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Balingen

Graffiti-Legenden in der Frommerner Schwelhalle – keine gewöhnliche Kunstausstellung

03.06.2019

Von Benno Haile

Graffiti-Legenden in der Frommerner Schwelhalle – keine gewöhnliche Kunstausstellung

© Benno Schlagenhauf

Von links: Kurator Roman Passarge, Veranstalter Frank Türke und Künstler Markus Müller alias WON ABC.

Am Freitag wird die Ausstellung „Revolte! Creative Urban Art“ eröffnet. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen WON ABC und Cowboy 69, die Vorreiter der deutschen Graffiti-Szene.

„Das wird etwas anderes als eine gewöhnliche Kunstausstellung“, stellt Veranstalter Frank Türke schon zu Beginn klar. Und das sieht man schon an der Location: Nicht etwa in der Stadthalle, wie bei den Balinger Kunstausstellungen üblich, sondern in der Frommerner Schwelhalle, einem alten Industriegebäude, findet sie statt.

Fotostrecke
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Kurator Roman Passarge mit einem der ausgestellten Werke.

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Dieses Werk ist keine Rekonstruktion, sondern ein Original: WON ABC hat diesen Zug nicht besprüht, sondern lediglich ein Foto des Zugs.

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Markus Müller, alias WON ABC mit einem Werk von Rupprecht Matthies.

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Roman Passarge zeigt eine Gemeinschaftsarbeit von WON ABC, Cowboy 69 und Mosart.

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Selbst für Markus Müller sind noch einige Werke völlig neu. Hier betrachtet er ein Bild seines Künstlerkollegen Cowboy 69, das dieser im Gefängnis gemalt hat.

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Auch Kuriositäten beinhaltet die Ausstellung: Hier enthüllen Roman Passarge und Markus Müller einen Grabstein mit dem Tag von WON ABC.

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München, Berlin, Athen, Paris ... Bei der Ausstellung werden Graffiti verschiedener Großstädte vorgestellt. Interessierte Städtereisende können sich gleich einen Flyer mit den Fundorten der Werke mitnehmen.

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So sieht Markus Müllers Skizze für die Fassade der Schwelhalle aus.

© Benno Schlagenhauf

Industriecharme trifft auf Kunst von der Straße

„Die Stadthalle wäre dafür zu steril“, sagt Türke und auch WON ABC, der bürgerlich Markus Müller heißt, meint: „Es sieht hier aus wie in einer endzeitlichen Kathedrale, das passt perfekt zu den Bildern.“

WON ABC und sein Münchner Kollege Cowboy 69 stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Den Rahmen dafür bildet die Lebensgeschichte der beiden Künstler, die sich seit Teenagertagen kennen und die sich doch komplett konträr entwickelt hat. Einer ist heute gefragter legaler Sprayer, der andere sitzt aktuell im Gefängnis.

Müller hat die Ausstellungslocation, in der aktuell letzte Aufbauarbeiten vor der Vernissage laufen, am Montag erstmals gesehen. „Ich war begeistert, wie vielschichtig das Thema aufbereitet wird“, sagt der Künstler.

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„Es wäre ja schade, wenn es in der Kunststadt Balingen in diesem Jahr keine Kunstausstellung gäbe.“ – Frank Türke

„Wenn es gut gemacht ist, ist ein Graffiti ein Geschenk an die Gesellschaft, denn der Sprayer möchte damit ja seine Umgebung schöner machen.“ – Markus Müller alias WON ABC

„Eine weiße Wand ist für einen Künstler nur schwer zu betrachten.“ Markus Müller alias WON ABC

„Am Museum stört mich die Stille. Wer sagt denn, dass man Kunst ruhig auf sich wirken lassen muss? Man darf doch auch mal dabei lachen.“ Markus Müller alias WON ABC

„Für ein illegales Graffiti hat man in jeder Stadt ein anderes Zeitfenster. In Berlin hat man nur drei Minuten, dann ist die Polizei da. In Paris sind es neun.“ Markus Müller alias WON ABC

