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Balingen

„Jeder Einzelne bestimmt das Klima“: Meteorologe Sven Plöger spricht vor Stadthalle in Balingen

15.10.2019

Von Renate Deregowski

„Jeder Einzelne bestimmt das Klima“: Meteorologe Sven Plöger spricht vor Stadthalle in Balingen

© Renate Deregowski

Prall gefüllter Saal: Die Stadthalle platzte im Zuge von Plögers Vortrag aus allen Nähten.

Der Meteorologe Sven Plöger berichtete am Montagabend einem unerwartet großen Stadthallenpublikum von den Folgen des Klimawandels und möglichen Lösungsvorschlägen für die Zukunft.

Zunehmende Trockenheit, vermehrt heiße Tage mit Temperaturen über 30 Grad Celsius, schmelzende Eispanzer: „Es ist fünf nach Zwölf“, mahnte Meteorologe Sven Plöger am Montag im übervollen Saal der Stadthalle. Das Thema des Abends: der Klimawandel.

„Nicht nur die Sparkassen Arena ist zu klein, sondern auch die Stadthalle“, sagte Landrat Günther-Martin Pauli angesichts der Zahl an Interessierten. Er wäre froh, wenn im November genau so viele kämen, wenn die Bevölkerung eingeladen ist, sich an der zukunftsstarken wie klimafreundlichen Gestaltung des Nahverkehrsplans im Kreis zu beteiligen.

Deutschland weit vorn mit China

Zu Plögers Vortrag „Sind wir noch retten?“, zu dem das Klimaschutzmanagement des Zollernalbkreises, die Energieagentur und der Verein Sonnenenergie Zollernalb eingeladen hatten, waren so viele Besucher gekommen, dass die Türen aus Sicherheitsgründen dicht gemacht wurden.

Wer noch eingelassen wurde, fand rasch keinen Sitzplatz mehr im Großen Saal, sondern hörte sich die Ausführungen Plögers im Stehen oder draußen im Foyer an.

Unterhaltsam und informativ

Dabei störte es sie in keiner Weise, dass der aus dem Fernsehen bekannte Meteorologe seine Redezeit überzog: „Zwei Minuten und 19 Sekunden bin ich für die Wettervorhersage gewohnt“, verriet er – in der Stadthalle wurden es mit Fragerunde rund zwei Stunden.

Die füllte er dicht mit Informationen zum Klimawandel, der weltweit als größte Bedrohung angesehen wird, blieb jedoch stets unterhaltsam.

Prognosen sind jetzt spürbar

Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 kann ein Trend beobachtet werden: in den 1990ern gab es einen „Knick“ und das Temperaturmittel geht seither nach oben. Die Auswirkungen werden jetzt auch für die Menschen haptisch: „Jetzt spüren wir, was die Klimaforschung prognostiziert hat.“

Dazu gehört der „Sommer aus dem Nichts 2018“ in Deutschland mit Trockenheit in Thüringen – „die Böden in der Tiefe waren knochentrocken“ – und gemessenen Rekordtemperaturen an mehr als 60 Wetterstationen. Dass es sich beim Klimawandel um eine weltweite Herausforderung handle, zeigte er unter anderem anhand von Satellitenaufnahmen.

Warum das Problem menschengemacht ist

Das Problem ist laut Plöger menschengemacht. Allein 37 Milliarden Tonnen CO2 wurden vergangenes Jahr ausgestoßen – die Deutschen und die Chinesen ganz weit vorn. 2050 soll diese Zahl bei Null liegen. Ein Mittel: der schonendere Umgang mit Ressourcen. „Eigentlich brauchen wir die Ressourcen von 1,5 Erden – wir haben aber nur eine.“

Auch hilfreich seien die Reduzierung der Weltbevölkerung und die Nutzung regenerativer Energien. Aus Plöger Sicht besteht Hoffnung: „Ja, wir sind noch zu retten.“ Allerdings bliebe nur ein kurzer Zeitraum von acht bis 15 Jahren, um dem Klimawandel entschieden zu begegnen.

Interessen trotzdem unter einen Hut bringen

Das müsste auch „auf der großen Bühne“ geschehen, auf politischer Ebene. Jedoch nicht mit „Psychopathen“ wie Trump oder Bolsonaro. Den Knackpunkt sah Plöger darin, unterschiedlichste Interessenlagen unter einen Hut zu bringen.

Irritiert vom Klimapaket der Bundesregierung hoffe Plöger auf „vorbildliche Signale aus den Kommunen“. Diese unteren Ebenen seien es, auf die es ankomme.

Jeder Einzelne bestimmt mit seinem Handeln mit

Die Jugend hätte mit ihren „Fridays for Future“ bereits einen guten Anfang gemacht und ein Umdenken eingeleitet. Letztlich bestimme aber jeder Einzelne mit seinem Handeln, wie sich das Weltklima entwickeln wird.

Er setze auf Vorbildfunktion: „Wenn wir in Deutschland eine Energiewende hinbekommen und es die Chinesen uns nachmachen – denn das können sie gut –, dann haben auch wir die Erde ein Stück weit gerettet.“

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