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Hechingen

Hechingen plant eine Tiefgarage unter der Fürstenwiese und einen Anbau ans Parkhaus Stadtmitte

20.06.2019

von Hardy Kromer

Hechingen plant eine Tiefgarage unter der Fürstenwiese und einen Anbau ans Parkhaus Stadtmitte

© Hardy Kromer

Hinter dem Stadtbauamt (rechtes Gebäude) soll das Parkhaus Stadtmitte an der Neustraße einen Anbau erhalten. So ließen sich 60 zusätzliche Stellplätze schaffen.

Die Stadtverwaltung hat ihre Pläne für neue Parkplätze in der Oberstadt öffentlich gemacht. Kurios: Für eine Tiefgarage müsste der neue Spielplatz beim „Museum“ abgeräumt und wieder aufgebaut werden.

Jetzt ist raus, wie die Stadt die drohende Parkplatznot in der Hechinger Oberstadt beheben will: vorneweg mit einer Tiefgarage beim „Museum“ unter der Fürstenwiese und einer Erweiterung des Parkhauses an der Neustraße.

Investitionen von 3,4 Millionen

134 neue Stellplätze für rund 3,4 Millionen Euro Investitionssumme: Das kommt unterm Strich raus, wenn der Hechinger Gemeinderat am Donnerstag nächster Woche dem Vorschlag der Stadtverwaltung folgt. Die hat am Tag vor Fronleichnam ihren lange erwarteten Plan für die Schaffung weiterer öffentlicher Stellplätze in der Oberstadt vorgelegt. Insbesondere geht es darum, den dringend benötigten Ersatz für die auf dem neuen, weitgehend autofreien Obertorplatz wegfallenden Parkflächen zu liefern. Bürgermeister Philipp Hahn zeigte sich stolz, dass sein Stadtbauamt mit Hilfe externer Planungsbüros das Konzept vielen Aufgeregtheiten zum Trotze „professionell, ruhig und gelassen erarbeitet“ habe.

Gleich mehrere Projekte

Dem Gemeinderat zur Entscheidung vorgeschlagen wird ein ganzes Paket von Projekten:

Direkt bei der Stadthalle „Museum“, unter der Fürstenwiese, soll eine Tiefgarage mit 49 Stellplätzen gebaut werden. Die bislang dort vorhandenen 20 oberirdischen Stellplätze sollen auf dem Dach der Tiefgarage wiederhergestellt werden. Geschätzte Gesamtkosten: 2,24 Millionen Euro. Das Kuriosum dabei: Der nagelneue Spielplatz auf der Fürstenwiese müsste abgeräumt und anschließend wieder hergestellt werden. Und der Unsicherheitsfaktor: Weil der Fürstengarten als Gesamtensemble tangiert ist, braucht es die Zustimmung der Denkmalschutzbehörde.

Geburtsfehler der Stadthalle beseitigen

Für Bürgermeister Hahn hat das Parkdeck am Tor zum Fürstengarten den Charme, „dass damit gleichzeitig ein Geburtsfehler unserer Stadthalle beseitigt würde“: das Fehlen von ausreichend Parkplätzen in unmittelbarer Nähe des Veranstaltungsortes. Die älteren Hechinger erinnern sich: Schon in den 1990er-Jahren war eine Tiefgarage unter der Fürstenwiese geplant gewesen.

Hechingen plant eine Tiefgarage unter der Fürstenwiese und einen Anbau ans Parkhaus Stadtmitte

© Hardy Kromer

Erst anderthalb Jahre alt ist der Spielplatz auf der Fürstenwiese. Für die Tiefgarage darunter, die die Stadt jetzt vorschlägt, müsste er abgeräumt und später wieder aufgebaut werden.

Nach heftigen Protesten aus der Bürgerschaft hatten die Stadtväter aber von dem Vorhaben Abstand genommen. 2016, als die Obertorplatz-Tiefgarage im juristischen Sperrfeuer zu wackeln begann, hatte der damalige CDU-Fraktionschef Andreas Ermantraut die Fürstenwiese als „Plan B“ wieder ins Gespräch gebracht. Im Zuge der Beerdigung der Großgarage unterm Obertorplatz im Herbst 2018 waren es die Freien Wähler, die eine Parkierungsanlage beim „Museum“ neu geprüft sehen wollten.

