Region

Inzidenz sinkt weiter: Zollernalbkreis wieder unter 165, Nachbarlandkreise öffnen wieder

20.05.2021

von Sabine Lohr, Peter Ertle, Pressemitteilungen

Inzidenz sinkt weiter: Zollernalbkreis wieder unter 165, Nachbarlandkreise öffnen wieder

© Ulrich Metz

Die Terrasse des Ludwig’s in Tübingen wird ordentlich geputzt. Ab Samstag ist sie geöffnet.

Die Nachbarlandkreise machen sich locker: Freudenstadt schon ab Freitag, Reutlingen, Tübingen und Sigmaringen ab Samstag. Dort gelten fortan weniger strenge Corona-Regeln, teilweise öffnen beispielsweise die Gastronomen wieder. Im Zollernalbkreis wiederum liegt die Inzidenz am Donnerstag zumindest unter dem Grenzwert von 165.

Bundesnotbremse außer Kraft: So titeln gleich mehrere Nachbarlandkreise dieser Tage. Fünf Werktage in Folge lag dort der Inzidenzwert unter 100.

Sowohl in Freudenstadt (ab Freitag), als auch in Reutlingen, Tübingen und Sigmaringen (ab Samstag) gelten deshalb künftig die Maßnahmen des ersten Öffnungsschritts, wie sie das Land im Stufenplan festgelegt hat (hier im Überblick zu sehen).

Welche Lockerungen möglich sind

Das bedeutet: „Es sind Lockerungen insbesondere in den Bereichen Gastronomie, Tourismus und Kultur möglich – jeweils mit der Voraussetzung der Vorlage eines negativen Schnelltests, eines Genesenen- oder Impfnachweises“, schreibt beispielsweise das Landratsamt Reutlingen. „Darüber hinaus ist die bislang von 22 bis 5 Uhr geltende Ausgangssperre für den Landkreis aufgehoben.“

Nicht alle Gastronomen öffnen gleich wieder

Martina Neff geht das alles etwas zu schnell. Die Inhaberin des Ranitzky am Marktplatz in Tübingen wird am Samstag noch keine Gäste bewirten, obwohl sie das dürfte.

„Wir wollen nicht denselben Fehler machen wie am Anfang und zu schnell wieder öffnen“, sagt sie. Dreimal schon mussten sie und andere Tübinger Gastrobetriebe während der Pandemie wieder schließen. Diesmal geht Neff es langsamer an und bewirtet erst von Mittwoch, 2. Juni, an.

Personal muss Geimpfte überprüfen

Das hat unter anderem mit den Auflagen zu tun. So dürfen etwa Geimpfte ohne vorherigen Test in ein Restaurant. Das Personal aber muss genau hinschauen: Wann hat der Gast welchen Impfstoff bekommen und gilt er damit als vollständig geimpft? Auch die Kontakte müssen geprüft werden. Neff schult deshalb ihr Personal noch ausgiebig, bevor sie öffnet.

Das darf sie bis abends um 21 Uhr. Was für das Ranitzky zwar machbar ist, nicht unbedingt aber wirtschaftlich. Kneipen und Speiserestaurants hätten es mit dieser frühen Sperrstunde aber schwer, sagt Neff, die im Dehoga-Kreisverband für Gastronomie zuständig ist. „Für viele Gäste ist das Ende um 21 Uhr zu früh, wenn sie abends Essen gehen wollen.“

Wie eine Neueröffnung

Ein Speiserestaurant führt Ulf Siebert: die Rosenau. Sieben Monate lang war sie geschlossen, jetzt legt Siebert wieder los. „Wir müssen aber die Küche erst wieder von Null auf Hundert hochfahren, das ist wie eine Neueröffnung“, sagt er. Weshalb er erst an Fronleichnam, 3. Juni, wieder öffnet. „Wir haben Reservierungen. Die Leute freuen sich und sind dankbar, dass wir wieder aufmachen. Manche haben einfach keine Lust mehr, ständig selber zu kochen. Und viele verstehen gar nicht, wie man sieben Monate lang ohne Umsätze überleben kann.“

