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Bisingen

Hochwasserschutz: Bisingen will gewappnet sein, wenn der Himmel seine Schleusen zu weit öffnet

28.01.2020

von Stephanie Apelt

Hochwasserschutz: Bisingen will gewappnet sein, wenn der Himmel seine Schleusen zu weit öffnet

© Stephanie Apelt

Ein Bild aus dem Jahr 2010: Zwischen Zimmern und Bisingen schaffte es ein Autofahrer nicht mehr aus den Wassermassen.

Wo könnten Starkregen und übertretende Flüsse zum echten Problem werden? Eine Gefahrenanalyse kann im Falle eines Falles hilfreich sein; sie kostet aber auch viel Geld.

Da kann es in Bisingen so richtig vom Himmel schütten, und in Albstadt fällt kein einziger Regentropfen (oder anders herum). Die Gemeinde Bisingen hat es ja schon ein paar Mal böse erwischt, zuletzt in den Jahren 2010, 2011 und 2013.Wie kann Bisingen sich wappnen? Aber auch: Was kann jeder Einzelne tun, um sein Hab und Gut bestmöglich zu schützen? „Denn es gibt“, wie die Fachleute des Ingenieurbüros Wald und Corbe in der Gemeinderatssitzung klar machten, „keinen rechtlichen Anspruch auf Hochwasserschutz“.

Zwei Arten von Hochwasser

Dann wurde tief in die komplizierte Materie der Messungen, Berechnungen und Wahrscheinlichkeiten eingestiegen. Prinzipiell werden heute zwei Arten von Hochwasser unterschieden: durch Starkregen und durch Flusshochwasser (beides zugleich kann einen Ort natürlich auch treffen).

Regenzellen sind unberechenbar

Starkniederschläge treten in der Regel sehr schnell und plötzlich ein. Selbst die Meteorologen können nicht genau vorhersagen, wo genau sich die Regenzelle entleert. Wenn es gießt, dann meist kurz, aber heftig. Die Überflutungen können so gut wie überall auftreten. Das Wasser arbeitet sich auf die Flussläufe zu. Bei Bisingen, am Albtrauf gelegen, wird so das Wasser, das den Hang hinab „stürzt“, zur Gefahr. Das gilt insbesondere für Thanheim (Ebersberg/Baugebiet Salenwiesen), Zimmern (Zollerberg/Große Halde) und Wessingen (Bismarckhöhe/ Fellboch).

Pegelanstiege sind kalkulierbarer

Etwas anders sieht es bei Flüssen und Bächen aus. Hier steigen die Pegel in der Regel nach langanhaltenden Regenfällen (können das aber auch nach plötzlich auftretendem Starkregen tun). Es ist im Grunde das klassische Hochwasser: Es regnet, der Bach läuft voll, das Wasser tritt über die Ufer.

Es gibt keine absolute Sicherheit

Was hilft, Hochwasser egal welcher Art zu verhindern? Starkregen und Flusshochwasser richten inzwischen gleich viel Schäden an. „Die 100-prozentige Sicherheit“, so Bisingens Bürgermeister Roman Waizenegger, „gibt es nicht.“ Natürlich wäre technisch viel möglich, erklärten die Fachleute von Wald und Corbe. Hier müsse auf die Kosten-Nutzen- Rechnung geschaut werden. Und: Nicht alles, was machbar ist, ist auch gewünscht. Wer möchte schon eine meterhohe Mauer mitten durch den Ort?Was also geht, was ist sinnvoll?

Verschiedene Fragestellungen

Die Gemeinde Bisingen will genau das nun eingehend untersuchen lassen. Der Gemeinderat erteilte am Dienstag dem Büro Wald und Corbe – einstimmig – ein Paket von fünf Aufträgen, drei Mal geht es um Flussgebietsuntersuchung, zwei Mal um Starkregenkonzeption.

Wie sieht es für das Einzugsgebiet des Weidenbachs im Bereich Wessingen und Zimmern aus? Wie im Einzugsgebiet des Grenzbachs (bei Trockenheit nichts weiter als ein Graben) im Bereich Thanheim? Was passiert bei Starkregen in Thanheim? Wie sieht es bei Starkregen in Wessingen und Zimmern aus?

Kosten rund 240.000 Euro

Im nächsten Jahr wird geschaut, wo es bei Starkregen in Bisingen und Steinhofen gefährlich werden könnte. Die Gesamtkosten liegen bei rund 240 00 Euro. Bislang wird davon ausgegangen, dass die Kosten zu 70 Prozent vom Land übernommen werden. Bleiben also für die Gemeinde rund 72.000 Euro.

Maßnahmen schlagen extra zu Buche

Wohlgemerkt, hier geht es nur um die Gefahrenanalyse und Vorschläge, wie Hochwasser einzudämmen ist. Was dann an Maßnahmen realisiert wird, ist eine Frage des politischen Willens und der Kosten. „Am besten ist es“, so die Mitarbeiter von Wald und Corbe, „wenn das Wasser erst gar nicht in den Ort hinein kommt, aber selbst dann, lässt sich doch noch einiges an den Gebäuden tun.“

Nichts tun geht nicht

Gemeinderat Klaus Ertl (Freie Wähler) sprach den Kollegen aller Fraktionen am Bisinger Ratstisch wohl aus dem Herzen, wenn er fand: „Wir können es vor den Bürgern nicht vertreten, einfach nichts zu tun.“ Mit den Ergebnissen ist in ein bis zwei Jahren zu rechnen.

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