Ganz bittere Schlussphase: HBW Balingen-Weilstetten holt nur einen Punkt beim Schlusslicht

Von Marcus Arndt

Es ist wie so oft im Leben: Der Blickwinkel ist entscheidend. Beim Tabellenletzten HSC Coburg ließ das Team von Jens Bürkle am Donnerstagabend einen wichtigen Zähler liegen. „Spezielle Pfiffe“ machte der Coach des HBW Balingen-Weilstetten nach dem 27:27 aus.

Ganz bittere Schlussphase: HBW Balingen-Weilstetten holt nur einen Punkt beim Schlusslicht

In Coburg holte der HBW nur einen Zähler.

Verständlich nach der schwachen Schiedsrichterleistung von Thomas Kern und Thorsten Kuschel, welche die finale Aktion von Björn Zintel richtig entschieden. Der Balinger Mittelmann machte dreieinhalb, vielleicht vier Schritte beim vermeintlichen 28:27 für den HBW.

„Dann habe ich bei Pouya aber mindestens zwölf Schrittfehler gesehen“, kritisierte Bürkle am Sky-Mikrofon und fügte hinzu: „Das war nicht die einzige ganz, ganz bittere Entscheidung gegen uns.“ Trotz des Remis bleibt der HBW weiter Tabellen-16., da auch die Eulen (27:27 gegen Leipzig) nicht gewinnen konnten.

Schwerer Start

Es war der erwartet harte Fight für die Schwaben beim Schlusslicht. „Wir müssen gut starten“, so die Vorgabe von Bürkle im Duell mit dem designierten Absteiger. Das gelang den Schwaben, welche sich in der Anfangsphase schwertaten, nicht. Die Oberfranken spielten einen schnellen Ball – und nach zwei Grozdanic-Treffern führte der HSC zunächst knapp (2:1/3.).

Mit einer feinen Einzelaktion sorgte Vladan Lipovina für den Ausgleich – und nach dem ersten Coburger Ballverlust erzielte Oddur Gretarsson die erste Gästeführung (3:2/5.). Den knappen Vorsprung konservierten die Balinger in der Folge. In einer ohnehin intensiven Partie parierte Mike Jensen den dritten Grozdanic-Siebenmeter. Der Serbe traf den Balinger Keeper im Gesicht – und damit war nach neun Minuten sein Arbeitstag beendet.

Probleme in der Offensive

Bitter, dass das Schlusslicht in Unterzahl egalisierte und die Schwaben zwei Möglichkeiten fahrlässig liegen ließen. Das nutzte der HSC, welcher nach zehn Minuten wieder vorlegte (5:4/10.).

Im stehenden Angriff taten sich die „Gallier“ weiter schwer. Symptomatisch: Jona Schoch zimmerte das Spielgerät weit drüber – und Gretarsson scheiterte beim Siebenmeter an Konstantin Poltrum. Der HBW ließ einfach viel zu viel liegen. Dass Schoch nach dem 6:5 von Pouya Norouzinezhad noch eine Zeitstrafe einsammelte, passte ins Bild.

HBW verkürzt zur Pause

Beim 5:8 aus Sicht der Kreisstädter waren es dann minus drei. Bürkle reagierte, bat zur Extrabesprechung an die Seitenlinie. „Das sind genau die Gegentore, die wir nicht haben wollen“, sagte der Sportwissenschaftler, welcher zur Ruhe mahnte. Die Schwaben waren aber völlig von der Rolle, verloren gegen Poltrum die Nerven. Coburg führte den HBW phasenweise vor, der weiter keine Lösungen fand.

Die zwischenzeitliche Vier-Tore-Führung der Franken war verdient. Wichtig, dass die Schwaben in Schlagdistanz blieben: beim 11:13 (25. Minute). Zur Pause hieß es 16:14 für den Tabellenletzten – aber noch war nichts entschieden.

Poltrum weiter ganz stark

Nach dem Seitenwechsel stellte der Außenseiter wieder auf plus drei: beim 18:15 (32.). Coburg wirkte befreit – die „Gallier“ etwas gehemmt. Tim Nothdurft gelang der Anschluss, aber weiter lagen die Schwaben zurück. Diese waren im Abschluss einfach schwach und nach der zehnten Poltrum-Parade wurde es richtig schwer.

Klug und geduldig spielte der HSC, der auch nach der zweiten Roten Karte (Zeman/41.) die besseren Szenen vor über 450 Zuschauern hatte.Beim 22:23 (47.) verkürzten die Balinger, aber erneut verpasste Fabian Wiederstein den Ausgleich.

„Haben zu viel liegen lassen“

Es waren in der Summe einfach zu viele Unzulänglichkeiten der Balinger. Dennoch blieb weiterhin alles offen (23:23/50.). Es war richtig Dampf im Kessel an der Veste. „Spielt die Dinger sauber aus“, forderte Bürkle, „Handball mit Überzeugung.“

Das funktionierte. Gregor Thomann warf die Balinger tatsächlich in Führung (25:24/55.). Die brachte der Tabellen-16. aber nicht über die Zeit. „Wir sind nach dem Rückstand super zurückgekommen“, bilanzierte Bürkle, „haben aber zu viel liegen lassen. Nun bleibt abzuwarten, ob es ein Punktgewinn oder -verlust war.“