„Wir haben viele Bilder zusammen gesprüht. Es war wie eine Symbiose oder ein Dialog. Einer hat ein Bild angefangen, der andere hat es dann ergänzt und dann hat man wiederum darauf geantworter.“ Markus Müller alias WON ABC über seinen Künstlerkollegen Cowboy 69

„In München ist mittlerweile jeder Quadratzentimeter verplant. Da kann man leider nichts Neues mehr sprühen.“ Markus Müller alias WON ABC

„Wenn man die Ausstellung mit ähnlichen Ausstellungen in Großstädten vergleicht, dann können wir uns mit ihnen messen. Mindestens.“ – Roman Passarge

Ausstellung ist in drei Teile untergliedert

In der Schwelhalle bekommen die Besucher richtig etwas geboten: In großen Glaskuben im Eingangsbereich wird die Biografie der beiden Hauptkünstler erläutert, ebenso wird dort die Geschichte von Graffiti nachgezeichnet.

Im mittleren Teil der Halle werden Original-Werke auf Leinwand verschiedener Künstler ausgestellt: „Die hat zuvor noch niemand gesehen“, erklärt Kurator Roman Passarge. Unter anderem sind dort Werke von Cowboy 69, die im Gefängnis entstanden sind, zu sehen.“

Der dritte Teil der Ausstellung widmet sich der Entwicklung von Graffiti und Street Art und zeigt internationale Beispiele: Paris, Athen, München, Berlin, Hamburg – jede Stadt und deren Graffiti haben ihren eigenen Charakter. Auch Werke aus Balingen sind zu sehen.

„Graffiti ist eine der größten globalen Kunstbewegungen und verbindet die Menschen weltweit“, kommentiert Müller.

Kunst ohne Gebrauchsanleitung

Erklärt werden bei der Ausstellung jedoch nur die Hintergründe zum Thema Graffiti, nicht die Werke selbst: „Ich finde es nicht gut, wenn man für Kunst eine Gebrauchsanleitung bracht“, sagt Müller: „Entweder das Bild macht etwas mit einem, oder eben nicht.“

Allgemein soll es etwas lockerer zugehen, als bei einer gewöhnlichen Ausstellung: „Im Museum stößt mich diese Stille ab. Wer sagt denn, dass man Kunst ruhig auf sich wirken lassen muss? Man darf doch auch mal dabei lachen“, sagt Müller. Er wolle kein Museum, sondern viel lieber ein Amuseum (englisch: amuse = amüsieren) machen.

Amuseum statt Museum

Dieses „Amuseum“ soll die Zeit der Ausstellung überdauern. Denn an der Frontseite der Schwelhalle wird Müller ein großes Bild eines Drachen anfertigen.

In seinem Skizzenbuch hat Müller sogar schon die gesamte Fassade verplant. „Eine weiße Wand ist für einen Künstler nur schwer zu betrachten“, erklärt er. Es wäre also möglich, dass der Drache noch Gesellschaft bekommt.

Zudem sollen sich mehrere Künstler auf einer sogenannten „Hall of Fame“, einer frei zur Verfügung gestellten Wand, verewigen dürfen.

Vision der Veranstalter soll die Ausstellung überdauern

Und auch in den Köpfen soll etwas von der Ausstellung zurückbleiben: „Ich fände es schön, wenn wir mit der Ausstellung den Mut und die Offenheit zur Kreativität in den Menschen wecken könnten“, sagt Roman Passarge.

Und Frank Türke ergänzt: „Vielleicht geht ein Kind in die Ausstellung und bekommt dadurch den Ansporn, seine Kreativität auszuleben und verändert deswegen in zehn Jahren die Welt.“

Infos zur Ausstellung

Vernissage Eröffnet wird die Ausstellung am Freitagnachmittag mit geladenen Gästen, ab Samstag ist sie dann für die Allgemeinheit geöffnet.

Öffnungszeiten Von 8. Juni bis 8. September ist die Ausstellung täglich von 10 bis 22 Uhr geöffnet.

Rahmenprogramm Während der dreimonatigen Ausstellungszeit wird es immer wieder Veranstaltungen geben Es sind Workshops, Diskussionsrunden udn Filmvorführungen geplant.

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