Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Zollernalbkreis

Jugend trainiert für Olympia: eine Erfolgsgeschichte, auch im Zollernalbkreis

11.07.2020

von Ewald Walker

Jugend trainiert für Olympia: eine Erfolgsgeschichte, auch im Zollernalbkreis

© Privat

Die Leichtathleten des Balinger Gymnasiums im Jahre 2015 vor dem Berliner Olympiastadion.

Ein beliebter Wettbewerb feiert runden Geburtstag: Seit 50 Jahren gibt es „Jugend trainiert für Olympia“. Es ist eine Erfolgsgeschichte, auch im Zollernalbkreis. Als Betreuungslehrer dabei war sogar ein echter Olympiateilnehmer und Silbermedaillengewinner, der Albstädter Schwimmer Horst Löffler.

Es war schon etwas außergewöhnlich, als im Herbst 1983 zehn Jungen von der Grund- und Hauptschule Truchtelfingen mit ihrem Sportlehrer Horst Löffler im Flieger nach Berlin unterwegs sind.

Die jungen Schwimmer hatten sich im Schulsportwettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ über das Kreisfinale in Tailfingen als Landesssieger in Freiburg für das Bundesfinale qualifiziert. „Das war schon eine außergewöhnliche Unternehmung“, erinnert sich Löffler an die Tage von Berlin. Der Truchtelfinger Lehrer stand 1964 in der letzten gesamtdeutschen Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Tokio und hatte in der Staffel eine olympische Silbermedaille gewonnen.

Jugend trainiert für Olympia: eine Erfolgsgeschichte, auch im Zollernalbkreis

© Volker Bitzer

Ein außergewöhnliches Dokument: Die Urkunde (hier ein Ausschnitt zu sehen) bestätigt bundesweit die Silbermedaille für die Truchtelfinger Schulschwimmer, die auch darauf unterschrieben. Eine Silbermedaille im Schwimmen holte auch deren Sportlehrer Horst Löffler, allerdings bei den echten Olympischen Spielen 1964 in Tokio. I

„Jugend trainiert“ ermöglicht bis heute besondere Erlebnisse. Gleich viermal war Sportlehrerin Gabi Kantimm mit Turnerinnen vom Gymnasium Ebingen in der Bundeshauptstadt. 2001 gab es mit einem dritten Platz ein herausragendes Ergebnis. „Die Atmosphäre bei diesem Bundesfinale ist außergewöhnlich, das ist wie ein Klein-Olympia“, weiß Kantimm zu berichten.

Aber auch auf der untersten Ebene ist der Schulsportwettbewerb im 50. Jubiläumsjahr unverändert attraktiv. Neben Schwimmen und Turnen sind im Zollern-Albkreis Handball, die Rhythmische Sportgymnastik und vor allem die Leichtathletik beliebt. So finden in Ebingen regelmäßig Final-Wettkämpfe auf regionaler und Landesebene statt. „Jugend trainiert“ ist hier zu einer festen Größe geworden“, sagt Kantimm.

Urgestein Martin Schuler

Ein Urgestein des Wettbewerbs ist der ehemalige Weilstettener Lehrer Martin Schuler. 40 Jahre war er in der Leichtathletik dabei: als Organisator von Kreisfinals und als Betreuer und Stadionsprecher.

688 Schulteams aus 41 Schulen haben in seiner Ägide in der Leichtathletik teilgenommen, rund 1000 Schüler hat Schuler aus einer eigenen Schule, der GHS Weilstetten betreut. Anfangs in Endingen und Ebingen musste man die Bahnmarkierungen noch mit Kreide selber ziehen, später auf Kunststoff im Balinger Austadion wurde vieles leichter.

Jugend trainiert für Olympia: eine Erfolgsgeschichte, auch im Zollernalbkreis

© Privat

Im Bundesfinale in Berlin standen die Gymnastikmädchen des Ebinger Gymnasiums im Jahre 2002.

Inzwischen findet das Kreisfinale, das von Sabine Kirschbaum organisiert wird, auf dem Tailfinger Lichtenbol statt. Beim Start in den 70er Jahren waren gerade mal 12 Teams dabei, der Teilnehmerrekord lag später bei 96 Mannschaften (über 1000 Schüler). Der Erfolg von „Jugend trainiert“ steht und fällt mit dem Einsatz engagierter Lehrer. Schuler war 14 Jahre Kreisbeauftragter.

Sogar 25 Jahre war Horst Schimke (Gymnasium Ebingen) als Tischtennis-Kreisbeauftragter in Diensten von „Jugend trainiert“ dabei. Zu den Urgesteinen zählte auch Bärbel Höhn (Balingen-Erzingen), die sich hauptsächlich um die Grundschulen kümmerte und über 30 Jahre mit großem Einsatz auf Kreis- und Landesebene die Leichtathletik-Wettkämpfe mitgestaltete.

Zusammen mit Leichtathletik-Kreis

„Ohne die gute Zusammenarbeit mit dem Leichtathletik-Kreis wäre die erfolgreiche Entwicklung nicht möglich geworden“, betont Höhn. Sie lenkte zusammen mit Norbert Kantimm, dem Schulleiter am Meßstettener Gymnasium die Geschicke.

Allzugut erinnert sich Kantimm, der als EDV-Beauftragter auch das Landesfinale maßgeblich weiterentwickelte, an das Landesfinale 2003 in Sindelfingen, als das Meßstettener Gymnasium bei den Jungen (WK IV) nur um 22 Punkte hinter dem Landessieger Balingen landete. „Wir hatten keine Vereins-Leichtathleten im Team und Rennschuhe hatten wir auch nicht“, ist Kantimm noch heute stolz auf die Jungen.

Gymnasium Balingen sehr erfolgreich

Das Gymnasium Balingen war überhaupt der erfolgreichste Vertreter im Kreis und mehrfach mit der Leichtathletik in Berlin. Bereits 1983 war das Handball-Team des Gymnasiums Balingen (WK I) in Berlin – eine legendäre Mannschaft mit Sportlehrer Axel Metzger und dem Ausnahmesportler Stefan Haigis, der auch als Zehnkämpfer bei Junioren-Weltmeisterschaften am Start war.

„Wir sind damals mit zwei Bussen zum Landesfinale nach Freudenstadt gefahren und dort mit großer Unterstützung Landessieger geworden“ erinnert sich Metzger, „der Flug nach Berlin, die Besichtigung Ostberlins waren besondere Erlebnisse“.

Jugend trainiert für Olympia: eine Erfolgsgeschichte, auch im Zollernalbkreis

© Archiv

Die Truchterfinger Schwimmer, die vor Jahrzehnten im Bundesfinale in Berlin waren.

Im selben Jahr wurde dieses „Jugend trainiert-Team“ mit dem TV Weilstetten deutscher A-Jugendmeister. Mehrfach hatte Metzger das Landesfinale der besten Schul-Handball-Teams Baden-Württemberg in Balingen organisiert.

Auch Werner Jessen, lange Jahre sportaffiner Schulleiter des Balinger Gymnasiums erinnert sich noch heute gerne daran. „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“, hieß es später noch einmal für das Team von Sportlehrer Axel Ferdinand mit einer WK II-Mannschaft.

Talente an den Sport heranführen

Die vorderen Platzierungen auf Bundesebene sind meist an die Sportgymnasien im Osten der Republik (Magdeburg, Jena, Erfurt, Chemnitz, Neubrandenburg, Berlin) vergeben. Mehr als beachtlich war der fünfte Platz des Gymnasiums Hechingen in Berlin 1985.

Jessen betont heute noch die große Bedeutung des Schulsportwettbewerbs. „Da konnte man junge Talente an den Sport heranführen und in die Vereine weiterschicken“, sagt Jessen.

Mit der Gründung des Handball-Zentrums Balingen, der Jugendspielgemeinschaft Weilstetten-Balingen und dem späteren Zusammenschluss des TV Weilstetten und der TSG Balingen gingen daraus auch zahlreiche sportpolitische Impulse im Zollernalbkreis hervor.

In guter Gesellschaft mit Boris und anderen Stars

Viele Sportgrößen haben ihre Spuren im weltweit größten Schulsport-Wettbewerb hinterlassen: Boris Becker war dabei, Olympiasiegerin Heike Henkel, der große Dirk Nowitzki und auch die Schwimm-Ikonen Franziska van Almsick und Michael Groß. Sie und viele andere Sportstars haben auf dem Weg zu Olympia am Schulsportwettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ teilgenommen und dort ihre ersten Erfahrungen mit dem Wettkampfsport gemacht. Auch im Zollern-Alb-Kreis hat der Wettbewerb Spuren hinterlassen.

Im Jahre 1969 wurde der Wettbewerb gegründet und damit eine Erfolgsgeschichte angestoßen. Am Anfang stand eine Privatinitiative. Als Reaktion auf das schlechte Abschneiden der bundesdeutschen Olympiamannschaft 1968 in Mexiko und im Vorausblick auf die Olympischen Spiele 1972 in München initiierte Stern-Verleger Henri Nannen 1969 den neuen Schulsportwettbewerb.

Schulsport und freier Sport näherbringen

In systemgerechter Abwandlung zum erfolgreichen Spartakiade-Wettbewerb der ehemaligen DDR sollte bei „Jugend trainiert für Olympia“ der Schulsport und der freie Sport näher aneinander gebracht werden.

Dort wo 1969 alles begann, im Olympiastadion in Berlin, erfolgte im September 2019 der Startschuss für das Jubiläumsjahr durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. „Der Wettbewerb zeigt, dass Leistung Spaß machen kann“, hob Steinmeier die Jugend-trainiert-Philosophie hervor, zu der auch die Nachwuchsförderung und die Verbindung von Breiten- und Leistungssport gehört. Doch seit März 2020 ist der Wettbewerb in Quarantäne geschickt, für dieses Jahr wurden alle Wettkämpfe abgesagt.

Zahlen nehmen rasant zu

Nach Anfangs 16.500 Teilnehmern in zwei Sportarten (Leichtathletik und Schwimmen) nahmen die Teilnehmerzahlen rasant zu. Nach der Wiedervereinigung stiegen diese Zahlen auf jährlich über 800 000 Teilnehmer in 16 Sportarten – Baden-Württemberg nimmt dabei mit jährlich 125 000 Schülern eine führende Rolle ein.

Jugend trainiert für Olympia: eine Erfolgsgeschichte, auch im Zollernalbkreis

© Privat

Die erfolgreiche Onstmettinger Jungenmannschaft.

Was den Wettbewerb gesellschaftlich wertvoll macht sind die sozialen Erfahrungen: er ist ein reiner Teamwettbewerb – die Mannschaft ist der Star. Der Reutlinger Judoka Ole Bischof ist ein Beispiel für den Weg „Von Jugend trainiert für Olympia zum Olympiasieger“.

Wenige schaffen es ins Bundesfinale

Doch die Philosophie für Millionen junger Sportler ist die Teilnahme auf der untersten Ebene das Ziel, die Teilnahme beim Bundesfinale in Berlin schafft nur ein geringer Teil. In Pliezhausen findet seit vielen Jahren in der Leichtathletik mit jährlich weit über 2000 Schülern aus 80 Schulen, die bundesweit größte Veranstaltung statt.

Jugend trainiert für Olympia: eine Erfolgsgeschichte, auch im Zollernalbkreis

© Privat

Die erfolgreiche Onstmettinger Mädchenmannschaft.

Doch nicht immer war „Jugend trainiert“ ein Selbstläufer. Der Ausstieg der Deutschen Sporthilfe 1990, die neben den Ländern, dem Bund (BMI), dem Land Berlin und den Fachverbänden zu den fünf Trägerinstitutionen zählte, brachte „Jugend trainiert“ in eine finanzielle Notlage. Mit dem Rückzug der Sporthilfe wurde auch die bis dato gültige Rückbindung und Verantwortung des freien Sports an den Schulsport aufgebrochen.

Auch im Paralympics-Bereich

Mit der Gründung des Vereins „Bundeswettbewerb der Schulen Jugend trainiert für Olympia“ 1992 und der Gründung der Deutschen Schulsportstiftung 1999 konnte diese Krise überwunden werden und es zogen auch Sponsoren aus der Wirtschaft in den Schulbereich ein, ein jahrzehntelanges Tabu war damit gebrochen.

Jugend trainiert für Olympia: eine Erfolgsgeschichte, auch im Zollernalbkreis

© Privat

Die erfolgreichen Teilnehmer aus Onstmettingen zusammen mit ihren Betreuern.

Die Aufnahme von „Jugend trainiert für Paralympics“ ins Wettkampfprogramm war eine wegweisende Entscheidung, weil seitdem auch Schüler mit Handicaps wettkämpfenderweise integriert sind.Ewald Walker

Der Autor: Ewald Walker, gebürtiger Tübinger und Oberstudienrat a. D., war als freier Journalist (u. a. beim SWR und zahlreichen Printmedien) sowie bundesweit als Moderator von über 200 Sportveranstaltungen im Einsatz. Er war zudem ehrenamtlich in der Leichtathletik tätig als Vereinsvorsitzender und Meeting-Organisator. Walker arbeitete über 40 Jahre in zahlreichen Projekten des Deutschen und Württembergischen Leichtathletik-Verbandes mit. 2018 war er im Organisationskomitee für die Leichtathletik-EM in Berlin im Einsatz. 2019 berichtete er von der WM in Doha.

Ein Arbeitsschwerpunkt ist die Sportpädagogik der Leichtathletik, u. a. bei „Jugend trainiert für Olympia“ – als Betreuer, Organisator über 38 Jahre hinweg. 1991 erhielt er die Auszeichnung als Beauftragter des Schulsport-Wettbewerbs durchs Kultusministerium. Für seine Berichterstattung über die Leichtathletik wurde Walker 2014 mit dem Medienpreis des Deutschen Leichtathletik-Verbands geehrt.

Diesen Artikel teilen: