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Zollernalbkreis

IHK-Vizechef Lindner: Wirtschaft schwächelt jetzt auch im Zollernalbkreis

17.09.2019

Von Dagmar Stuhrmann

IHK-Vizechef Lindner: Wirtschaft schwächelt jetzt auch im Zollernalbkreis

© Dagmar Stuhrmann

IHK-Vizepräsident Dr. Thomas Lindner (Bildmitte) bei der Vorstellung der aktuellen Daten für den Zollernalbkreis. Unterstützt wurde er dabei von Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp (rechts) und Mattias Miklautz (links), Leiter der IHK-Geschäftsstelle Zollernalbkreis.

Die aktuelle wirtschaftliche Situation im Zollernalbkreis könnte besser sein. IHK-Vizepräsident Dr. Thomas Lindner berichtet von sinkenden Zahlen im Export. Außerdem plädiert er für eine Politik, die für die Betriebe gemacht werde.

Die konjunkturelle Abschwächung ist im Zollernalbkreis angekommen – so kommentiert IHK-Vizepräsident Dr. Thomas Lindner die aktuelle wirtschaftliche Situation im Landkreis.

Jeder zweite Euro wird im Ausland umgesetzt

Vor allem die Betriebe im Außenhandel verzeichnen Rückgänge. Die Exportquote im Zollernalbkreis liege nach einer zehnjährigen Wachstumsphase mittlerweile bei gut 48 Prozent. Das bedeutet: „Fast jeder zweite Euro im verarbeitenden Gewerbe wird im Ausland umgesetzt.“

Allerdings ist der Export im Kreis im ersten Halbjahr 2019 um 2,2 Prozent auf 1,092 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken. In der gesamten Region Neckar-Alb lag der Rückgang bei 1,5 Prozent.

Automobilzulieferer und Textilindustrie stark betroffen

Die Industrieunternehmen spüren bereits deutlich einen Auftragsrückgang. „Bei uns sind vor allem die Automobilzulieferer sowie die im Zollernalbkreis stark vertretene Textilindustrie betroffen“, so Dr. Lindner, im Ehrenamt zugleich Vorsitzender des IHK-Gremiums für den Zollernalbkreis.

Handelsstreit hat deutliche Auswirkungen

„Der Handelsstreit zwischen den USA und China wirkt sich deutlich aus, wie man am Rückgang der traditionell wichtigen Absatzmärkte im asiatischen Raum sieht.“ Lindner rät daher Unternehmen, neue Ländermärkte in den Blick zu nehmen. Wachstumspotenziale gebe es in afrikanischen Ländern wie zum Beispiel Äthiopien, Nigeria, Ghana, der Elfenbeinküste oder Kenia.

Scout für Entwicklungszusammenarbeit

Vor diesem Hintergrund hat die IHK bei sich einen vom Bund geförderten Scout für Entwicklungszusammenarbeit angesiedelt und einen Beratungspool für die Länder der Subsahara aufgebaut. Im Herbst soll ein Projekt in Äthiopien gestartet werden. Die IHK werde mit einem Mann vor Ort sein, um Unternehmen zu unterstützen und zu beraten.

Neues Institut für wachsende Märkte

Die IHK Reutlingen habe außerdem ein Institute for Emerging Markets (Institut für wachsende Märkte) gegründet. Mit diesem Institut sollen Beratungsleistungen ausgebaut und zusätzlich Projekte zur Markterschließung im Ausland angegangen werden.

Politik hat Hausaufgaben nicht erledigt

Die Politik habe die vergangenen guten Jahre nicht genutzt, ihre Hausaufgaben bei Digitalisierung, Infrastrukturausbau oder Bildung zu machen. Vom Staat erwarte er veränderte Rahmenbedingungen, sagt Dr. Lindner, dank derer beispielsweise bei der Digitalisierung eine Beschleunigung erreicht werden könne. Viele Industrieanwendungen seien auf 5G angewiesen.

Politik für Betriebe machen

Angesichts der konjunkturellen Abschwächung müsse Politik für Betriebe gemacht werden: „Die Rolle von Unternehmern darf in der öffentlichen Diskussion nicht ausgeblendet werden.“ Unternehmer seien „kreative Wegefinder“, so Lindner. Es seien die Firmenchefs, die ins persönliche Risiko gehen und in Digitalisierung, Forschung und Entwicklung investieren und eben nicht wissen, ob sich am Ende ein Return on Invest erzielen lasse.

Ein Umdenken sei notwendig. Statt im Zusammenhang mit Vermögenssteuer und Soli über Mehrbelastungen für Firmen zu diskutieren, müsse man sich im Klaren sein, dass stabile Unternehmen die Grundlage für eine gesunde Wirtschaft seien. „Unternehmen, die keine vernünftige Eigenkapitalausstattung haben, sind deutlich anfälliger für Krisen.“

Weniger Bürokratie gefordert

Dr. Lindner erneuerte die Forderung der IHK, Bürokratie abzubauen, indem für jede neue Verordnung eine alte gestrichen werden sollte. Was den Fachkräftemangel angeht, bleibt die IHK bei ihrer Forderung nach einem vernünftigen Einwanderungsgesetz. Laut Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp steht zum Jahresbeginn 2020 ein wichtiger Schritt an: „Wir bekommen ein Zuwanderungsgesetz“, sagt er, „das einige Änderungen und Erleichterungen enthält und die Einwanderung von Fachkräften erheblich erleichtern wird.“

Regional stärker an einem Strang ziehen

Mit Blick auf die Verkehrsprobleme des Kreises mahnt der IHK-Vizechef an, regional stärker an einem Strang zu ziehen und geschlossen aufzutreten. Seiner Meinung nach sollte im Falle B463 keine Gruppierung auf „hypothetische Ideallösungen“ bestehen. Er befürchtet, dass die Region vor allem beim Straßenbau weiter Zeit verliert, wenn einzelne Projekte durch Streitigkeiten verzögert werden. Sein Appell: „Kämpft um einen Kompromiss.“ Demokratie lebe von Kompromissen. Und: „Wenn man einen Konsens gefunden hat, sollte man auch dazu stehen.“

Zusammenhalten für Verkehrsprojekte

„Die Planungskapazitäten auf Bundes- und Landesebene sind nun einmal begrenzt. Wenn es bei uns Klagen gibt, kommen andere Maßnahmen schneller zum Zug und wir haben das Nachsehen.“

Verbesserungen erhofft er sich durch den Bau der sogenannten „Großen Wendlinger Kurve“. Die kreuzungsfreie Anbindung der Neckartalbahn in Richtung Tübingen wird voraussichtlich eine bessere Taktung der Züge in Richtung Zollernalbkreis ermöglichen.

Bahnstrecken müssen schnellstmöglich elektrifiziert werden

Auch vor diesem Hintergrund ist es für Lindner ein wichtiges Zeichen, dass der Regionalverband angekündigt hat, den Regionalplan so zu ergänzen, dass eingleisige Strecken, etwa im Bereich der Zollernalbbahn, ausgebaut werden können. „Die Bahnstrecken im Zollernalbkreis müssen insgesamt möglichst schnell elektrifiziert werden. Wir setzen auf die Regionalstadtbahn und die Zusage der Projektpartner, dass das Modul zwei bald angegangen wird.“ Es gelte jedoch, wachsam zu sein: „Wir müssen höllisch aufpassen, dass bei den Planungen unsere Interessen nicht unter die Räder kommen.“

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