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Schörzingen

Geschichtsstunde im Eckerwald: „Alles nur ein Vogelschiss Fragezeichen“

03.10.2019

Von Renate Deregowski

Geschichtsstunde im Eckerwald: „Alles nur ein Vogelschiss Fragezeichen“

© Renate Deregowski

Die Schülerinnen und Schüler führten das Theaterstück im Eckerwald auf.

Anhand der Biografie der Auschwitz-Überlebenden Urszula Koperska haben Waldorfschüler aus Villingen-Schwenningen am Donnerstag in der Gedenkstätte Eckerwald an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs erinnert. Mit ihrem Stationentheater zogen sie ihr Publikum in den Bann.

„Wir versuchen einen Nachdenkbeitrag zu leisten – gegen Rassismus und Fremdenhass und für die Menschenrechte“, ließ Gerhard Lempp die zahlreichen Besucher zu Beginn wissen. Er meinte damit die zehnte Klasse der Waldorfschule Villingen-Schwenningen mit ihrer Lehrerin Tamara Kohring und den beiden Elftklässlern sowie die Helfer im Hintergrund von der Initiative Eckerwald.

Das Stück unter dem Titel „Alles nur ein Vogelschiss Fragezeichen“ bewegte sich auf den Ebenen des Schulalltags der Gegenwart und der ausgehenden NS-Zeit. Strömungen aus der Diskussion um die deutsche Geschichte flossen ebenso ein, nicht zuletzt durch das titelgebende Zitat vom AfD-Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland.

Am Beispiel von Urszula Koperska

Im Hier und Jetzt setzten die Waldorfschüler an und nahmen ihre Zuschauer am Mahnmal mit in eine Geschichtsstunde. Ganz vorne mit dabei: Lena Mantel. Sie referierte zunächst als Schülerin Frederike über die traumatische Biografie Urszula Koperskas und verkörperte sie später während ihres Leidenswegs als achtjähriges Mädchen.

Urszula Kublik-Koperska wurde 1936 geboren, erlebte im August 1944 den Warschauer Aufstand und wurde mit ihrer Familie nach Auschwitz-Birkenau transportiert. Sie überlebte und gelangte schließlich Anfang Mai 1945 wieder zurück in ihre völlig zerstörte Heimat.

Schlüsselszenen aus dem KZ

Die Waldorfschüler beleuchteten an verschiedenen Stellen Schlüsselszenen aus diesen acht Monaten. Etwa als die SS Vater Aleksander Kublik von der Familie trennte, ihn in die Wüste-Lager Bisingen und Dautmergen brachte und schließlich ins KZ Vaihingen/Enz, wo er starb. Oder als sie die Auffangbecken der ehemaligen Gasreinigungsanlage zu Waggons jenes Viehtransport werden ließen, mit dem die Familie nach Auschwitz gebracht wurde.

Geschichtsstunde im Eckerwald: „Alles nur ein Vogelschiss Fragezeichen“

© Renate Deregowski

Beklemmende Momente direkt am Mahnmal.

Mit jeder Station, die es auf dem Gedenkpfad weiterging, verstummten die Zuschauer mehr, so sehr fesselte sie das Zusammenwirken von Umgebung, Spiel und Inhalt. Und so dauerte es tatsächlich einen kleinen Moment bis der Beifall aufbrandete, als das Stück abermals am Mahnmal zu seinem Ende kam.

Aus der Vergangenheit lernen

Hier wechselten die Darsteller wieder zurück in ihren Rollen als Schüler und Lehrer. Im fiktiven Unterricht zogen sie vielfältige, reflektierte Schlüsse. Ein geschichtliches Ereignis sei sicher kein Vogelschiss, ganz gleich, um was es sich handle. Die wiederholte Beschäftigung mit der NS-Zeit und anderen historischen Ereignissen wie Perioden diene dazu, aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen. Ein Theaterstück könne Zusammenhänge und Fakten verdeutlichen, jedoch immer nur eine Annäherung an die Wirklichkeit sein. Und wie erging es Lena als Urszula? „Die Rolle hat mich ihrem Schicksal mit so viel Elend und Tod näher gebracht.“

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