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Balingen

Kommunalwahlpodium der evangelischen Kirche: Zwischen Seelenheil und politischer Einmischung

17.05.2019

Von Klaus Irion

Kommunalwahlpodium der evangelischen Kirche: Zwischen Seelenheil und politischer Einmischung

© Emma Urban

Sieben Kreistagskandidaten von Parteien beziehungsweise der Freien Wähler diskutierten auf Einladung der evangelischen Kirche über Politik vor Ort, in Deutschland und in Europa. Moderiert wurde die Debatte von Artur Egle-Theurer vom Evangelischen Bildungswerk.

Das Verhältnis von Kirche und Politik, das Gesundheitswesen, die Infrastruktur, der soziale Wohnungsbau, Europa und die Integration: Unter den Nägeln brennende Themen, die am Donnerstag beim Wahlforum der evangelischen Kirche im Migrationszentrum kontrovers diskutiert wurden.

Kreistagskandidaten aller sieben Parteien stellten sich der Diskussion: Dietmar Foth (FDP), Karl-Josef Sprenger (CDU), Eberhard Jaensch (Linke), Uwe Jetter (Grüne), Alexander Maute (SPD), Reinhold Schäfer (Freie Wähler) und Sigrid Uhle-Wettler (AfD), waren der Einladung gefolgt.

Ich will in den Kreistag, weil...

Moderator Artur Egle-Theurer, Leiter des Evangelischen Bildungswerks, leitete die Diskussion mit gekonnt eingesetzten Medien, provozierenden Aussagen und Fragen. So sollten die Kandidaten zunächst den Satz „Ich will in den Kreistag, weil...“ vollenden. Recht einstimmig bekundeten die politischen Vertreter, sie wollen Verantwortung übernehmen und „die Kommunalpolitik mitgestalten“. Lediglich Jaensch scherte etwas aus und erklärte, dass er zuvorderst den Blick der Öffentlichkeit auf die Sorgen und Nöte einkommensschwache Bevölkerungsschicht lenken will.

Kirche und Politik sind vielfach verbunden

Anschließend waren die Kandidaten aufgefordert, sich zwischen den beiden Aussagen „Die Kirche soll sich um das Seelenheil kümmern und nicht um Politik.“ und „Wer fromm sein will, muss auch politisch sein.“ zu positionieren. Während Jaensch (Linke) ganz klar äußerte, die Kirche solle sich aus der Politik raus halten und als „moralische Instanz“ handeln, sahen Foth (FDP), Sprenger (CDU), Jetter (Grüne), Maute (SPD) und Schäfer (Freie Wähler) viele Verbindungen zwischen Politik und Kirche. „Beide bedienen Felder, die die Gesellschaft betreffen.“, so Maute.

Was sind die dringendsten Aufgaben?

Bei der Frage nach den dringendsten Aufgaben war das Gesundheitswesen und der Ausbau der Infrastruktur für viele Kandidaten ein wichtiges Anliegen. Auch Bildung und sozialer Wohnungsbau wurden als dringende Aufgaben genannt. Uwe Jetter von den Grünen betonte zudem die Wichtigkeit des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit. „Wir verschlafen gerade unsere Zukunft.“

Kritik an den EU-Kompetenzen

Bei der Frage, ob die Gesamtsituation zufriedenstellend sei, bemängelte Jaensch die soziale Ungerechtigkeit und den Sozialstaatsabbau. Uhle-Wettler äußerte ihre Unzufriedenheit darüber, dass die EU zu viele Kompetenzen abgreift. Sie wolle „mehr Eigenverantwortung“. Foth, Jetter und Maute waren sich hingegen einig, dass Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation „Jammern auf hohem Niveau“ sei.

Europa als Friedensprojekt

Diese allgemeine Zufriedenheit spiegelte sich teilweise auch in Bezug auf Europa wieder. Für sechs der sieben Kandidaten sei Europa ein Friedensprojekt und „unverzichtbar, um in der Welt wahrgenommen zu werden“. Angesichts der derzeitigen nationalistischen Tendenzen in vielen europäischen Ländern, müsse man allerdings für dieses wohlstandbringende Europa kämpfen.

AfD-Kandidatin sieht Frieden gefährdet

Lediglich Uhle-Wettler war der gegenteiligen Meinung und wies ganz klar auf den Unterschied von Europa und der EU hin. Sie kritisierte, dass die EU den europäischen Zusammenhalt, die europäische Kultur und den europäischen Frieden gefährdet.

Bürokratismus als Stolperstein?

Beim Thema Integration bemängelten Jetter (Grüne) und Maute (SPD) den Bürokratismus, der dem Prozess der Integration „einige Stolpersteine“ in den Weg lege und schätzen, genau wie Foth, die ehrenamtlichen Helfer, durch die die Integration hier im Zollernalbkreis erst gelingen konnte.

Eine vorbildliche Diskussion

Die Themen Pflege, Armut und Sonntagsschutz konnten dem Zeitmangel geschuldet nur noch kurz angeschnitten werden. Pfarrer Christoph Braunmiller war dennoch äußerst zufrieden mit der Veranstaltung. „Insgesamt verlief die Diskussion vorbildlich“, resümierte er.

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