Uwe Folwarczny stellte klar, dass kein Außenstehender das Depot nach seiner Fertigstellung betreten kann. Selbstverständlich wird das Kreisarchiv jegliche Anfrage unterstützen und den Kontakt zu angefragten Exponaten herstellen. Die Ausstellung sei ein einmaliges Zusammentreffen zwischen Kunst und Bunkeranlage.

Boris Retzlaff rezitierte in den verschiedenen Räumen abwechselnde Gedichte. Die zum Denken, Nachdenken, Überdenken, Umdenken einluden. So trug er auch die Inspirationen von Mary-Jane Schöller, jetzt Newton, „E 256“ „Das Plastik meiner Haut war mir zu eng“ vor.

„Kunst im Depot“: Einmaliger Kulturtag im Gebäude 48 auf dem ehemaligen Meßstetter Kasernengelände

© Rüdiger Wysotzki

Diese Darstellung eines T-Rex faszinierte die Kinder.

Die Eröffnung begleiteten vier Musikstücke von Wolfgang Fischer und der klangvollen jungen Stimme von Lea-Katharina Scherl wie „Die Gedanken sind frei“ – die Verse gesungen in drei Sprachen – oder „True Colors“ beispielhaft genannt. Das Original-Gedicht stammt aus der Feder von Hoffmann von Fallersleben.

Werke von Kunstschaffenden aus der Region

Die Werke von Michl Brenner, Lorenz Bögle, Baba Cham, Andreea Faciu, Veronika Héber, Angela und Bernhard Jung, Kati Kanniga und Matthias Klose-Kanniga, Gabriele Opfermann, Petra Penz, Ondrej Svadlena, Brigitte Wagner, Reinhard Wulff, Wolfgang Wiebe und Manfred Wörner erschufen viel Raum zum Betrachten und freien Denken.

„Kunst im Depot“: Einmaliger Kulturtag im Gebäude 48 auf dem ehemaligen Meßstetter Kasernengelände

© Rüdiger Wysotzki

Boris Retzlaff rezitierte am Kulturtag in den verschiedenen Räumen abwechselnde Gedichte.

Die Arbeiten können Irritationen sein, sie multiplizieren eine nicht immer massenkonforme, angenehme, anschlussfähige, leicht bekömmliche Botschaft in die Gesellschaft hinein. Der Einzelne, der sie wahrnimmt, interpretiert, stört sich, hat eine gegenteilige Meinung oder stimmt im Einklang mit ein.

Und die Kleinsten, die ihre Eltern zur Ausstellung begleiteten., sie standen ehrfürchtig vor einem gemalt und lebendig wirkenden Großbild eines T-Rex, der von Angie Jung und Baba Cham geschaffen wurde. „Cool!“, „So was, das wäre was für mein Kinderzimmer“, schwärmten sie.

Allgemein empfunden war die Matinee wie ein wunderschönes Nachtschattengewächs, das nur einmal im Leben erblüht. Gegen 15 Uhr schloss diese Einmaligkeit an Farbenpracht auf Beton ihre Türen.

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