Orangerie-Abriss ist verworfen

Ausdrücklich verworfen hat die Stadtverwaltung jetzt die (vergleichsweise billige) Variante, die Orangerie abreißen zu lassen und an ihrer Stelle zwei Dutzend oberirdische Stellplätze anzulegen. Im Rathaus geht man davon aus, dass die Denkmalschützer einem Abriss des historischen Gebäudes aus dem Jahr 1837 ohnehin nicht zustimmen würden. 60 neue Stellplätze will die Stadtverwaltung durch eine Erweiterung des Parkhauses Stadtmitte schaffen. Der Anbau soll hinter dem Gebäude des Stadtbauamtes entstehen.

Fußgängersteg über die Neustraße

Eine praktische Anbindung an den Obertorplatz soll mit dem vielfach diskutierten Fußgängersteg über die Neustraße geschaffen werden. Das denkmalgeschützte alte Feuerwehrhaus, das im Besitz der Stadt ist, würde dabei als Brückenpfeiler dienen. Kostenpunkt: 800 000 Euro. Im selben Zuge soll das Parkhaus mit seinen Auf- und Abfahrtsrampen so umgebaut werden, dass es benutzerfreundlicher, sprich weniger eng wird. Dafür fallen weitere 367 000 Euro an.

Bauamt-Abriss wird geprüft

Geprüft wurde auch – wie von den Freien Wählern beantragt – eine noch größere Erweiterung des Parkhauses durch Abbruch des angrenzenden Bauamts. Insgesamt ließen sich so an dieser Stelle 290 neue Stellplätze schaffen. Die Baukosten für diese Erweiterungsvariante würden sich jedoch auf 2,9 Millionen Euro belaufen – und dabei wären die Abrisskosten und die Kosten für den Kauf der benachbarten Grundstücke noch gar nicht eingeschlossen. Deshalb wird diese ganz große Lösung von der Stadtverwaltung auch nicht empfohlen. Die Summen, die für die „Museum“-Tiefgarage und die Parkhaus-Erweiterung erforderlich werden, sollen über den Haushalt 2020 finanziert werden.

Unwirtschaftlich + unverträglich

Weitere 25 neue Stellplätze will die Stadt noch in diesem Jahr auf die Schnelle schaffen, 19 davon als Längsparkstreifen entlang der Neustraße (an der Hangseite zur Frauengartenstraße hin) und sechs entlang der Fürstin-Eugenie-Straße (gegenüber vom alten Vermessungsamt). Dafür sind insgesamt rund 30 000 Euro veranschlagt.

Hechingen plant eine Tiefgarage unter der Fürstenwiese und einen Anbau ans Parkhaus Stadtmitte

© Stadtverwaltung

Ein Fußgängersteg vom Parkhaus Stadtmitte (links) über die Neustraße zum alten Feuerwehrhaus (rechts) ist schon lange in der Diskussion. Jetzt soll er tatsächlich kommen.

Als unwirtschaftlich und städtebaulich unverträglich verworfen hat das Rathaus nach eingehender Prüfung eine Erweiterung des Parkdecks Münzgasse. Und auch die Schaffung von Längsparkstreifen entlang der Zollernstraße zwischen „Museum“ und Eingang zur Villa Eugenia soll nicht weiter verfolgt werden. Bestandteil des Gesamtkonzeptes bleiben dagegen die Optionen, bei Bauvorhaben privater Investoren öffentliche Stellplätze zu schaffen. Fest geht man im Rathaus davon aus, dass bei einer Bebauung des heutigen Firstparkplatzes durch die Stuttgarter BPD Immobilienentwicklung um die 75 öffentliche Stellplätze in einer Tiefgarage zu haben wären.

Anfragen der Stadt nicht beantwortet

Fraglicher denn je scheint hingegen, was auf dem ehemaligen HZ-Gelände am Obertorplatz, das die EJL Stadtentwicklung GmbH gekauft hat, geschehen wird. Die Stadtverwaltung hat nach eigener Darstellung „mehrfach“, zuletzt im laufenden Monat „Anfragen bezüglich der Anzahl von möglichen öffentlichen Stellplätzen, den voraussichtlichen Ankaufskosten oder Miete pro Stellplatz sowie deren Realisierungszeitraum“ an die EJL gerichtet. Diese Anfragen seien jedoch nicht beantwortet worden. Wie berichtet, hat die EJL kürzlich damit begonnen, die Leerstände im Haus Obertorplatz 19 neu zu vermieten – was einen Abriss und Neubau des Gebäudekomplexes nicht vor 2022 erwarten lässt.

Gemeinderat berät nächsten Donnerstag

Die Entscheidung über das Stellplatz- Konzept soll der Gemeinderat in seiner öffentlichen Sitzung am Donnerstag, 27. Juni, ab 18.30 Uhr treffen.

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