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Winterlingen

Für die Gegner sind die Fakten eindeutig: Winterlinger Windpark rechnet sich nicht

14.06.2019

von Volker Schweizer

Für die Gegner sind die Fakten eindeutig: Winterlinger Windpark rechnet sich nicht

© Volker Schweizer

Jochen Lottermoser, Willi Merkel, Walter Beck und Herbert Bitsch (von links) zeigen auf eine Graphik der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg. In Bitz, Winterlingen und Albstadt ist alles grün. Die Farbe Grün bedeutet, dass die Windleistungsdichte gering ist und sich auf diesen Flächen keine Windkraftanlagen rentieren.

Die Bürgerinitiativen in Bitz und Winterlingen sehen sich durch den neuen „Windatlas“ bestärkt. Sie hoffen auf viele Teilnehmer beim Erörterungstermin Ende nächsten Monats.

Ende Mai hat das Umweltministerium den neuen „Windatlas“ für Baden-Württemberg vorgestellt. Das Papier weist deutlich mehr Windkraft-Flächen aus als die letzte Version von 2011. Während darin Rotor-Standorte noch nach Windgeschwindigkeiten (m/s) klassifiziert wurden, ist das Kriterium im neuen Atlas Watt pro Quadratmeter (W/qm). Galten früher Standorte ab 5,5 m/s im Jahresdurchschnitt als geeignet, werden nun solche mit mittlerer Windleistungsdichte von mindestens 215 W/qm in 160 Meter als nutzbar angesehen.

Unter dem Mindestrichtwert

Die Zahlen für den oberen Bezirk des Zollernalbkreises bestärken Jochen Lottermoser und Herbert Bitsch, die Sprecher der beiden Bürgerinitiativen Bitz und Fachberg/Riedern, in ihrem Kampf gegen die geplante Anlage auf Winterlinger Gemarkung. Zum in dieser Woche stattgefundenen Pressegespräch hatten sie einen Ausdruck mitgebracht, auf dem ersichtlich wird, dass für Winterligen, Bitz und Albstadt 105 bis 145 W/qm als mittlere Windleistungsdichte angegeben sind.

„Wir liegen also deutlich unter dem Mindestrichtwert von 215 W/qm“, was Lottermoser zum Schluss kommen lässt, dass das Landratsamt schon im Jahr 2016 keine Teilgenehmigung für den Bau von vier Windrädern hätte erteilen dürfen.

Schon damals sei die fehlende Wirtschaftlichkeit ein Versagungsgrund gewesen. Eine Einsichtnahme in das Windgutachten habe die Behörde aber verweigert. „Dabei wissen wir, dass an der deutschen Wetterstation in Meßstetten Windgeschwindigkeiten von gerade mal 2,4 bis 2,7 m/s gemessen wurden“, so Herbert Bitsch.

Super-GAU für den Antragsteller

Willi Merkel fordert Konsequenzen aus der aktuellen Entwicklung. Das Landratsamt sollte die Genehmigung widerrufen, das ist, so der Jurist, nach Kenntnis eines veränderten Umstandes rechtlich innerhalb eines Jahres möglich. Dem Energiekonzern EON empfiehlt er, den Bauantrag zurückzunehmen, das erspare dem Unternehmen nach dem erlittenen „Super-GAU“ viel Ärger und Geld. Und auch die Gemeinde Winterlingen wäre seiner Ansicht nach gut beraten, die Sache nicht weiter zu verfolgen. Merkel war 15 Jahre lang CDU-Fraktionschef im Albstädter Gemeinderat und ist als Miteigentümer des Süßen Grundes vom Vorhaben persönlich betroffen und hat sich dem Widerstand angeschlossen.

Viele Gründe gegen Windpark

Jochen Lottermoser und Herbert Bitsch werden nicht müde, neben der fehlenden Wirtschaftlichkeit die weitere Gründe aufzuzählen, die aus ihrer Sicht gegen den Windpark sprechen. Sie führen unter anderem die Verstöße gegen den Natur- und Landschaftsschutz, den Artenschutz und die Region als Erdbebengebiet an. Kein gutes Haar lässt Bitsch am Land, er wirft dem Ministerium Taschenspielerei vor. Es werde suggeriert, dass die Verdoppelung der in Frage kommenden Flächen für Windkraftanlagen aus besseren methodischen und technologischen Fortschritten resultiere. Das stimme aber nicht. Die Absenkung des Mindestrichtwertes sei der wesentliche Grund. Wohl wegen der Wahl im Mai habe man den neuen „Windatlas“ zurückgehalten.

„Wir klagen durch alle Instanzen“

Laut Bitsch hat das Landratsamt nach dem öffentlichen Erörterungstermin Ende nächsten Monats über den Antrag auf Ausnahmegenehmigung vom Tötungsverbot nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu entscheiden. Für den Fall einer Genehmigung kündigen die Gegner an, durch alle Instanzen zu klagen, auch wenn es mehrere Jahre dauert.

Anwesenheit bedeutet Widerstand

Gegen den Bau von sieben je 238,5 Meter hohen Windrädern zwischen Bitz und Winterlingen sind beim Landratsamt 3760 Einwendungen eingegangen. Der Erörterungstermin wurde deshalb von Ende Mai auf Dienstag, 23. Juli, verschoben (wir berichteten).

Mit Blick auf die Urlaubszeit will Jochen Lottermoser erreichen, dass sich Gegner und Befürworter erst im September treffen. Herbert Bitsch glaubt nicht, dass die Behörde auf diesen Wunsch eingeht. Er hofft auf eine große Resonanz, denn Anwesenheit bedeute Widerstand.

„Auf bbi-wk.de können sich Interessierte unverbindlich anmelden“, informiert er. Der Erörterungstermin findet nicht wie ursprünglich vorgesehen im Musiksaal der Winterlinger Grund- und Werkrealschule statt, sondern in der Festhalle in der Friedrichstraße. Beginn ist um 10 Uhr. Bei Bedarf wird an den Folgetagen jeweils ab 10 Uhr weiter erörtert und diskutiert.

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