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Balingen

Gefährliche „Legal Highs“ bei Jugendlichen in Frommern: Drogenproblem ja; Hotspot nein

25.06.2020

Von Benno Haile

Gefährliche „Legal Highs“ bei Jugendlichen in Frommern: Drogenproblem ja; Hotspot nein

© Petra Bork/pixelio.de

Sogenannte Legal Highs – wie etwa „Kräutermischungen“ – werden häufig als Joints geraucht. (Symbolfoto)

Am 26. Juni ist Welt-Drogentag. Hierbei soll auf den Missbrauch schädlicher Substanzen aufmerksam gemacht werden. Das Thema beschäftigt derzeit auch die örtliche Polizei und die Ortschaftsverwaltung in Frommern – dort soll es des Öfteren Fälle von Drogenverkauf und -konsum geben.

Die Nachricht ist gerade einmal zwei Wochen alt: In einem kleinen Dorf nahe Augsburg sterben zwei befreundete Jugendliche an Drogen.

Auch Frommern hat ein Drogenproblem: „Seit über einem Jahr werden in Frommern Betäubungsmittel, unter anderem sogenannte Legal Highs verkauft und konsumiert“, teilt das zuständige Polizeipräsidium Reutlingen auf ZAK-Anfrage mit. Die Rauschgiftermittlungsgruppe Balingen führe hierzu die notwendigen Ermittlungen durch.

Problem ist bekannt

Bei Ortsvorsteher Stephan Reuß ist das Problem bekannt. „Wir haben hier eben einen Bahnhof und einen Ortskern mit Siedlungsstruktur aus den 70er-Jahren“, erklärt Reuß zwei Faktoren, die das Problem verschärfen: „Ich kann nicht einschätzen, ob das Jugendliche aus Frommern sind, oder ob sie sich hier einfach nur am Bahnhof treffen“, sagt Reuß. „Von dort aus ist es auch nicht mehr weit in eine unbeobachtete Ecke bei der Ziegelei.“

Ein Trend unter den Jugendlichen, die sich in Frommern treffen, sind synthetische Cannabinoiden, auch „Legal Highs“ oder „Kräutermischungen“ genannt. Neben den klassischen Cannabisprodukten, die nach wie vor an erster Stelle stehen, konnte laut Polizei bei den Jugendlichen ein verstärkter Konsum dieser Produkte festgestellt werden.

Es sind diese vor allem die Legal Highs, die den Eltern in Frommern solche Sorgen bereiten. Die Polizei warnt vor dem unkalkulierbaren Gesundheitsrisiko der Droge – der Konsument wisse gar nicht, was da in seiner Mischung alles drin ist.

Massive Gesundheitsauswirkungen

Konsumenten müssen nach der Einnahme oder dem Rauchen häufig in Kliniken behandelt werden. Sie klagen über Übelkeit, Schwindel, Zitteranfälle, Kreislaufversagen, Ohnmacht und psychische Probleme wie Orientierungslosigkeit, Wahnvorstellungen und Psychosen.

Auch im Zollernalb-Klinikum mussten bereits Jugendliche mit entsprechenden Drogensymptomen behandelt werden, wie die Polizei bestätigt. Die Zahl der Patienten, die im Zusammenhang mit Drogenmissbrauch eingeliefert werden, sei laut Klinikangaben jedoch generell gering und seit 2018 sogar rückläufig.

Bundesweit gab es dagegen bereits mehrere Fälle von lebensgefährlichen Intoxikationen, die teilweise Nieren- und Kreislaufversagen oder Muskelzerfall nach sich zogen. „Der Konsum von „Legal Highs“ ist daher alles andere als cool, sondern einfach nur gefährlich“, warnt die Polizei eindringlich.

Kein Drogen-Hotspot

In jüngster Zeit waren Verkauf und Konsum von Legal Highs in Frommern laut Polizei gehäuft festzustellen. „In der Gesamtbetrachtung kann nach hiesiger Einschätzung aber nicht von einem Drogen-Hotspot gesprochen werden“, teilt die Polizei mit und auch Ortsvorsteher Reuß sagt: „Wir sind kein Drogen-Hotspot.“

Um die Jugendlichen vor den Gefahren der Droge zu schützen, werden vor Ort Präventivmaßnahmen und Kontrollen durchgeführt. Die Rauschgiftermittlungsgruppe des Kriminalkommissariats Balingen hat Broschüren über die Gefahren von „Kräutermischungen“ und „Legal Highs“ sowie dem Drogenkonsum im Allgemeinen an Jugendliche verteilt.

In den Schulen findet über die Schulsozialarbeit ebenfalls viel Aufklärungsarbeit statt.

Kontrollen, Prävention und Zivilcourage

Darüber hinaus wurden auch Gespräche mit Eltern geführt. Weitere Maßnahmen zur Aufklärung werden aktuell vom Referat Prävention erarbeitet.

Auf Präventivmaßnahmen und Zivilcourage setzt auch ein besorgter Elternteil, der sich an unsere Redaktion wandte: „Früher hieß es, man brauche ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen“, erklärt er: „Die Leute müssen die Augen aufmachen und die Jugendlichen ansprechen.“

Auch Ortsvorsteher Reuß hat Maßnahmen eingeleitet: „Wir haben einen Arbeitskreis mit der mobilen Jugendarbeit, der Polizei und der Stadtverwaltung eingerichtet, um die Zusammenarbeit zu verbessern.“

Außerdem seien die Beamten des Polizeipostens gut unterwegs: „Das kriegt halt keiner mit, wenn nachts um 1 Uhr eine Streife fährt“, antwortet er auf Kritik, die Polizei würde zu wenig gegen das Problem tun.

Was sind Legal Highs?

Unter dem Begriff „Legal Highs“ werden verschiedene Substanzen, unter anderem „Kräutermischungen“ und Research Produkte (Produkte aus der Forschung), zusammengefasst.

Durch den Namen wird der Eindruck erweckt, dass es sich um eine harmlose, legale Alternative zum Konsum von illegalen Drogen handeln könnte.

Ob die „Legal Highs“ wirklich legal sind, ist nicht so einfach zu klären. Inwiefern die Produkte unter das Betäubungsmittelgesetz, das Arzneimittelgesetz, dem Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz fallen oder gar legal erhältlich sind, kann erst nach einer Substanzbestimmung beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg festgestellt werden. Derzeit sind laut Polizeiangaben mehrere Hundert verschiedene Substanzen, die unter der Begrifflichkeit „Legal Highs“ fallen, auf dem Markt.

Unabhängig von der (vermeintlichen) Legalität warnt die Polizei eindringlich vor dem Konsum derartiger Substanzen. Das Gesundheitsrisiko ist unkalkulierbar, da sich beispielsweise die Inhaltsstoffe eines Produkts im Laufe der Zeit immer wieder verändern können, so dass bei wiederholtem Konsum einer bestimmten Mischung nicht mit der gleichen Wirkung zu rechnen ist. Häufig endet der Konsum im Krankenhaus.

Weitere Informationen zu Legal Highs finden Sie auch unter polizei-beratung.de

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