Überbrückungshilfen sichern Überleben

Etliche Gastrobetriebe überlebten nur dank der Überbrückungshilfen. Forellen-Wirt Benjamin Kerstan sagt: „Mit diesen Hilfen ging es gut. Die dritte haben wir noch gar nicht beantragt, das machen wir aber noch.“ Auch Kerstan und sein Mitinhaber Karsten Ittershagen brauchen zum Öffnen noch ein paar Tage Zeit: „So schnell kommen wir ja gar nicht an die Waren, die wir brauchen“, sagt Kerstan. Geöffnet wird die Forelle deshalb erst am Mittwoch, 26. Mai.

Vor dem Ludwig’s in der Karlstraße lag am Mittwochmittag Moos – ein Mitarbeiter säuberte den Terrassenbereich vor dem Lokal. „Alles wird schön“, so Alexander Stagl, Inhaber des Lokals und des Hotels Krone. Er öffnet schon am Samstag wieder. Allerdings steht er schon länger in den Startlöchern, denn das Hotel hatte für Geschäftsreisende geöffnet, und Stagl bot zudem Mittag- und Abendessen zum Mitnehmen an. Erste Buchungen von Touristen habe er auch schon. „Viele fragen und informieren sich“, sagt er.

Kultur unter freiem Himmel ist zurück

Zur Kultur: Das LTT startet mit gleich zwei Premieren open-air auf der neuen Hofbühne. Am Donnerstag, 27. Mai, hat Marius von Mayenburgs absurde Komödie „Perplex“ Premiere, Christoph Roos inszeniert. Am darauffolgenden Sonntag, 30. Mai, Nikolai Gogols „Tagebuch eines Wahnsinnigen“, das Sarah Larisch auf die Bühne bringt. Eine Teststation ist wieder auf dem LTT-Areal installiert.

Was dem LTT seine Hofbühne, ist dem ITZ eine Bühne, die gerade vor der Burse aufgebaut wird. Dort soll ab 3. Juni das erfolgreiche und bislang ständig ausverkaufte Hölderlin/Beethovenstück von Konstantin Dupelius und Justus Wilcken aufgeführt werden. Beantragt ist es, auf die Genehmigung hoffen sie nächste Woche. Indoor soll es am 5. Juni mit einer Solopremiere Thea Rinderlis losgehen.

Da der Zollernalbkreis an der Spitze der Inzidenzwerte Deutschlands stand, gibt es in Melchingen erstmal keinen Spielbetrieb. Geplant ist, ab Mitte Juni eine Open-Air-Bühne zu errichten und „Der eingebildete Kranke“ zu spielen. Vom 1. bis 6. Juni gastiert man damit auch auf der LTT-Hof-Bühne.

Regeln für Handel und Schulen

Darüber hinaus gelten in den Landkreisen, in denen die Bundesnotbremse außer Kraft tritt folgende Regeln beispielsweise: Treffen im öffentlichen oder privaten Raums sind mit zwei Haushalten, maximal fünf Personen erlaubt. Kinder der beiden Haushalte bis einschließlich 13 Jahre sowie genesene und geimpfte Personen werden nicht mitgezählt.

Für den Einzelhandel ist weiterhin Click & Meet erlaubt, jedoch mit begrenzter Kundenanzahl je nach Verkaufsfläche. Auch auf Kitas, Schulen oder den Sportbetrieb hat der Öffnungsschritt weitere Auswirkungen.

Bleibt die Inzidenz ab dem 22. Mai für 14 Tage in Folge stabil unter 100 gibt es in einem zweiten Öffnungsschritt weitere Lockerungen. Steigt die 7-Tage-Inzidenz im wieder an drei Tagen in Folge über den Schwellenwert von 100 an, müssten die Lockerungen zurückgenommen werden und die Regelungen der Bundesnotbremse würden wieder gelten.

Zollernalbkreis unter 165 erstmals

Im Zollernalbkreis lag am Donnerstag die Inzidenz erstmals wieder unter 165. Wird der Wert fünf Werktage in Folge unterschritten, können unter anderem Schulen wieder in den Wechselunterricht zurückkehren.

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