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Fußball

Kein Aufbäumen: Balingen präsentiert sich beim 0:1 gegen Aufsteiger FC Gießen mutlos

01.09.2019

Von Marcel Schlegel

Kein Aufbäumen: Balingen präsentiert sich beim 0:1 gegen Aufsteiger FC Gießen mutlos

© Eibner

Die TSG und Jonas Vogler verloren das Kellerduell gegen Gießen.

Es war kein leichter Gang in die Kabine – weder für die Spieler der TSG Balingen noch für deren Trainer, Ralf Volkwein. Nach dem 0:1 im Kellerduell gegen Gießen gab’s vom ansonsten emotionslosen Balinger Publikum Pfiffe.

Zuvor hatten die TSG-Akteure einen schwerfälligen, kraftlosen und ideenlosen Eindruck hinterlassen und verschwanden schließlich mit gesenktem Haupte im Innenraum der Bizerba-Arena. Volkwein indes hatte nun noch einen weiteren schweren Gang vor sich: den ans Mikrofon. Er musste die sechste Pleite im siebten Regionalliga-Spiel erklären – aber wie? Ein Aufbäumen hatte man schließlich von seiner Elf erwartet, einen Befreiungsschlag.

Günstig Ausgangslage

Immerhin war die Ausgangslage günstig gewesen: In Alzenau hatten die Balinger zuvor den ersten Saisonpunkt geholt (2:2), im WFV-Pokal zwei Siege in Folge eingefahren und mit Aufsteiger Gießen einen schlagbaren Gegner vor der Brust, der, wie sich später herausstellen sollte, an diesem Samstag ebenfalls nur phasenweise Viertliga-Niveau auf den Rasen brachte. Aggressivität, Leidenschaft und Zug zum Tor hatten sich die lediglich 891 Balinger Zuschauer gewünscht – sie bekamen: fast nichts davon.

„Das eine ist der Kopf, das andere der Körper“, sagte Volkwein nun, vor diesem Mikrofon im Balinger Vereinsheim. „Es fehlen uns nach drei Englischen Wochen in Folge aktuell das Selbstvertrauen und die Körner.“

Kreisstädter ohne Tempo

Beides merkte man von Beginn an. Nach vorne agierten die Kreisstädter meist ohne Tempo und vor allem ohne Mut. Dem riskanten Ball in die Spitze zogen sie in der ersten Hälfte fast immer den Quer- oder Rückpass vor. Weil die Gießener, der schwächste Gegner, der sich der TSG bisher vorstellte, ähnlich konsequent auf Sicherheit bedacht war, Fehlpässe und Langholz in beträchtlicher Zahl schlug, gab’s im ersten Durchgang faktisch keine einzige klare Torchance.

Gießens Joker sticht

Als „ein von der Taktik geprägtes Spiel“ sollte Gießens Coach Daniyel Cimen das Kellerduell später bezeichnen. „Keine Mannschaft wollte einen Fehler machen, keiner wollte zu viel Risiko eingehen.“ Dieses indes ging Cimen gewissermaßen im zweiten Durchgang. Er brachte in der 62. Minute Jake Hirst in die Partie, den die Rot-Weißen erst tags zuvor aus Offenbach verpflichtet hatten.

Und der Joker erzielte in der 69. Minute den Siegtreffer. Hirst, am kurzen Pfosten der TSG positioniert, brachte nach einem weiten Freistoß einen Fuß an den Ball, der daraufhin, vermutlich noch vom Balinger Verteidiger Matthias Schmitz abgefälscht, ins Tor kullerte. Das 0:1 – mehr Zufall; ein Billardtor, das zum Niveau des Spiels passte.

Balingen fehlen die Einfälle

Die TSG derweil hatte im gesamten Spiel nur eine gute Chance, als Marc Pettenkofer nach einer Akkaya-Flanke den Ball nicht voll traf und die Bogenlampe genau deswegen für FCG-Torwart Frederic Löhe unberechenbar wurde (66.), ansonsten fehlten der Volkwein-Elf die Einfälle.

Die TSG machte nach dem Rückstand zwar hinten auf und mühte sich, aber ohne Geschwindigkeit, Genauigkeit und Mut – keine Torgefahr. „Den Willen kann ich meiner Mannschaft nicht absprechen, auch wenn es von außen vielleicht nicht so aussah“, sagt Volkwein später in sein Mikrofon. „Der Körper gibt momentan einfach nicht mehr her.“ Mit einem Punkt aus sieben Spielen sind die Balinger nun am Tiefpunkt angelangt.

TSG Balingen: Binanzer; Eisele, Vogler (81. Guarino), Schmitz, Fritschi, Pettenkofer (72. Lauble), Schuon, Gaiser, Akkaya, Foelsch, Scherer (46. Epstein).

Tor: 0:1 Hirst (69.).

Schiedsrichter: Jonas Brombacher (Kandern).

Zuschauer: 891.

„Wir sind nicht blauäugig oder verkennen die Situation“

Bei der TSG Balingen steht man hinter dem Chef- und Aufstiegstrainer Ralf Volkwein – dies trotz der sechsten Niederlage im siebten Saisonspiel und des 16. Tabellenplatzes, den die Schwaben durch das 0:1 gegen Gießen vom Wochenende weiterhin belegen. Abteilungsleiter Uwe Haußmann sagte gegenüber unserer Zeitung: „Ralf Volkwein ist unser Trainer .“ Natürlich, so der Abteilungsleiter des sportlich in der Krise steckenden, noch sieglosen Fußball-Viertligisten habe man die Situation intern besprochen, einige Gespräche geführt, Optionen abgewägt und es gebe auch noch weiterhin Gesprächsbedarf. „Wir sind nicht blauäugig oder verkennen die Situation“, so Haußmann weiter. „Wir wissen, dass sich schnell etwas ändern muss.“ Diesen Freitag (19 Uhr) ist die TSG Balingen beim SSV Ulm zu Gast, der am Wochenende den FSV Frankfurt mit 2:0 besiegte. Es war der bereits vierte Ulmer Sieg in dieser Saison. Zuvor waren die „Spatzen“ mit zwei Niederlagen in die Runde gestartet. Die TSG derweil ist saisonübergreifend seit 16 Partien ohne „Dreier“. Das letzte Mal gewannen die Balinger am 16. März, als daheim der spätere Absteiger Eintracht Stadtallendorf mit 3:1 geschlagen wurde. „Es ist keine einfache Situation“, weiß Volkwein.

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