Balingen

Gottesdienst gegen Rassismus in der Balinger Stadtkirche: „Rassismus mit Lächeln begegnen“

21.09.2020

Von Silke Thiercy

Gottesdienst gegen Rassismus in der Balinger Stadtkirche: „Rassismus mit Lächeln begegnen“

© Thiercy

Bewegende Worte und ergreifende Geschichten: beim Abendgottesdienst gegen Rassismus berichtete Aicha Soro von ihrem Alltag und ihren Visionen einer Zukunft des Mit- und Füreinanders.

„Der Rassist ist das Opfer im Gefängnis seines Herzens.“ Das sagte Solange Fischer-Benadinho beim Abendgottesdienst am Sonntag in der Balinger Stadtkirche. Sie war neben Hardy Glaser und Aicha Soro eine von dreien, die ans Mikrofon traten, um ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus mit der Gemeinde zu teilen.

Diese Geschichten und Gedanken sollten Mut machen und Hoffnung auf ein Miteinander, für die Zukunft und einen guten Alltag, so Pfarrerin Birgit Wurster. „Wir sind alle Menschen.“ Im stillen Gebet schufen die Gläubigen zu Beginn des Gottesdienstes „Gemeinschaft und ein tragfähiges, unsichtbares Netz.“

Begrüßt wurden die Teilnehmer in der im Rahmen des Abstandsgebotes sehr gut gefüllten Kirche von Christine Thumm. Sie alle waren gekommen, um gemäß dem Motto des Abends – „Miteinander und Füreinander“ – ein Zeichen zu setzen für ein positives Zukunftsbild jenseits von Vorurteilen, Beleidigungen und Ausgrenzung. Eingeladen zum Gottesdienst hatte die evangelische Stadtkirchengemeinde in Kooperation mit dem evangelischen Bildungswerk Balingen-Sulz, dem evangelischen Jugendwerk Balingen und dem evangelischen Schuldekanat Balingen-Tuttlingen.

Gedanken zu Papier bringen

Gelesen wurde Psalm acht, der Mensch als die Krone der Schöpfung. Das, so Pfarrerin Wurster, ermutige immer wieder, denn Gott habe den Menschen nur ein wenig geringer als die Engel erschaffen. „Wir kommen aus verschiedenen Ländern, wir sehen anders aus und sind doch alle Gottes Kinder.“

Aicha Soro hatte die Kurzgeschichte „Die Fremde in meinem Zimmer“ aus der eigenen Feder mitgebracht. Darin erzählt sie aus der Sicht einer alten Frau gegenüber ihrer Pflegerin und spielt gekonnt mit deren haarsträubenden Vorurteilen.

Gottesdienst gegen Rassismus in der Balinger Stadtkirche: „Rassismus mit Lächeln begegnen“

© Thiercy

Bewegende Worte und ergreifende Geschichten: beim Abendgottesdienst gegen Rassismus berichtete Solange Fischer-Benadinho von ihrem Alltag und ihren Visionen einer Zukunft des Mit- und Füreinanders.

Hardy Glaser berichtete von seiner Nachbarin, Tochter eines farbigen US-Amerikaners und einer Schwarzwälderin. Er erzählte über Alltagsrassismus und unbedachte Worte. „Aber wenn wir uns am Gartenzaun treffen, dann quatschen wir lieber über das Wetter.“

„Ich bin ein Mensch“

„Ich bin kein Opfer.“ Sichtlich berührt trat Solange Fischer-Benadinho ans Mikrofon. Sie rief dazu auf, Rassismus mit einem Lächeln zu begegnen. Sie träumt von einer Welt, in der Kultur mit Respekt gesehen werde. „Ich erschaffe diese Welt.“ Und weiter sagte sie: „Ich bin Christin. Ich bin schwarz. Ich bin ein Mensch und keineswegs bin ich dein Opfer.“

Für all diese Worte gab es Applaus. Die Fürbitten wurden gelesen von Daniela Brändle, Anaelle Koschnike und Annalena Lunz. Musikalische Unterstützung gab es von Bezirkskantor Wolfgang Ehni an der Orgel und der Sopranistin Juandalynn R. Abernathy.

Weitere Veranstaltungen

Zum Ende wurden die Teilnehmer gebeten, auf blauen und gelben Puzzleteilen ihre Gedanken niederzuschreiben. Die Pappkarten wurden anschließend nebeneinander angepinnt. „Was gelingt? Dafür sind wir dankbar“ sowie „Was steht noch aus? Dafür brauchen wir Kraft“ waren die Denkanstöße.

Weitere Veranstaltungen zum Thema Rassismus und Rechtspopulismus sind in Balingen geplant: Am 8. Oktober ein Vortrag von Hans Ulrich Probst, Populismus- und Extremismusbeauftragter (Arbeitsstelle für Weltanschauungsfragen, evangelische Landeskirche in Württemberg) und am 17. November ein Workshop mit der Asylpfarrerin Ines Fischer zum persönlichen Umgang mit rechtspopulistischen Parolen.

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