Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Hanball

HBW Balingen-Weilstetten: Handball-Bundesliga plant mehrere Szenarien

18.06.2020

Von Marcus Arndt

HBW Balingen-Weilstetten: Handball-Bundesliga plant mehrere Szenarien

© Moschkon

Volle Ränge in der SparkassenArena? Davon gehen die Verantwortlichen des HBW Balingen-Weilstetten zum Start in die neue Runde nicht aus. Das hat auch Auswirkungen auf das Budget.

Die Branche bangt um ihre Existenz – und natürlich auch um ihre mediale Präsenz, nachdem das Spielgerät seit Monaten ruht. Die Protagonisten auf und neben der Platte sind sich einig: „Wir müssen wieder stattfinden.“

Nur wie? Zuschauer in ausverkauften Hallen sind in der ersten Saisonphase nur schwer vorstellbar – Geisterspiele für das Gros der Klubs aber nur schwer zu realisieren. „Wirtschaftlich und vom Sporterlebnis her ist es nicht sinnvoll“, erklärt Wolfgang Strobel. Unumwunden räumt der Manager des Balinger Bundesligisten aber ein: „Aber es ist im Zweifelsfall notwendig, auch ohne Fans zu beginnen, damit wir in der Öffentlichkeit stehen.“

Anfang oder Mitte September

Wichtiger für den 36-Jährigen, „dass wir jetzt einen Startzeitpunkt finden, der nicht zu früh und nicht zu spät ist.“ Anfang oder Mitte September möchten die Verantwortlichen beginnen – auch Anfang Oktober mit einem straffen Spielplan steht zur Diskussion. „Wir hoffen, dass wir irgendwann im Herbst anfangen können“, sagt Martin Schwalb im NDR. Der Trainer der Rhein-Neckar Löwen betont: „Wir brauchen dringend unsere Zuschauer und Sponsoren in den Hallen.“

HBW kalkuliert mit weniger Zuschauereinnahmen

Das ist in Mannheim nicht anders als im beschaulichen Balingen. Die Schwaben kalkulieren aufgrund der Corona-Krise vorerst weniger Zuschauereinnahmen ein, setzen auf ihr treues Stammpublikum. „Wir haben ein automatisches Abonnement für Dauerkarteninhaber, welches sich zum 31. Mai verlängert“, verrät Strobel, „das war auch in diesem Jahr nicht anders als früher. Wir haben die Besitzer allerdings darüber informiert, dass zum 1. Juli nur ein Teilbetrag fällig wird – und dann schauen wir im Rundenverlauf, wie viele Spiele wir tatsächlich abbuchen werden.“

Mit spitzem Bleistift

Damit hat der HBW zumindest ein wenig Planungssicherheit, wenngleich die „Gallier“ deutlich weniger Spielraum haben als im Aufstiegsjahr. Um die drei Millionen Euro standen dem letztjährigen Zweitliga-Meister zur Verfügung – für die Saison 2020/21 kalkuliert der Kreisstadt-Klub mit spitzem Bleistift. „Ich rechne mit einer Reduzierung um 20 Prozent, das ist das Fixum, was unter den Gegebenheiten zu erwarten ist“, prognostiziert Strobel, „es hängt sehr stark davon ab, wie lange wir keine oder nur eingeschränkte Zuschauerzahlen haben. Diese Einbußen kämen dann nämlich noch hinzu.“

Kieler verzichten auf Teile des Gehalts

Eine komplette Runde ohne Fans wäre für keine Mannschaft machbar. „Wir können sicherlich nicht eine ganze Saison als Geisterspiele durchführen“, sagt Viktor Szilagyi, Geschäftsführer von Rekordmeister THW Kiel der Deutschen Presse-Agentur (kurz: dpa). „Ich glaube, das ist für keinen einzigen Bundesligisten realisierbar.“ Auch der Branchenführer aus Schleswig-Holstein reagiert auf die Krise. Auf jeden Fall müssen sich die Spieler auf Gehaltsverzicht einstellen. Diskutiert werde nicht das Ob, sondern nur noch, wie hoch der Verzicht ausfallen müsse, so Szilagyi weiter.

Hanning schlägt kleinere Hallen vor

Um die Kosten zu reduzieren, kommt von Bob Hanning, Manager der Füchse Berlin, der Vorschlag, bei Geisterspielen auf große Hallen und hohe Mieten zu verzichten und stattdessen in kleinere Hallen umzuziehen. Dem widerspricht Szilagyi: „Die Handball-Bundesliga ist nicht nur Hochleistungssport, sondern ein Premiumprodukt weltweit. Und genauso müssen wir das darstellen. Deshalb ist das für mich keine Option.“ Schon eher denkbar seien ein späterer Saisonstart und Doppelspieltage. Coach Maik Machulla von Vizemeister SG Flensburg-Handewitt schlägt sogar vor, „in sehr komprimierter Form mehrere Begegnungen in der Woche an einem Ort“ auszutragen.

„Treue und Verbundenheit“

Der Balinger Handball-Bundesligist plant mit einem geringeren Budget für die kommende Runde im Oberhaus. „Es ist natürlich für alle eine schwierige Zeit – mit großen Unterschieden, wer in welchem Umfang betroffen ist“, erklärt Wolfgang Strobel. Grundsätzlich sei eine hohe Treue und Verbundenheit da, hat der HBW-Geschäftsführer beobachtet, „aber es gibt natürlich jetzt einfach Sponsoren, die sich das nicht mehr in dem Umfang wie zuvor leisten können.“

Dafür hat der langjährige Kapitän der „Gallier“ natürlich Verständnis. Dieser plant mit einem Saisonstart Ende September, „mit eingeschränkten Zuschauerkapazitäten“. Frisch Auf-Trainer Hartmut Mayerhoffer präferiert dagegen eher einen späteren Auftakt: „Der Oktober wäre für uns in vielerlei Hinsicht besser, insbesondere für den Trainings- und Formaufbau nach der langen Pause. Für das Modell September muss das spätestens jetzt entschieden werden, weil wir dann sofort Anfang Juli starten müssten und das wäre eigentlich schon zu knapp.“

Diesen Artikel teilen: