Albstadt

Gemeinderat stimmt für Abbruch der ehemaligen Fabrik Wohnhas in Onstmettingen

21.03.2024

Von Holger Much

Gemeinderat stimmt für Abbruch der ehemaligen Fabrik Wohnhas in Onstmettingen

© Holger Much

Anstelle des Gebäudekomplexes Schwabstaße 14 und 20 soll hier in Onstmettingen eine seit langem geplante moderne Kita entstehen.

Um Förderung zu erhalten, müssen spätestens im Juni dieses Jahres die Bagger anrollen. Der Antrag der Grünen auf Vertagung des Punktes wurde abgelehnt.

Die ehemalige Textilfabrik Wohnhas wird, so beschloss der Albstädter Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstagabend mit 19 Ja- und 9 Nein-Stimmen, abgebrochen werden. „Ein bisschen eine Katastrophe“, wie Grünen-Stadtrat Friedrich Rau kommentierte, der sich mit seiner Fraktion dafür einsetzte, den Bau zu erhalten, zu sanieren und ihn in vielfältiger Weise zu nutzen.

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Der von Markus Ringle vorgebrachte Antrag der Grünen, den Tagesordnungspunkt aufgrund von zu vieler ungeklärter Aspekte noch einmal von der Tagesordnung zu nehmen und noch nicht abzustimmen, wurde mit 8 Ja- und 19 Nein-Stimmen klar abgelehnt.

Freie Fläche wird mit einer modernen Kindertagesstätte bebaut

Die Rückbauarbeiten werden vom Ingenieurbüro Geoplan, Reutlingen, fachtechnisch begleitet. Die Verwaltung wird die Rückbauarbeiten an die Firma mit dem wirtschaftlichsten Angebot vergeben. Die dann freie Fläche wird mit einer modernen Kindertagesstätte bebaut. Dafür hatte sich auch der Onstmettinger Ortschaftsrat in seiner jüngsten Sitzung ausgesprochen: Abriss und Neubau.

Gemeinderat stimmt für Abbruch der ehemaligen Fabrik Wohnhas in Onstmettingen

© Holger Much

Anstelle der ehemaligen Textilfabrik Wohnhas soll in Onstmettingen eine moderne Kita entstehen.

Die veranschlagten Kosten hierfür liegen bei insgesamt etwa 11.000.000 Euro, die Gesamtkosten für die Rückbauarbeiten bei rund 1.188.000 Euro. Der Gebäudebestand umfasst neben dem Hauptgebäude (Schwabstraße 20) noch ein angebautes Kesselhaus mit einem frei stehenden Schornstein (Höhe etwa 23,50 Meter) sowie eine angebaute kleinere Garage.

Onstmettinger betonen große Bedeutung für den Stadtteil

Seit 2017 bestehen die Überlegungen, den wachsenden Anforderungen und Ansprüchen bezüglich Kinderbetreuung mit der Zusammenlegung der bisher bestehenden Kitas, der Kindertagesstätte Eberhardstraße und der Kindertagesstätte Johannes-Raster-Straße mit insgesamt 152 Ü3-Plätzen und 10 U3-Plätzen (7,5 Gruppen), zu begegnen.

Mit dem Neubau auf dem Platz der jetzigen Industriebrache Wohnhas entstünde eine Kindertagesstätte mit 6 Ü3- und 2 U3-Gruppen. Onstmettingens Ortsvorsteher Jürgen Kurz sowie Ulrike Münster von den Freien Wählern, sowohl Stadt- als auch Onstmettinger Ortschaftsrätin, betonten eindringlich die große Bedeutung dieser Maßnahme für Albstadt. Zudem, so Kurz, stünden in den bestehenden alten Kitas Renovierungsarbeiten in Millionenhöhe an.

Regierungspräsidium macht Druck

Aufgrund von Verzögerungen bei der Räumung des Gebäudes konnte der ursprüngliche Zeitplan, so ist den Sitzungsunterlagen der Stadtverwaltung zu entnehmen, nicht eingehalten werden. Um aber die vom Regierungspräsidium Tübingen zugesagte Fördersumme von 40 Prozent (390.360 Euro) der zuwendungsfähigen Rückbaukosten von 975.900 Euro zu bekommen, muss laut Forderung des Regierungspräsidiums Tübingen mit den Rückbauarbeiten bis spätestens am 30. Juni dieses Jahres tatsächlich begonnen werden.

Gemeinderat stimmt für Abbruch der ehemaligen Fabrik Wohnhas in Onstmettingen

© Stadt Albstadt

So sieht der Vorentwurf für einen möglichen Neubau aus.

Laut Verwaltungsangaben befinde sich das nicht unter Denkmalschutz stehende Gebäude – das Hauptgebäude wurde vor 121 Jahren errichtet - aufgrund des „langen Leerstandes und unterlassener Instandhaltung des Gebäudes in einem sehr schlechten Zustand“.

Grünen-Stadtrat Friedrich Rau argumentierte in einem längeren Vortrag, dass die von der Verwaltung vorgebrachten Gründe nicht den Abriss des Gebäudes rechtfertigten. Weder sei das Gebäude in einem „schlechten Zustand“, noch stelle der geschichtsträchtige Ort einen Missstand dar. Er habe weder nasse Wände noch Mängel beim Brandschutz feststellen können. Veraltete Haustechnik sei logisch, stelle aber keinen Abrissgrund dar.

Rau: Sanierung ist ökologischer, vernünftiger und kostengünstiger

Rau wandte sich gegen den Standpunkt der Verwaltung, die „graue Energie“, welche in der alten Fabrik stecke, verschwinde durch einen Abriss mit anschließendem Neubau, egal welchen Standards, nicht. Eine Sanierung sei nicht nur die ökologisch bessere, so Rau, sondern auch die vernünftigere und vor allem die kostengünstigere. Und eine Sanierung sei immer preiswerter und nachhaltiger als ein Neubau: „Wir leben zum Schaden anderer Menschen.“

Die Befürworter des Abrisses, CDU, SPD, Freie Wähler und FDP betonten die Dringlichkeit des Kita-Neubaus, warnten davor, dass bei einer Sanierung versteckte Mängel zutage träten, die die Maßnahme verlängern und deutlich verteuern würden.

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